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Medizin

Frühgeborenen-Retino­pathie: Bevacizumab offenbar in sehr niedriger Dosis wirksam

Mittwoch, 20. Mai 2020

/picture alliance

Indianapolis − Die Behandlung der Frühgeborenen-Retinopathie mit dem VEGF-Antikörper Bevacizumab, die an vielen Zentren die frühere Lasertherapie verdrängt hat, ist möglicherweise mit einem Bruchteil der heute verwendeten Dosis möglich. Dies zeigen die Ergebnisse einer Studie zur Dosis-Deeskalation in JAMA Ophthalmology (2020; DOI: 10.1001/jamaophthalmol.2020.033), die weit verbreitete Vorbehalte gegen die Behandlung ausräumen könnte.

Die „BEAT-ROP“-Studie hat vor 9 Jahren gezeigt, dass die Injektion von Bevacizumab in den Glaskörper das Fortschreiten einer Frühgeborenen-Retinopathie in über 90 % der Fälle verhindern kann, ohne dabei sichtbare Netzhautnarben zu hinterlassen wie die damals übliche Lasertherapie. Die Bevacizumab -Behandlung war auch deutlich häufiger erfolgreich. Die Rezidivrate in den ersten 20 Wochen nach der Behandlung betrug nur 4,3 % gegenüber 22 % in der Lasergruppe (NEJM 2011; 364: 603-15).

Dennoch gab und gibt es Bedenken gegen die Behandlung. Bevacizumab ist nämlich nach der intravitrealen Injektion im systemischen Kreislauf nachweisbar. Es senkt den VEGF-Spiegel im Plasma. Da der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor VEGF für die normale Entwicklung von Geweben wie Gehirn, Lunge, Knochen, Nieren und Netzhaut erforderlich ist, wurden dauerhafte Schäden befürchtet.

In den letzten Jahren wurde deshalb untersucht, ob die Behandlung der Frühgeborenen-Retinopathie auch mit niedrigeren Dosierungen erfolgreich sein kann. Die „BEAT-ROP“-Studie war ohne vorherige Dosisfindungsstudie mit der halben Dosis durchgeführt worden, die bei Erwachsenen zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration zum Einsatz kommt. Das erschien mehr zu sein, als ein Säugling in den ersten Lebenswochen benötigt.

Eine konventionelle Dosis-Findungsstudie war nach den Ergebnissen der „BEAT-ROP“-Studie ethisch nicht mehr vertretbar, da sie einige Säuglinge dem Risiko einer Erblindung ausgesetzt hätte. Die von den US-National Institutes of Health geförderte „Pediatric Eye Disease Investigator Group“ entschied sich deshalb für eine Dosis-Deeskalation.

Die ersten Kinder wurden mit 40 % der in der „BEAT-ROP“-Studie verwendeten Dosis behandelt. Statt 0,625 mg erhielten sie 0,250 mg Bevacizumab. Als nach 4 Tagen eine Verbesserung erkennbar war und es nach 4 Wochen zu keinem Rückfall gekommen war, wurde die Bevacizumab-Dosis für die nächste Gruppe auf 0,125 mg halbiert. Es folgte eine Gruppe mit 0,063 mg Bevacizumab, dann eine Gruppe mit 0,031 mg Bevacizumab und so weiter.

Laut David Wallace von der Indiana University School of Medicine in Indianapolis und Mitarbeitern blieb die Behandlung mit Bevacizumab bis zu einer Dosis von nur noch 0,002 mg wirksam. Dort betrug die Erfolgsrate noch 74 % (17 von 23 Augen). Dies war allerdings weniger als unter der Dosis von 0,004 mg, die bei 90 % (9 von 10 Augen) angeschlagen hatte. Alle höheren Dosierungen hatten sich (mit einem Ausreißer bei der Dosis von 0,063 mg) zu 100 % erfolgreich erwiesen.

Dies bedeutet, dass die Dosis von Bevacizumab möglicherweise auf 0,6 % der in der BEAT-ROP“-Studie verwendeten Dosis gesenkt werden könnte. Eine Exponierung anderer Organe würde damit weitgehend verhindert und die Gefahr von Spätschäden gesenkt. Zu den Einschränkungen gehört, dass die Nachbeobachtungszeit von 4 Wochen noch zu kurz ist, um den Erfolg der Behandlung endgültig beurteilen zu können.

Vor einer Änderung der Leitlinien werden deshalb noch weitere Studien notwendig werden. Unklar ist bis heute auch, ob die höheren Dosierungen den Kindern tatsächlich geschadet haben. Hierzu wurden bisher offenbar keine Untersuchungen durchgeführt. © rme/aerzteblatt.de

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