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Politik

G-BA-Richtlinie zur Kryokonservierung sieht weiterhin Altersgrenzen vor

Freitag, 24. April 2020

/dpa

Berlin – Der Richtlinienentwurf des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) enthält nach wie vor den Vorschlag, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die an Krebs erkrankt sind, von einer Kryokonservierung zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) ausgenommen werden sollten. Darüber hinaus sei nach wie vor eine Alters­gren­ze für die Kryokonservierung bei Frauen ab 40 Jahren und Männern ab 50 vorge­sehen.

Darauf hat der Vorsitzen­de des Kuratoriums der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, Mathias Freund, gestern Abend in einer Video­sprechtunde auf Youtube hinge­wiesen. Das sei eine Erkenntnis aus der Anhörung im G-BA zur Richtlinie zur Fruchtbar­keits­erhal­tung.

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Der Gesetzgeber hatte mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz entschieden, dass Krankenkassen für junge Erwachsene, die an Krebs erkrankt sind, die Kos­ten für eine Kry­o­konservierung tragen müssen. Die Details muss allerdings der G-BA in einer Richtlinie regeln. Eine Anhörung dazu, die für März geplant war, war wegen der Coro­nakrise ver­schoben worden. Gestern fand sie nun als Videoanhörung statt.

Freund betonte in der Videosprechstunde, GKV-Spitzenverband und Kassen­ärztliche Bun­desver­ei­nigung (KBV) hätten auf Grenzen der arzneimittelrechtli­chen Zu­lassung hinge­wiesen. Das Problem bei den unter 18-Jährigen liegt nach Angaben des Beschlussent­wurfs in den De­tails für eine hormonelle Sti­mulationsbehandlung.

Das stößt bei Betroffenenvertretern auf Kritik. Es könne nicht sein, dass die Krankenkas­sen die Fruchtbarkeitsbehandlung für eine 18-Jährige bezahlten, für eine 17,5-Jährige aber nicht. „Das geht überhaupt gar nicht“, erklärte Freund. Mädchen unter 18 Jahren müssten die gleiche Chance auf eine solche Behandlung bekommen.

Darüber hinaus seien die Zulassungseinschränkungen für den Einsatz der Hormone „rela­tiv weich“. Der Verein plädiert in einer Stellungnahme dafür, dass auch unter 18-jährige Mädchen die Eizellkonservierung zulasten der GKV bekommen können. Diese Auffassung hätten sämtliche Fachgesellschaften in der Anhörung gestützt.

Freund zufolge sei „erstaunlich“ gewesen, dass GKV-Spitzenverband und KBV sich zu dieser Frage in der Anhörung überhaupt nicht geäußert hatten. Sie hätten das weder verteidigt, noch ander­weitig dazu Stellung bezogen.

Als kritisch sieht die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs es auch an, dass die Krankenkassen versuchen, eine obere Altergrenze festzuziehen. Man fasse die Richt­linie so auf, dass eine Alters­gren­ze für die Kryokonservierung bei Frauen ab 40 Jahren und Männern ab 50 vorgesehen sei.

Freund betonte, die Krankenkassen hätten die Auslegung in der Anhörung zurückge­wie­sen. Ihr Vorschlag sei vielmehr, dass nur derjenige, der bis zum 40 beziehungsweise 50 Lebensjahr in der Lage sei, eine künstlichen Befruchtung zu erhalten. Nur der solle die Fruchtbarkeitserhaltung bekommen. Freund betonte, das könne man medizinisch nicht realistisch bewerten. Streit sei somit programmiert. Krebspatienten hätten in einer sol­chen Situation andere Sorgen.

Positiv bewertet Freund hingegen, dass bei der Krykonservierung in der Richtlinie keine Indikati­ons­einschränkungen vorgesehen sind. „Wenn ein Arzt der Mei­nung ist, dass eine Frucht­barkeit durch die Behandlung gefährdet ist, kann er eine Frucht­barkeitserhaltung indizie­ren“, sagte Freund. Dann müssten die Kra­nkenkassen das auch bezahlen. Die Angst, dass die Richtlinie Indikationslisten vorsehen könnte, habe sich nicht bestä­tigt.

Im allge­meinen Verfahren sei man „ganz zufrieden“, so Freund. Er wies darauf hin, dass in der Richtlinie eine Beratung durch Onkologen und die Ärzte vorgesehen sei, die die Fruchtbarkeitsbehandlung vornehmen. An eine schnelle Verabschiedung der Richtlinie glaubt Freund unterdessen nicht. Wenn es als Weihnachtsgeschenk käme, dann werde das relativ früh sein. © may/aerzteblatt.de

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