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Politik

Debatte über Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung auch in Arztpraxen

Freitag, 24. April 2020

/M.Dörr & M.Frommherz, stockadobecom

Magdeburg − Im öffentlichen Nahverkehr und teils auch beim Einkaufen gilt ab der kom­menden Woche in den Bundesländern eine Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung (MNB). Nun werden Rufe laut, die Pflicht auch für Arztpraxen einzuführen. Schleswig-Holstein denkt bereits darüber nach.

„Mit dieser einfachen Maßnahme, die nun in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens immer normaler wird, können Patienten mit dabei helfen, Infektionen in Arztpraxen zu verhindern“, erklärte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen-Anhalt, Burkhard John.

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Die meisten Tests auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 erfolgten in ambulanten Praxen, die teilweise extra dafür eingerichtet würden, hieß es weiter. Sechs von sieben infizierte Pa­tienten würden im ambulanten Bereich behandelt. Die ambulanten Praxen seien der Schutzwall vor den Krankenhäusern, um dort einen Kollaps zu vermeiden.

Dennoch müssten dort auch die vielen anderen akuten und chronischen Erkrankungen weiter behandelt werden. Um das Infektionsrisiko zu mindern, seien in vielen Praxen bauliche und organisatorische Veränderungen erfolgt. Auch die Patienten könnten mit dem Mund-Nasen-Schutz ihren Beitrag leisten.

Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern erwägt bereits, die vom 27. April an geltende Mundschutzpflicht auf Arztbesuche auszudehnen. Wie Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gestern in Schwerin sagte, gibt es dazu vermehrt Anfragen aus der Ärzte­schaft des Landes.

Deshalb habe sein Ministerium Kontakt zu Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereini­gung aufgenommen. Es zeichne sich ab, dass Ärzte es befürworteten, wenn Patienten bei Eintritt in die Praxis einen Mundschutz trügen.

Eine Maskenpflicht mit einer Alltagsmaske oder einem Schal wird künftig in allen Bun­desländern gelten. Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern warn die ersten Länder, die eine Pflicht beschlossen hatten.

Die Kontrolle der Maskenpflicht im Nahverkehr und Geschäften sowie das Sanktionieren von Verstößen wird von der kommenden Woche an in den Ländern ganz unterschiedlich gehandhabt. Das Land Berlin hatte vor wenigen Tagen erklärt, es werde das Einhalten der Pflicht zunächst nicht kontrollieren und sehe vorerst auch keine Strafen bei Verstößen vor.

Auch Bremen setzt bei seiner Makenpflicht im Wesentlichen auf „die Einsichtsfähigkeit der Menschen, betonte Bürgermeister Andreas Bovensculte (SPD) nach einer Senats­sit­zung. Kontrollen oder Bußgelder werde es anfangs deshalb nicht geben. Es werde aller­dings beobachtet, wie die Verpflichtung befolgt werde. Sollte es sich als nötig erweisen, komme auch die Einführung von „Verwarngeldern“ in Frage.

Das Land Bayern will hingegen direkt nach einem überarbeiteten Bußgeldkatalog Ver­stö­ße ahnden. Bei einem fehlenden Mund-Nase-Schutz in Bussen, Bahnen und Geschäften sind 150 Euro fällig. Besonders teuer wird es für Ladenbesitzer, die nicht sicherstellen, dass ihr Personal eine Mund-Nasen-Bedeckung trägt: Hierfür sieht der Bußgeldkatalog eine Zahlung von 5.000 Euro vor. © dpa/may/aerzteblatt.de

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Avatar #828189
Sehlmann
am Donnerstag, 7. Mai 2020, 20:40

Maskenpflicht in der Psychotherapie? Ich als Patient bin schockiert!

Eine Maskenpflicht ist in der Psychotherapie nicht nur hinderlich, sondern für mich undenkbar! In der Psychotherapie sitzen Menschen, die i. d. R. GROSSE PROBLEME haben und es ist schon schwer genug über diese zu sprechen. Wird das nun auch noch durch eine machanische Barriere zusätzlich erschwert, dann weiß ich bald echt nicht mehr weiter. Es ist schon schwer genug sich dort zu zeigen (um sich damit wieder zu finden), aber wie soll man sich zeigen, wenn 50% des Gesichts bedeckt sind? Meine Therapie LEBT(!) vom Kontakt mit dem Therapeuten - und da gehört die Mimik kein Stück weniger zu als die gesprochenen Worte!
Und auch mein Therapeut möchte mein Gesicht sehen, wie soll er sonst einordnen, was ich sage? Eine Psychotherapie wird wirklich nahezu wertlos mit Maskenpflicht. Ich jedenfalls werde unter diesen Umständen vorerst keine weiteren Termine wahrnehmen.
Avatar #29167
jrosin
am Montag, 27. April 2020, 08:45

