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Medizin

Chinesischer Impfstoff schützt Rhesus-Affen vor SARS-CoV-2

Freitag, 24. April 2020

/Redpixel, stock.adobe.com

Peking − Während die Hersteller in westlichen Ländern bei der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 auf rekombinante Viren oder RNA/DNA-Vakzine setzen, hat eine chinesische Firma einen „klassischen“ Impfstoff aus inaktivierten Viren entwickelt. Laut ihrem Bericht in bioRxiv (2020; doi: 10.1101/2020.04.17.046375) wurden Rhesus-Affen sicher und effektiv vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus geschützt.

Es gibt 2 klassische Formen der Impfstoffherstellung. Bei der ersten werden in Serie Tiere geimpft in der Hoffnung, dass sich die Pathogenität abschwächt, die Immuno­genität jedoch erhalten bleibt. Die Impfung erfolgt dann mit den abgeschwächten „attenuierten“ Lebendviren. Beispiele sind die Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Für SARS-CoV-2 kommen diese Impfstoffe nicht infrage, da die Entwicklung sehr zeitaufwendig ist.

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Eine raschere Alternative sind Totimpfstoffe. Die Impfung erfolgt mit abgetöteten Viren (oder Bakterien). Klassische Beispiele sind die Impfstoffe gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus. Nach der ersten SARS-Epidemie wurde ein Impfstoff aus inaktivierten SARS-CoV-1 hergestellt und auch in einer ersten klinischen Studie getestet. Er könnte aufgrund einer Kreuzimmunität vielleicht vor SARS-CoV-2 schützen. Die klinische Entwicklung wurde jedoch eingestellt, nachdem das SARS-CoV-1 vollständig eliminiert wurde.

Nach dem gleichen Verfahren haben Mitarbeiter des Herstellers Sinovac aus Peking, der für den chinesischen Markt zahlreiche Impfstoffe produziert, innerhalb kurzer Zeit einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 hergestellt. Die Viren stammen von einem Patienten aus China. Sie wurden mittels Bronchiallavage gewonnen, in Vero-Zellen vermehrt und mit Propiolacton inaktiviert.

Zunächst wurde an Nagern gezeigt, dass der Impfstoff die Bildung von Antikörpern induzieren kann. Anschließend fanden Tests an Makaken statt. Diese Rhesus-Affen, die wie die Menschen zu den Primaten gehören, erhielten innerhalb von 2 Wochen 3 Impfdosen in 2 unterschiedlichen Dosierungen. 3 Wochen später wurden sie mit SARS-CoV-2 exponiert, die von 10 verschiedenen Patienten (auch aus Europa) stammten.

Wie Qiang Gao von Sinovac und Mitarbeiter berichten, war die Schutzwirkung bei den Tieren, die die höhere Impfdosis erhalten hatten, am besten. 7 Tage nach der absichtlichen Infektion mit SARS-CoV-2 waren bei keinem der Tiere Viren in Pharynx, Afterbereich oder in der Lunge nachweisbar.

Unter der niedrigen Dosierung kam es zu einem kurzzeitigen Aufflackern der Infektion, die jedoch folgenlos blieb. Eine Kontrollgruppe von umgeimpften Tieren erkrankte dagegen an einer schweren interstitiellen Pneumonie mit hohen Viruskonzentrationen in den Abstrichen.

Der Impfstoff erwies sich laut Gao als sicher. Es seien auch keine infektionsverstärkenden Antikörper gefunden worden, die statt vor der Erkrankung zu schützen einen besonders schweren Verlauf der Erkrankung begünstigen.

Mehrere US-Experten äußerten sich gegenüber Science zwar kritisch gegenüber dem „Impfstoff alter Schule“. Ob er sich gegen die modernen Impfstoffe westlicher Forscher behaupten kann, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Die Weltgesundheits­organisation (WHO) listet derzeit 6 Impfstoffe, die in Phase-1-Studien untersucht werden. Davon setzen 2 auf rekombinante Viren und 2 auf RNA/DNA-Vakzinen. Die übrigen beiden enthalten inaktivierte Viren.

Neben dem Wirkstoff von Sinovac hat auch das Wuhan Institut of Biological Products einen dieser klassischen Impfstoffe entwickelt. In der präklinischen Entwicklung befinden sich laut WHO derzeit nicht weniger als 77 Impfstoffkandidaten. © rme/aerzteblatt.de

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