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COVID-19: Bedürfnisse der Kinder stärker berücksichtigen

Donnerstag, 23. April 2020

/Vasyl, stock.adobe.com

Berlin/Köln – Politik und Gesellschaft haben bei den Maßnahmen gegen die Coronapan­de­mie das Wohl und die Interessen von Kindern und Jugendlichen zurückgestellt. Das kri­tisiert die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) in einer aktuellen Stellungnahme.

„Kinder und Jugendliche wurden in den bisherigen Entscheidungsprozessen nicht als Personen mit ebenbürtigen Rechten gesehen, sondern als potentielle Virusträger. Sie wurden in ihren Lebenswelten massiv eingeschränkt, nicht zum eigenen, sondern zum Schutz Anderer“, erklärte die Fachgesellschaft.

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Kinder würden nicht gefragt, was sie in dieser Situation benötigten und was sie vermiss­ten, was ihnen guttue und was die Gesellschaft für sie tun könne – ein „großer Teil der Bevölkerung wird somit überhaupt nicht berücksichtigt“, so die DAKJ.

Sie fordert daher, die jetzt anstehenden Regelungen zur weiteren Normalisierung auch mit Blick auf die Bedürfnisse und Rechte der Kinder und Jugendlichen zu beschließen.

„Mutige Entscheidungen sind gefordert, die sich nicht ausschließlich an einer hygieni­schen und epidemiologischen Risikominimierung für Erwachsene orientieren, sondern die stark genug sind, um langfristig Schaden von Kindern und Jugendlichen abzuwenden“, fordert die Fachgesellschaft.

Die Kinderärzte fürchten, dass eine langwährende Schließung von Kindertagesstätten, Kinderspielplätzen, Schulen und Sportstätten die gesunde körperliche, psychische und soziale Entwicklung vieler Kinder gefährden könnte.

Zudem kämen während der Pandemie sehr viel weniger Kinder in die Praxen, Fachambu­lanzen und Kliniken. „Wir befürchten Probleme durch unverhältnismäßig langes Hinaus­zö­gern von notwendigen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen“, warnt die DAKJ. Das Aussetzen der Früherkennungsuntersuchungen führe zudem dazu, dass Ent­wicklungsauffälligkeiten und Krankheiten zu spät entdeckt würden.

„Es ist zunächst dringend wissenschaftlich zu klären, ob Kinder und Jugendliche über­haupt epidemiologisch relevante Überträger des Virus sind. Auf politischer Seite muss abgewogen werden zwischen möglichen epidemiologischen Auswirkungen einer Öff­nungs­strategie einerseits und den erheblichen Risiken eines verlängerten Lockdowns für die gesunde kindliche Entwicklung andererseits“, so die Fachgesellschaft.

Zudem sei wichtig, Experten für Kinder und Jugendliche und die Betroffenen selbst in die weiteren politischen Beratungen einzubinden. „Die bisherigen politischen Entscheidun­gen in der Krise zeigen einmal mehr, warum Kinderrechte in das Grundgesetz gehören“, so das Fazit der DAKJ. © hil/aerzteblatt.de

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