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Onkologen warnen vor Bugwelle an zu spät diagnostizierten Krebsfällen

Freitag, 24. April 2020

/RFBSIP, stock.adobe.com

Bonn – Wissenschaftler und Ärzte warnen in der Coronakrise vor einer „Bugwelle an zu spät diagnostizierten Krebsfällen“. Bislang mussten Krebspatienten im Regelfall keine bedroh­lichen Versorgungsengpässe befürchten, doch Einschränkungen durch die Krisen­situation seien spürbar, teilten das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft mit. Ob die Zahl der Krebsfälle dadurch steigen könnte, ließen die Experten zunächst offen.

„Grundsätzlich war die onkologische Therapie in Deutschland während der COVID-19-Pandemie bisher gesichert und wir konnten keine bedrohlichen Versorgungsengpässe für Krebspatienten feststellen“, sagte Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Krebshilfe. „Doch wir erkennen inzwischen auch, dass das Versorgungssystem spürbar gestresst ist und die Einschränkungen aufgrund der Kri­sensituation negative Auswirkungen für Krebspatienten haben können.“

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DKFZ, die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft. Die drei Institutionen hatten Mitte März ein gemeinsames Frühwarnsystem aufgebaut, um Veränderungen in der onkologischen Versorgung während der COVID-19-Pandemie zu beobachten.

Klinikbetten werden derzeit frei gehalten – für Coronapatienten, die aufgrund der Epide­mieentwicklung nicht in der zunächst befürchteten hohen Zahl kamen. Früherkennungs­pro­gramme seien zusammengestrichen worden, ebenso manche Spezialuntersuchungen bei Krebs. Nicht lebensnotwendige Operationen seien verschoben worden.

„Ein Aussetzen von Früherkennungs- und Abklärungsmaßnahmen ist nur über einen kur­zen Zeitraum tolerierbar, sonst werden Tumoren möglicherweise erst in einem fortge­schrittenen Stadium mit dann schlechterer Prognose erkannt“, sagte Michael Baumann, Vorstands­vorsitzender des DKFZ in Heidelberg.

Die drei Gesellschaften raten allen Patienten, Untersuchungstermine zur Abklärung ver­dächtiger Symptome und eventuell verschobene Therapien unbedingt so bald wie mög­lich wahrzunehmen. „Wir empfehlen auch, die Kapazitäten zur Abklärung und Therapie von Krebserkrank­ungen im regionalen Bereich durch Leitstellen zu koordinieren, die ide­alerweise an die großen Krebszentren angegliedert sind,“ sagte Olaf Ortmann, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft.

Schon vor Corona rechneten Experten mit einem Anstieg bei Krebserkrankungen. Laut Prognose der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) wird sich die Zahl bis 2040 fast ver­doppeln. Laut dem Weltkrebsreport der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) erkrankten 2018 weltweit 18,1 Millionen Menschen an Krebs, 9,6 Millionen starben.

2040 dürften demnach 29 bis 37 Millionen Menschen neu erkranken. Auch Baumann ging Anfang Februar von einer solchen Entwicklung aus. Gründe seien die wachsende und älter werdende Weltbevölkerung, aber auch „Lebensstilfaktoren“. © dpa/hil/aerzteblatt.de

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