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Politik

Mund-Nasen-Be­de­ckung ab heute vielfach Pflicht

Montag, 27. April 2020

/picture alliance, Oliver Berg

Berlin − In fast allen Bundesländern gilt ab heute eine Pflicht zur Mund-Nasen-Bede­ckung (MNB) im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen. Zum Schutz von Mund und Nase reicht auch ein Schal oder ein Tuch. In manchen Ländern drohen saftige Strafen.

Das Ziel ist dasselbe: Die Ansteckungsrate mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu drücken, auch wenn die Menschen wieder mehr vor die Tür gehen. Denn der Erreger wird per Tröpfchen­infektion von Mensch zu Mensch übertragen.

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Besonders streng ist Bayern: Bei fehlendem Mund-Nase-Schutz in Bussen, Bahnen und Geschäften werden 150 Euro fällig. Für Ladenbesitzer, die nicht sicherstellen, dass ihr Personal Maske trägt, sind sogar 5.000 Euro Bußgeld vorgesehen. Die meisten anderen Länder gehen es erst mal etwas lockerer an, behalten sich aber vor, mit Bußgeldern nachzulegen.

In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gilt: Händler dürfen Kunden, die keine Maske tra­gen, den Zugang verwehren. Die Berliner dagegen müssen nur in Bus und Bahn Mund-Nase-Schutz tragen, nicht beim Einkaufen.

Die Ungeduld wächst − und jetzt auch noch Masken?

Nicht alle sind davon überzeugt, dass eine Pflicht, Stoff vor dem Gesicht zu tragen, sinn­voll oder verhältnismäßig ist. FDP-Chef Christian Lindner ist kein Gegner der Pflicht, nannte die Bewertung der Maske aber im Bundestag als eines von mehreren Beispielen für wechselnde Bewertungen durch die Bundesregierung.

„Masken waren erst unnötig, dann waren sie Virenschleudern, dann waren sie eine Höf­lichkeitsgeste, dann waren sie ein dringendes Gebot, und heute gibt es eine Masken­pflicht“, sagte er. Quarantäne, Masken und Isolation seien „Mittel des Mittelalters“, 2020 stünden „eigentlich smartere Instrument durch die Digitalisierung“ zur Verfügung.

Auch mit Maske gilt weiter das Gebot, mindestens eineinhalb Meter Abstand voneinander zu halten. Die Befürchtung ist groß, dass es zu einer zweiten Infektionswelle kommt, jetzt, da viele Läden wieder geöffnet haben und in den Schulen schrittweise der Unter­richt wieder beginnt − und sich der Eindruck aufdrängt, dass die Disziplin bröckelt.

Auf Facebook, Twitter und in anderen Netzwerken machten am Wochenende Bilder von gut gefüllten Parks und Plätzen die Runde, auch das Absperrband an Spielplätzen ver­fehlte teils seine Wirkung. Dazu kamen Demos gegen die Beschränkungen − allein in Berlin-Mitte versammelten sich mehr als Tausend Menschen, auch in anderen Städten gab es Proteste. Im bayeri­schen Landkreis Miltenberg deckte die Polizei gleich zwei illegale Friseurgeschäfte in Wohnhaus-Kellern auf.

Viele nehmen die Maskenpflicht aber auch mit Humor − oder nutzen das Stück Stoff für ein persönliches Statement, vom Fußballclub des Herzens über aufgemalte Schnauzbärte bis zum Lokalpatriotismus.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kam mit einer Mundschutzmaske mit weißblauem Bayern-Design in den Landtag, sein baden-württembergischer Amtskollege Winfried Kretschmann (Grüne) trägt in Zeitungsanzeigen einen Mund-Nasen-Schutz mit den drei Löwen des Landeswappens.

Die Mainzer Hilfsorganisation Armut und Gesundheit fordert kostenlose Schutzmasken für bedürftige Menschen. Wer soziale Leistungen wie beispielsweise Arbeitslosengeld II beziehe, habe „überhaupt kein Budget für Masken“, kritisierte der Vereinsvorsitzende Gerhardt Trabert.

Gleichzeitig seien die Betroffenen gezwungen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, weil sie kein Auto hätten. Auch müssen sie öfter einkaufen gehen, weil sie sich einen Groß­ein­kauf nicht leisten könnten. „Die Coronapandemie macht die Menschen nicht gleich, son­dern verdeutlicht soziale Unterschiede wie unter einem Brennglas.“ Es gebe Hilfspro­gramme für die Wirtschaft, aber keine für Bedürftige. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Freitag, 1. Mai 2020, 00:42

Nerviger "Maulkorb"

Der "Maulkorb" nervt und ist umstritten. Beim Einkaufen beschlägt immer die Brille, da die Atemluft an allen Seite durch geht. Bin gespannt, wann man das unsinnige und lästige Ding wieder los wird.
Traut sich ja dann kaum ein Politiker dagegen zu reden, es könnte ja sein, dass...
Avatar #826947
Funkstille
am Dienstag, 28. April 2020, 06:41

Masken Challenge

Die meisten Leute reinigen sich vor dem Aufsetzen nicht die Hände
Die meisten Leute fummeln während des Tragens daran rum
Die meisten leute stecken die Maske nach dem Abnehmen einfach in die Tasche
Die meisten Leute waschen sich nach dem Abnehmen nicht die Hände.
Die Aktion ist ein voller Erfolg. Wir dressieren den "mündigen" Bürger.
LNS

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