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Medizin

COVID-19: ACE-Hemmer/Sartane laut Studie nicht für schweren Verlauf verantwortlich

Freitag, 24. April 2020

/dpa

Wuhan − Der auffallend hohe Anteil von Hypertonikern unter den Patienten mit einem schweren Verlauf von COVID-19 ist laut einer Studie in JAMA Cardiology (2020; DOI: 10.1001/jamacardio.2020.1624) nicht auf den Einsatz von ACE-Hemmern oder Sartanen zurückzuführen.

Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 nutzt das Angiotensin-Converting-Enzym (ACE) 2 als Rezeptor für den Eintritt in die Zellen. Eine andere ACE-Variante ist bekanntlich an der Blutdruckregulation beteiligt. ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-Blockern (Sartane) erzielen hier ihre Blutdruck-senkende Wirkung.

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Dies hat in den letzten Wochen zu Spekulationen geführt, nach denen der hohe Anteil von Hypertonikern unter den Patienten und der offenbar schwere Verlauf bei diesen Patienten mit dem Einsatz von ACE-Hemmer und/oder Sartanen zusammenhängt.

Ein Team um Aiping Deng vom Zentralhospital der Stadt Wuhan, wo die Epidemie ihren Ursprung nahm, hat aus diesem Anlass noch einmal die Daten von 1.178 Patienten ausgewertet, die bis Mitte März in der Klinik behandelt wurden. Auffällig ist erneut der hohe Anteil von Hypertonikern unter den Patienten.

Insgesamt 362 Patienten (30,7 %) mit COVID-19 hatten einen erhöhten Blutdruck. Bei diesen Patienten war der Verlauf häufiger tödlich. In der Klinik starben 21,3 % der Hypertoniker, aber nur 6,5 % der Patienten ohne Hypertonie.

Die Ursache ist jedoch nicht (allein) in der arteriellen Hypertonie zu suchen. Die Hyper­toniker hatten laut Deng mehrere andere Risikofaktoren. Sie waren deutlich älter als die COVID-19-Patienten ohne arterielle Hypertonie (66,0 versus 46,0 Jahre) und sie litten häufiger unter anderen kardiometabolischen Erkrankungen wie Diabetes (35,1 versus 9,3 %), zerebrovaskulären Erkrankungen (18,8 versus 3,3 %), koronare Herzkrankheit (17,0 versus 5,0 %) oder Herzinsuffizienz (2,8 versus 1,3 %).

Auch Verdauungsstörungen (21,5 versus 10,9 %) und neurologische Erkrankungen (10,5 versus 4,7 %) waren bei den Hypertonikern deutlich häufiger. Dies könnte bedeuten, dass die arterielle Hypertonie nur ein Marker für die Multimorbidität ist, die die Überlebens­chancen bei COVID-19 deutlich verschlechtern.

ACE-Hemmer/Sartane werden in China zur Behandlung der Hypertonie seltener eingesetzt als in westlichen Ländern. Das beliebteste Mittel sind Kalziumantagonisten mit einem Anteil von 46,4 %. Einen ACE-Hemmer erhielten nur 9,7 % und ein Sartan 22,9 % der Patienten.

Die Verordnung von ACE-Hemmern oder Sartanen hatte laut Deng keinen erkennbaren Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Unter den Patienten mit schwerem Verlauf hatten 9,2 % einen ACE-Hemmer erhalten, bei den Patienten mit einem weniger schweren Verlauf betrug der Anteil 10,1 %. Sartane hatten 24,9 % der Patienten mit schwerem Verlauf und 21,2 % der Patienten mit einem leichten Verlauf erhalten.

In ähnlicher Weise gab es keine Unterschiede zwischen Nichtüberlebenden und Über­lebenden bei der Verordnung von ACE-Hemmern (9,1 versus 9,8 %) und Sartanen (19,5 versus 23,9 %).

Die Aussagekraft einer retrospektiven Studie ist begrenzt. Der Beweis der Unbedenklich­keit könnte nur durch eine randomisierte Studie erbracht werden, für deren Durchfüh­rung die jetzige Analyse keinen Anlass gibt.

Die medizinischen Fachgesellschaften haben in den letzten Wochen keinen Grund gesehen, auf den Einsatz von ACE-Hemmern/Sartanen bei COVID-19-Patienten zu verzichten. Vor einem Wechsel der Hochdruckmedikamente bei den schwer kranken Menschen wird ausdrücklich gewarnt. © rme/aerzteblatt.de

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