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Medizin

Zoledronsäure kann Knorpel bei Gonarthrose nicht regenerieren

Dienstag, 19. Mai 2020

/crevis, stock.adobe.com

Hobart/Australien − Die Behandlung mit dem Bisphosphonat Zoledronsäure, das bei Osteoporose-Patienten die Knochenmineralisation verbessert, hat in einer randomisierten Studie bei Patienten mit einer Arthrose der Kniegelenke weder den Verlust von Gelenkknorpel und Knochenmasse verlangsamt, noch die Symptome der Patienten gelindert, wie die jetzt im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; 323: 1456-1466) veröffentlichten Ergebnisse zeigen.

Bisphosphonate waren die ersten Medikamente, die den Verlust von Knochenmasse im Alter nicht nur verlangsamen, sondern die Knochendichte steigern können. Sie sind deshalb Mittel der Wahl in der Behandlung der Osteoporose. Bei einer schweren Arthrose kommt es nicht nur zu einer Zerstörung des Gelenkknorpels. Im darunter liegenden Knochen bilden sich Zysten und selbst im Knochenmark sind in der Magnetresonanztomografie Läsionen sichtbar.

Dies hat zu der Idee geführt, Patienten mit schweren Arthrosen mit Bisphosphonaten zu behandeln in der Hoffnung, dass sich mit den Läsion in der Knochensubstanz auch der Knorpel erholen könnte oder der weitere Abbau wenigstens verlangsamt würde. Am Ende könnte dies die Beschwerden der Patienten lindern.

Diese Erwartungen werden jetzt durch die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie enttäuscht, an der an 4 Zentren in Australien insgesamt 223 Patienten teilge­nommen hatten. Die Patienten waren im Durchschnitt 62 Jahre alt. Sie litten unter einer schweren Gonarthrose mit deutlichen Knochenmarkläsionen.

Die Teilnehmer erhielten zu Beginn der Studie und nach 12 Monaten eine intravenöse Infusion, die allerdings nur bei der Hälfte den Wirkstoff Zoledronsäure enthielt. Der primäre Endpunkt war die Veränderung des tibiofemoralen Knorpelvolumens, das vor Beginn der Studie und nach 24 Monaten mittels Magnetresonanztomografie bestimmt wurde.

Anders als erhofft, konnte Zoledronsäure den weiteren Verlust an Knorpelmasse nicht verhindern. Wie das Team um Graeme Jones von der Universität von Tasmanien in Hobart berichtet, war die Differenz von 41 mm3 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von minus 79 bis 161 mm3 nicht signifikant.

Auch in den sekundären Endpunkten war kein Vorteil für die Zoledronsäure-Gruppe erkennbar. Der Knieschmerz verschlechterte sich auf der 100-mm-Skala in der Zoledronsäure-Gruppe um weitere 11,5 mm gegenüber einer Verschlechterung um 16,8 mm in der Placebogruppe. Die Differenz von 5,2 mm (minus 2,3 bis 12,8 mm) war nicht signifikant. Auch im WOMAC-Score („Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index“), der die Einschränkungen im Alltag misst, kam es in beiden Gruppen zu einer weiteren Verschlechterung um 37,5 beziehungsweise 58,0 Punkte.

Auch hier verfehlte der tendenzielle Vorteil für die Zoledronsäure-Gruppe das Signifikanzniveau (Differenz 20,5 Punkte; minus 11,2 bis 52,2 Punkte). Die tendenziellen Vorteile von Zoledronsäure waren jeweils so gering, dass sich daraus laut Jones keine klinischen Vorteile für die Patienten ergeben würden.

Die Knochenmarkläsionen verminderten sich in beiden Gruppen leicht: um 33 mm2 in der Zoledronsäure-Gruppe und um 6 mm2 in der Placebo-Gruppe. Erneut war der Vorteil nicht signifikant (Differenz 27 mm2; minus 73 bis 127 mm2).

Die Verträglichkeit von Zoledronsäure entsprach den Erwartungen. Die meisten Symptome klangen innerhalb von 3 Tagen nach der Infusion wieder ab. Ohne einen nachweisbaren Vorteil gibt es jedoch bei Patienten mit schwerer Osteoarthrose für Jones keinen Grund für den Einsatz von Zoledronsäure oder anderen Bisphosphonaten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #666815
jpyeah
am Dienstag, 19. Mai 2020, 18:50

Hüfte als Symbolbild?

Die Bildredaktion könnte gerne das Bild gegen ein Knie tauschen...
LNS

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