NewsÄrzteschaftJunge Ärzte wollen Abkehr von Profitorientierung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Junge Ärzte wollen Abkehr von Profitorientierung

Montag, 27. April 2020

/vectorfusionart, stock.adobe.com

Berlin – Das Bündnis Junge Ärzte sorgt sich um das deutsche Gesundheitssystem und appelliert in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheits­mi­nister Jens Spahn (beide CDU), auch unabhängig von der COVID-19-Pandemie die Ge­sundheit der Menschen vor die Profitorientierung im Gesundheitswesen zu stellen.

„In der Coronakrise sehen wir mehr denn je, dass es dringenden Handlungsbedarf gibt, wenn die medizinische Versorgung in Deutschland im Sinne aller zukunftsfähig bleiben soll“, heißt es in dem Brief der Vertreter der Ärzte in Weiterbildung sowie der jungen Fachärzte aus 19 Verbänden und Fachgesellschaften, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt.

Anzeige

Momentan könne man beobachten, wozu die Medizin in Deutschland fähig sei, erklären die Sprecher des Bündnis Junge Ärzte, Mira Faßbach und Max Tischler. Notfall­kapazitäten seien geschaffen, viele zusätzliche Beatmungsplätze eingerichtet und planbare Untersu­chungen und Eingriffe verschoben worden. Auf den Intensivstationen kämpften die jungen Ärzte für das Wohl der Menschen – Seite an Seite mit erfahrenen Ärzten und Pflegenden.

Es herrsche eine große Hilfsbereitschaft, weil es um alle gehe. „Dabei wird vor allem ei­nes deutlich: Eine Medizin, die sich am Wohle des Menschen orientiert, wird besonderen Herausforderungen weit besser gerecht als die bisherige Medizin, die immer stärker von Kommerzialisierung und bürokratischen Hindernissen geprägt ist“, betonen die Nach­wuchs­ärzte der verschiedenen Fachrichtungen.

Für sie ist deshalb klar, dass es nach der Krise kein „Weiter so“ geben dürfe. Patienten müssten – wie es in der derzeitigen Ausnahmesituation bereits geschehe – wieder kon­se­quent vor der Profitorientierung rangieren, mahnen sie in ihrem Brief.

Insbesondere fordern sie ein Ende der Profitmaximierung im Gesundheitswesen. Men­schen sollten keine Untersuchungen oder Behandlungen erhalten, nur weil diese ökono­misch lukrativ sind. Ferner sollten Bürokratieabbau und Digitalisierung vorangetrieben werden.

Darüber hinaus müsse Schluss sein „mit den endlosen Dokumentationen zur Begründung von medizinischen Selbstverständlichkeiten“. Zugleich mahnt das Bündnis Junge Ärzte eine gute Weiterbildung an, die jedoch nur mit einer ausreichenden Personalausstattung möglich sei.

„Wenn ältere Ärzte ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nicht mehr an Jüngere weitergeben können, weil ihnen die Zeit dazu fehlt, stehen wir vor einem dramatischen Qualitätsver­lust, der uns allen schadet“, schreiben sie und fordern Merkel und Spahn zum Dialog auf. © ER/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juni 2020
Bonn – Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat sich dafür ausgesprochen die Berufsbildung im Gesundheitswesen von Grund auf zu überarbeiten und in einer Studie entsprechende Handlungsempfehlungen erarbeitet.
Vorschläge für Reform der Berufsbildung im Gesundheitswesen
28. Mai 2020
Mainz − Der rheinland-pfälzische Landtag hat ein für die Vereinheitlichung der Pflegeausbildung im Land nötiges Gesetz beschlossen. Dafür stimmten gestern die Fraktionen von SPD, CDU, FDP und
Pflegeberufereform passiert Landtag in Rheinland-Pfalz
28. Mai 2020
Schwerin – In vielen Gesundheitsberufen sind die Absolventenzahlen in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahrzehnt deutlich gesunken. Beendeten etwa 2010 noch 418 Krankenpflegekräfte ihre
Gesundheitsberufe: Weniger Absolventen in Mecklenburg-Vorpommern
22. Mai 2020
Berlin – Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen wie Arztpraxen, ambulanten Pflegediensten oder Krankenhäusern, die nach dem 31. Dezember 1970 geboren sind, können sich laut Kassenärztlicher
Krankenkassen zahlen zweimalige Masernimpfung bei Praxispersonal
22. Mai 2020
Berlin – Die Gesamtzahl der bei den Lan­des­ärz­te­kam­mern gemeldeten berufstätigen Ärzte ist leicht gestiegen. Sie erhöhte sich im vergangenen Jahr auf 402.119. 2018 waren es 392.402 Ärzte gewesen. Das
Gesamtzahl der Ärzte in Deutschland leicht gestiegen
22. Mai 2020
New York/Genf/ Ferney-Voltaire – Auch während der Coronapandemie reißt die Kette von gewaltsamen Angriffen gegen Ärzte, Pflegepersonal und andere Gesundheitsberufe nicht ab. Darauf weisen der
Gewalt gegen Gesundheitspersonal auch in der Coronakrise: Weltärztebund ruft zum Handeln auf
20. Mai 2020
Berlin − Beschäftigte von Charité und den Vivantes-Kliniken fordern vom Berliner Senat weiterhin mehr Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel im Kampf gegen die Coronapandemie. Außerdem gehe es
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER