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Politik

Krankenhaus­gesellschaft in Bayern sorgt sich um Finanzen der Kliniken

Montag, 27. April 2020

/janews094, stock.adobe.com

Berlin − Die Bayerische Krankenhausgesellschaft befürchtet, dass die coronabedingte schwache Auslastung viele Kliniken in die roten Zahlen treiben könnte, die bisher noch ausgeglichene Etats hatten. „Die finanziellen Ausgleichszahlungen, die der Bundestag beschlossen hat, stellen sich als unzureichend dar“, sagte Geschäftsführer Siegfried Ha­senbein.

Derzeit seien in Bayern im Schnitt zwischen 40 und 60 Prozent der Krankenhausbetten nicht belegt, weil die befürchtete Welle der COVID-19-Patienten ausgeblieben ist. Viele geplante Eingriffe seien aber extra abgesagt worden. Der Regulärbetrieb solle in den nächsten Wochen schrittweise wieder aufgenommen werden.

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Der Bund zahlt zwar 560 Euro Ausgleich pro Tag für jedes nicht belegte Bett, aber das gleicht nach Angaben der Krankenhausgesellschaft die Umsatzverluste nicht aus. „Das ist für die meisten Häuser nicht ausreichend, vor allem für die, die komplexere Fälle haben“, sagte Hasenbein dazu. Die Krankenhausgesellschaft fürchtet, dass manche Kliniken bald nicht mehr zahlungsfä­hig sein könnten.

„Wir werden finanziell in eine Schieflage gebracht, die nicht alle Kran­kenhäuser werden überleben können“, warnte auch Regina Steenbeek-Schacht, Geschäfts­führerin des St. Theresien-Krankenhaus Nürnberg. Sie appellierte mit einem Brandbrief an Bundesge­sund­heitsminister Jens Spahn, den Kran­kenhäusern zu helfen. „Die jetzige Regelung stellt uns vor existenzielle Herausfor­de­rungen“, schreibt sie.

Nach Angaben der Krankenhausmanagerin ist auch die Vergütung für die Behandlung von Coronapatienten auf den Intensivstationen in vielen Fällen nicht kostendeckend, weil die­se oft sehr lange im Krankenhaus bleiben. Sie bemängelt, dass die diagnosebezoge­nen Fallpauschalen ungeeignet für die Pandemie seien. „Jetzt versuchen wir, eine Pande­mie in dieses System zu quetschen, und das funktioniert nicht“, sagte Steenbeek-Schacht.

Im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium hieß es dazu, dass für COVID-19 ein „Sekundärcode“ eingeführt wurde, der eine „sachgerechte Abbildung im DRG-System“ möglich mache.

Zu niedrig sind nach Angaben der Kliniken auch die 50-Euro-Zuschüsse für Schutzaus­rüs­tung wie Einwegkittel und Atemschutzmasken, im medizinischen Jargon „Isolations­mate­rial“ genannt. Staatlicherseits gibt es zwar kostenlose Lieferungen, doch reicht das den Krankenhäusern zufolge bei weitem nicht, um den Bedarf zu decken. Deswegen müssten die Krankenhäuser auf dem freien Markt einkaufen, sagte Steenbeek-Schacht − und die Einkaufspreise seien wegen der weltweiten Knappheit dramatisch gestiegen.

Der Bund hat im Ende März verabschiedeten COVID-19-Gesetz eine Überprüfung der finanziellen Auswirkungen auf das Gesundheitswesen zugesagt. Dieser Zeitraum ist den Krankenhäusern zu lang. „Wir haben die dringende Erwartung, dass schneller geholfen wird, wenn es existenzielle Probleme bei den Krankenhäusern gibt“, sagte Hasenbein.

Das Ministerium hat zwar bisher keine weitere Aufstockung der Hilfen zugesagt, schließt dies aber für die Zukunft auch nicht aus: „Das Bundesministerium für Gesundheit wird die dynamische Entwicklung weiter sorgfältig beobachten und gegebenenfalls weitere Maß­nahmen zur Unterstützung der Krankenhäuser prüfen“, erklärte ein Sprecher. © dpa/aerzteblatt.de

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