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Unikliniken überprüfen mögliche kindliche Immunität gegen SARS-CoV-2

Donnerstag, 23. April 2020

/picture alliance

Heidelberg – Vier deutsche Universitätskliniken werden in einer Studie überprüfen, ob Kinder bis zu zehn Jahren möglicherweise eine gewisse Immunität gegen SARS-CoV-2 aufweisen.

Hinweise darauf hatte kürzlich eine Studie der isländischen Bevölkerung ge­liefert, in der kein Kind unter zehn Jahren positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden war, wie die Autoren im New England Journal of Medicine berichteten (DOI: 10.1056/NEJMoa2006100).

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Sollten sich diese Hinweise bestätigen, könnten daraus Rückschlüsse zu Zeitpunkt und Be­dingungen der Öffnung von Kitas und Grundschulen gezogen werden. Untersucht wer­den sollen 2.000 Kinder plus jeweils ein Elternteil. Teilnehmer werden noch gesucht. Die Studie, an der die Universitätskinderkliniken in Heidelberg, Ulm, Freiburg und Tübingen beteiligt sind, startet heute.

Er hoffe, dass die isländischen Befunde valide seien, wird der Ärztliche Direktor der Hei­delberger Kinderklinik, Georg Hoffmann, in einem Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung zi­tiert. Doch: „Es gibt auch eine Studie aus China, die wiederum zeigt, dass Kinder ähnlich infiziert sind wie Erwachsene - und das Virus auch übertragen, was ja in Island nicht der Fall war“, erklärte er.

Die isländische Screeningstudie umfasste rund 10.000 Probanden, die entweder keine oder nur leichte Erkältungssymptome – in Island war zu der Zeit Erkältungssaison – auf­wiesen. Sie waren einer offenen Einladung zur Teilnahme an der Studie gefolgt. Von ih­nen wurden 0,8 Prozent der älteren Kinder sowie der Erwachsenen auf SARS-CoV-2 ge­tes­tet. Von den jüngeren Kindern unter zehn Jahren wies dagegen keines das Virus auf.

Die isländischen Wissenschaftler hatten außerdem rund 1.200 Personen gezielt getestet, die ein hohes Infektionsrisiko hatten – vorwiegend Personen mit Atemwegssymptomatik, Reiserückkehrer aus Risikogebieten im Ausland und Kontaktpersonen von Infizierten. Von ihnen wurden 13,3 Prozent positiv aus SARS-CoV-2 getestet.

Auch in dieser gezielten Untersuchung waren Kinder unter zehn Jahren mit einer Rate von 6,7 Prozent seltener mit SARS-CoV-2 infiziert als ältere Teilnehmer. Die Probanden über zehn Jahren testeten in 13,7 Prozent der Fälle positiv auf das Virus.

Ursache für geringere Infektionsrate bei Kindern ist unklar

„Ob die niedrigere Inzidenz positiver Testergebnisse bei den Kindern die Folge einer ge­ringeren Exposition gegenüber dem Virus ist oder vielmehr einere biologischen Resistenz geschuldet, wissen wir nicht“, schreiben die Autoren.

Hoffmann erläuterte: „Wir wollen wissen, wie viele Kinder aktuell infiziert sind oder die Infektion schon hinter sich haben.“ Schließlich verliefen vermutlich auch viele Infektio­nen ohne Symptome. In Heidelberg zum Beispiel sei bislang kein einziges Kind wegen der Lungenerkrankung stationär behandelt worden. „Und wir vergleichen mit einem El­ternteil, um zu sehen, ob Kinder gleich häufig infiziert sind wie Erwachsene oder eben nicht.“ © nec/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #826551
ignacio
am Samstag, 25. April 2020, 00:05

Falsche Wiedergabe der isländischen Studie

Dass in der isländischen Studie "kein Kind unter zehn Jahren positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden" sei, trifft nicht zu. Die Studie untersuchte zwei Gruppen - eine größere, überwiegend aus Freiwilligen bestehende Gruppe als Bevölkerungsquerschnitt ("population screening") und eine etwas kleinere, in der "targeted testing" wegen konkreter Hinweise auf mögliche Infektionen durchgeführt wurde.
Zur zweiten Gruppe stellt die Studie fest: "Children under 10 years of age were less likely to receive a positive result than were persons 10 years of age or older, with percentages of 6.7% and 13.7%, respectively, for targeted testing."
Fazit: Kinder hatten sich hier mindestens halb so oft angesteckt wie Erwachsene. Vermutlich lag die Rate sogar weniger auseinander - die Studie befasst sich nicht mit dem Freiwilligen-Bias.
In der Probandengruppe des population screenings fanden sich unter rund 13.000 Getesteten nur 100 Infizierte. Unter den 850 Kindern in dieser Gruppe kein einziges. Bei einer Infiziertenquote von 0,8% wären allerdings auch höchstens sieben positive Kinder zu erwarten gewesen. Hier spielt vielleicht die Größe der Stichprobe eine Rolle.

LNS

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