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Ärzteschaft

Tarifverhandlungen: MB kritisiert Verzögerungstaktik etlicher Arbeitgeber

Dienstag, 21. April 2020

Susanne Johna /Georg J. Lopata

Berlin – Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) hat das Verhalten einiger Klinikbe­treiber in der Corona-Pandemie kritisiert. Der Gewerkschaft zufolge nutzen etliche Arbeit­geber die aktuelle Situation der Ärzte aus, die derzeit die Patienten­versorgung in den Vordergrund stellen und keinen Arbeitskampf führen können.

„Anstatt Ärzten die Verbesserungen zuzugestehen, die in mehr als 500 kommunalen Kli­niken und 23 Universitätskliniken bereits gelten, werden sie von BG Kliniken, Caritas und dem Land Hessen mit Lippenbekenntnissen abgespeist“, kritisierte MB-Vorsitzende Su­sanne Johna.

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So verweigere beispielsweise der Deutsche Caritasverband unter Berufung auf kirchliche Privilegien echte Tarifverhandlungen und blockiere im sogenannten Dritten Weg seit Mo­naten die Übernahme der zwischen MB und der Vereinigung der kommunalen Arbeitge­ber­verbände (VKA) vereinbarten Tarifregelungen.

Stattdessen beharre die Caritas auf Ausnahmen zulasten der in ihren Einrichtungen an­gestellten Ärzte. „Wer sich generell Tarifverträgen verweigert und die Coronakrise zum Anlass nimmt, Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu verschleppen, spielt mit der Loyalität der Mitarbeiter“, warnte Johna.

Auch die BG-Kliniken spielen laut MB auf Kosten ihrer Mitarbeiter auf Zeit. So habe der Arbeitgeberverband der BG-Kliniken kurz vor Beginn der Kontaktbeschränkungen die zu­vor erreichte Tarifeinigung völlig überraschend widerrufen. Trotz anderslautender Ver­laut­barungen stehe er seitdem für Gespräche mit dem MB nicht zur Verfügung.

Ähnlich verhalte sich auch das Land Hessen: Laut Ärztegewerkschaft verweigert es den Ärzten an den hessischen Unikliniken den Tarifstandard, der in bundesweit 23 Unikliniken bereits verwirklicht ist.

Der MB Hessen hatte der Landesregierung angeboten, in Zeiten der Krise auf langwierige Verhandlungen zu verzichten. Im Gegenzug sollte das Land den erst vor kurzem auf Bun­desebene zwischen MB und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) abgeschlosse­nen Tarifvertrag übernehmen.

Dies sei bis dato nicht geschehen. Inzwischen haben mehr als 1.000 Ärzte in einem Offe­nen Brief den hessischen Ministerpräsidenten dazu aufgefordert, dem öffentlich vorgetra­genen Lob für das Engagement der Ärzte nun auch Taten folgen zu lassen.

Auch für die Ärztegewerkschaft ist das Verhalten der Arbeitgeber ein deutliches Zeichen mangelnder Wertschätzung: „Schon vor der Coronazeit wäre diese Vorgehensweise un­würdig gewesen – jetzt, in dieser Krise, ist es ein klarer Affront gegenüber den Klinik­ärzten“, so die MB-Chefin.

Die Forderung nach steuerfreien Bonuszahlungen für alle Beschäftigten in den Kranken­häusern müsse für alle Berufsgruppen gelten. „Schließlich tragen alle in der Patienten­ver­sorgung Beschäftigten gleichermaßen mit hohem Einsatz dazu bei, dass die Krise gemeistert wird“, unterstrich Johna. © hil/sb/aerzteblatt.de

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