In der psychotherapeutischen Praxis ist eine Maskenpflicht eher kontraproduktiv

Die Maskenpflicht für körpermedizinische Arztpraxen erscheint durchaus sinnvoll, sie kann auch vom Praxisinhaber selbst eingeführt werden, ohne dass eine offizielle Pflicht besteht. In der psychotherapeutischen Praxis sind die Voraussetzungen aber andere: Der persönliche Kontakt spielt eine viel größere Rolle, der nonverbale Ausdruck muss immer miteinbezogen werden, eine Maske würde einer nicht unerheblichen Distanziertheit gleichkommen, die die Wirksamkeit der therapeutischen Beziehung stark einschränken kann. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass in Psychotherapiepraxen sehr viel Kontakte zustande kommen: Der Patient begegnet hier meist nur dem Therapeuten, es gibt oft kein Wartezimmer, kein Personal, die Termine sind sehr viel besser zeitlich planbar, nur sehr selten begegnet ein Patient einem anderen, die Patienten gehören sehr viel seltener Risikogruppen an, u. a., weil sie im Durchschnitt jünger sind, die allerwenigsten kommen wegen körperlicher Erkrankungen, zumindest nicht wegen akuter, die man mit einer Infektion verwechseln kann. Eine offizielle Maskenpflicht erscheint insofern unverhältnismäßig.
Avatar #715180
DrSchnitzler
am Sonntag, 26. April 2020, 09:54

Alternative: "Spuckschutzwand" ?

Aus mehreren Gründen (auch z.B. Durchfeuchtung von Masken bei längerer Tragezeit) könnte man an jedem Arbeitsplatz (z.B. Sprechzimmer, Büro), an dem 2 oder mehr Menschen über eine gewissen Zeit an einem Tisch sitzen, eine genügend große z.B. mobilen "Spuckschutzwand" platzieren. Gerade im WDR gesehen, wo zwei Moderatoren ohne Maske nebeneinander standen.

Sollte das Risiko ähnlich verringern wie zwei Masken.

"Maskenpflicht" via "Hausrecht" wird wohl nicht immer funktionieren: wir haben einzelne Patienten, die z.B. wegen Ruhedyspnoe eine Maske nicht tolerieren; was dann?

_____________
MfkG Dr. A. Schnitzler, FAfIM, Lüneburg

Avatar #732154
Christamüller
am Sonntag, 26. April 2020, 05:01

FFP2-Maskenpflicht für Beschäftige bei Virus-Pandemie: TRBA 250 Anhang 7 Nr 4

Überraschend ist, daß die Stellen, die das Gesetz für die FFP2-Maskenpflicht bei Virus-Pandemie verabschiedet haben bzw beratend mitgewirkt haben (zB RKI) in tiefe Amnesie verfallen sind, und nach "Evidenz" fragen, insbesondere die "Epidemiologen". Alles offenkundig von den Pandemie-Versagern bezahlte Puppen - oder Hampelmänner Das ist genau so, als ob der Verkehrsminister jetzt anfängt, über das in der StVO normierte Anlegen des Sicherheitsgurtes nach der "Evidenz" fragen würde.

https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRBA/TRBA-250.html.

Die TRBA 250 bezieht sich auf die Biostoffverordnung und ist Gegenstand von SGB VII mit Wirkung eines Bundesgesetzes.
Avatar #690154
ThorstenTempelfeld
am Samstag, 25. April 2020, 18:24

Bei hochgradigem Verdacht nach RKI sowieso nur mit Mundschutz

Wenn man sich das Flußschema des RKI anschaut, sollen wir in den Praxen Patienten mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion mit einem Mundschutz ausrüsten. Keiner hat gefragt, woher wir diese nehmen sollen. Wir haben das zwar gemacht, ab Montag werden wir aber die Patienten bei der Terminvereinbarung auffordern, eigene "Alltagsmasken" mitzubringen, und während des Besuchs auch zu tragen. Ohne Maske kommt keiner in meine Praxis.
Ich finde, die sind ausreichend https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks-und-co/video-gesichtsmasken-visueller-test-mit-einer-highspeed-kamera-100.html
Avatar #93860
vosue
am Freitag, 24. April 2020, 19:32

Maskenpflicht in Arzt

ich habe seit 2 Wochen bereits Eine Maskenpflicht/Mundnasenschutz für meine Praxis, ich habe Hausrecht und der davon ausgehende Schutz ist für mich gesundheitsrelevant für Patienten und Mitarbeiter, habe bisher leider sehr viel incompliante Patienten erlebt
Avatar #767798
Cryonix
am Freitag, 24. April 2020, 16:18

Die Frage sei erlaubt

wer denn das alles bezahlen soll? Wenn schon der Bundesverkehrsminister mit Schrottmasken geleimt wird (1), ist kaum zu erwarten, dass Einfach-Masken für die Bürger besserer Qualität sein werden. Kaufe ich die besseren dann in der Apotheke, sind (Stand letzte Woche für Köln) 39,95€/10 Stück zu berappen. Für einen Pendler der den ÖPNV nutzt, sind 210 Arbeitstage Ø. Kommen noch ein paar wenige für weitere Einkäufe/Arztbesuche hinzu, macht das 250 Masken/anno. Setzt sich nun noch Frau Minister Karliczek mit einer Maskenpflicht ab Grundschule (2) durch, kommen mal schnell 1000 Masken/anno für eine 4 köpfige Familie zusammen.

Kann ich die Kosten schon jetzt auf der Steuerkarte eintragen lassen? Bekomme ich die kostenfrei vom Gesundheitsamt zugesendet? Zahlt die Kran­ken­ver­siche­rung?
Wer soll für diese Belastung aufkommen?

(1) https://www.spiegel.de/politik/deutschland/andreas-scheuer-und-der-corona-nepp-aus-china-elf-millionen-masken-alle-schrott-a-00000000-0002-0001-0000-000170604444
(2) https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-krise-anja-karliczek-cdu-plaediert-fuer-maskenpflicht-an-schulen-a-00000000-0002-0001-0000-000170604431


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