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Klinikspitze in Potsdam nach Häufung von Coronafällen beurlaubt

Freitag, 24. April 2020

/picture alliance

Potsdam − Der Ausbruch des Coronavirus am größten Potsdamer Krankenhaus, dem Kli­nikum Ernst von Bergmann, hat personelle Konsequenzen. Oberbürgermeister (OB) Mike Schubert (SPD) hat nach eigenen Angaben gestern entschieden, die beiden Geschäftsfüh­rer Steffen Grebner und Dorothea Fischer vorerst zu beurlauben.

Das gelte bis zur abschließenden Bewertung, ob jenseits der vom Robert-Koch-Institut (RKI) benannten Mängel weitere organisatorische und hygienische Defizite den Ausbruch und die Verbreitung des Coronavirus begünstigt hätten, sagte Schubert. Die Beurlaubung gelte ab morgen für ein halbes Jahr. Fischer bleibe aber Chefärztin der Frauenklinik. Eine unabhängige Kommission soll die Krise aufarbeiten.

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Seit Mitte März hatten sich Coronainfektionen in dem Klinikum gehäuft, das rund eine halbe Million Menschen versorgt. Experten des RKI kamen zu Hilfe und kritisierten unter anderem, dass Umzüge ganzer Stationen die Virusübertragung begünstigt haben könn­ten. Bisher starben 39 COVID-19-Patienten in der Klinik.

Seit 1. April gilt ein Aufnahmestopp für neue Patienten außer für Notfälle. Die Staatsan­waltschaft Potsdam prüft, ob sich drei leitende Ärzte und die Geschäftsführer strafbar ge­macht haben – dabei geht es um Meldepflichten. Sie untersucht auch eine Strafanzeige der Deutschen Stiftung Patientenschutz gegen die Geschäftsführung und Ärzte des Klini­kums zum Verdacht des Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz und der fahrlässigen Tötung.

Alles müsse getan werden, „damit das Klinikum Ernst von Bergmann als Maximalversor­ger wieder ans Netz gehen kann“, sagte der Oberbürgermeister. Die Geschäftsführer hätt­en zugesagt, einen Zwischenbericht zum Virusausbruch wie von der Landesregierung ge­fordert bis heute vorzulegen. „Dies ist eine Grundlage, um wieder Patienten aufnehmen zu können“, sagte Schubert.

Zweite Voraussetzung sei ein Konzept zur Wiederaufnahme, für das die künftigen kom­mis­sarischen Geschäftsführer Hans-Ulrich Schmidt und Tim Steckel sowie Berater von Kienbaum bis Ende kommender Woche einen Vorschlag machen wollten. Potsdams Links­fraktionschef Stefan Wollenberg sagte, er habe sich die Beurlaubung schon vergangene Woche gewünscht.

Am vergangenen Wochenende hatte die Geschäftsführung erstmals Fehler eingeräumt. Eine unabhängige Expertenkommission soll nun Hintergründe untersuchen – unter Lei­tung von Brandenburgs Ex-Ge­sund­heits­mi­nis­terin Anita Tack (Linke) als Teil einer Doppel­spitze.

Der Marburger Bund Berlin/Brandenburg hält eine umfängliche Aufklärung für nötig. „Jetzt gibt es die Chance, durch externe Gutachter aufzuklären, wie es zu dieser Situation kommen konnte und auch mehr Transparenz in das Verfahren zu bringen“, sagte Ge­schäfts­führer Reiner Felsberg.

Der künftige kommissarische Geschäftsführer Schmidt sagte: „Wir haben nach wie vor COVID-Befall und -Infektionen überall.“ Er leitet das Lausitz Klinikum Forst, das mehr­heit­lich von der Klinikgruppe Ernst von Bergmann betrieben wird. Steckel, kaufmänni­scher Direktor des Bergmann-Klinikums, zeigte sich zuversichtlich: „Wir wollen zügig, wenn wir es dürfen, wieder hochfahren.“ Die Klinik soll in drei Bereiche aufgeteilt wer­den: in weiß als coronafreie Stationen, in grau mit Verdachtsfällen und in schwarz für Infizierte.

Die Mitarbeiter des Klinikums sollen nach einem Vorstoß der drei Stadtverordnetenfrak­tio­nen SPD, Linke und Grüne besser bezahlt werden. Laut Vorschlag sollen zum 1. Juni die Arbeitsbedingungen des Tarifvertrags des öffentlichen Dienstes gelten – für alle Beschäf­tigten klinischer Bereiche wie für Tochterunternehmen mit der Stadt als alleiniger Gesell­schafterin.

Auch eine Einsatzprämie für besondere Arbeitsbedingungen während der Corona­pande­mie von 500 Euro soll gezahlt werden. Der Vorschlag soll von den drei Fraktionen am 6. Mai beschlossen werden, sie haben im Stadtparlament eine Mehrheit. Derzeit bestehen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in der Bergmann-Klinikgruppe Haustarifverträge unterschiedlicher Qualität.

Bei der Klinikgruppe Ernst von Bergmann arbeiten knapp 4.500 Beschäftigte, etwa 2.300 Mitarbeiter im Klinikbereich, weitere 2.200 Beschäftigte in neun Tochtergesellschaften. Das Klinikum erwirtschaftete auf Konzernebene 2018 Umsatzerlöse von rund 295,3 Millionen Euro und einen Konzernjahresüberschuss von 887.000 Euro. © dpa/aerzteblatt.de

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