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Ärzte ohne Grenzen warnt vor tödlichen Folgen von COVID-19 im globalen Süden

Freitag, 24. April 2020

/picture alliance, AP Photo

Berlin – Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat vor den Auswirkungen der Corona­pandemie in ärmeren Ländern gewarnt. Mangelnder Zugang zu medizinischem Sauerstoff und zu Beatmungsgeräten werde die Menschen in ärmeren Ländern in den nächsten Wochen und Monaten der COVID-19-Erkrankung hoffnungslos aussetzen – mit tödlichen Folgen.

So gibt es laut Ärzte ohne Grenzen beispielsweise in Gaza derzeit nur etwa zwanzig Beat­mungsgeräte für zwei Millionen Menschen, in der Zentralafrikanischen Republik sind es drei Geräte für ein Land mit fünf Millionen Einwohnern, in Burkina Faso gibt es über­haupt nur zwölf Intensivbetten für 20 Millionen potenzielle Patienten.

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„Wir dürfen diese Kluft, diese sozioökonomische Triage, nicht akzeptieren, bei der Minder­heiten, gefährdete Gruppen, Slumbewohner und in einigen Fällen ganze Bevölkerungen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und Sauerstoff haben werden“, sagte Chris­topher Stokes, Experte für humanitäre Fragen bei Ärzte ohne Grenzen.

Während in Ländern mit hohem Einkommen medizinischer Sauerstoff als selbstver­ständ­lich angesehen und über ausgeklügelte Rohrleitungssysteme in die Wände jedes Kran­ken­hauszimmers eingebaut werde, sei dies in den allermeisten Krankenhäusern, in denen Ärzte ohne Grenzen arbeite, nicht der Fall.

„Sauerstoffkonzentratoren erfordern eine stabile Stromversorgung. Oder wir müssen Sau­erstoff in Flaschen beziehen, was keine praktische Lösung für eine Krankheit ist, bei der die Patienten ihn tage- oder wochenlang benötigen”, so Stokes.

Ärzte ohne Grenzen versucht deshalb, in einigen Ländern die Möglichkeiten der Intensiv­pflege auszubauen. In Burkina Faso soll eine neue Produktionsanlage Sauerstoff in gro­ßen Mengen für mehrere Dutzend Patienten gleichzeitig produzieren. Wo es nur geringe Intensivpflegekapazitäten gibt, besteht eine zentrale Herausforderung darin, Patienten ohne den Einsatz invasiver Techniken mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen.

Im Krankenhaus Point G in Mali beispielsweise soll ein an die Wand montiertes Versor­gungssystem Sauerstoff direkt an das Bett der Patienten liefern. „Wir müssen uns weigern zu akzeptieren, dass Tausende von Menschen, die an COVID-19 erkranken, sterben müssen – wegen Sauerstoffmangels“, sagte der Mediziner.

Die Hilfsorganisation hat deshalb gefordert, die Bewegungs- und Reisemöglichkeiten von medizinischem Hilfspersonal zu erleichtern und medizinische Ausrüstung, Medikamente sowie Schutzausrüstung für Gesundheitspersonal über Landesgrenzen hinweg zur Verfügung zu stellen. © hil/sb/aerzteblatt.de

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