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Politik

Masken: „Geringer Mehrwert“ laut RKI nur bei richtigem Umgang

Dienstag, 28. April 2020

/picture alliance, AP Photo

Berlin – Mit einem eindringlichen Appell hat sich der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) an die Bevölkerung gewandt. Es gelte, sich weiter an die gültigen Regeln zu halten, betonte Lothar Wieler heute in Berlin. „Wir wollen nicht, dass die Fallzahlen wieder zu­nehmen. Wir wollen nicht, dass wir wieder mehr COVID-19-Fälle haben.“

Deutschland habe die Ausbreitung anders als andere Länder bisher sehr erfolgreich in Schach halten können. „Wir wollen diesen Erfolg verteidigen.“ Es gelte, weiter so weit wie möglich zuhause zu bleiben, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten, mindestens eineinhalb Meter Abstand zu halten und wo das schwer möglich sei, eine Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) zu tragen.

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Die Empfehlung zur Bedeckung von Mund und Nase beziehungsweise die Einführung ei­ner Maskenpflicht wird derzeit heftig debattiert. Erst gestern hatte Frank Ulrich Montgo­mery, Präsident des Weltärztebundes, in einem Interview mit dem Deutschland­funk die gesetzliche Pflicht zum Tragen einer „nicht funktionierenden Maske“ kritisiert. Seiner Meinung nach ergebe das Tragen einer Maske nur Sinn, wenn von der Politik geeignete Masken in ausreichen­der Anzahl zur Verfügung gestellt würden.

Nicht in falscher Sicherheit wiegen

RKI-Präsident Wieler betonte auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes, dass das Tragen einer Maske nicht dazu führen dürfe, dass man sich in falscher Sicherheit wiege und sich nicht länger an die Abstands- und Hygieneregeln halte. Für eine Empfehlung zum Tragen einer MNB habe man sich aufgrund neuer Erkenntnisse zur Erkrankung COVID-19 ent­schie­den: „Ein Teil der Infizierten scheidet das Virus schon aus, bevor sie Symptome zei­gen.“

Tragen diese Menschen eine MNB, reduziere sich die Chance, dass das Virus auf andere Menschen übertragen werde, „durch die physikalische Barriere, auch wenn es kein per­fek­ter Schutz ist, speziell für die Träger selbst, aber es schützt in einem gewissen Maße Dritte, weil die Tröpfchen damit nicht so weit fliegen“.

Allerdings sei es entscheidend, die MNB richtig zu tragen und zu reinigen. Er rief die Be­völkerung auf, sich mit den entsprechenden Hinweisen, etwa der Bundeszentrale für ge­sundheitliche Aufklärung (BZgA), vertraut zu machen.

„Der geringe Mehrwert der Masken“ trete nur zutage, wenn die Menschen damit korrekt umgingen und sich bewusst darüber seien, dass sie sich selber nicht schützen. „Aber an­dere werden geschützt, und je mehr Menschen im öffentlichen Raum diese MNB richtig tragen, desto größer wird der Schutz für die Allgemeinheit“, so Wieler.

In Deutschland infizierten sich nach aktuellen Meldedaten bisher rund 156.400 Men­schen, 5.913 starben nach einer Ansteckung mit SARS-CoV-2. Im Vergleich zum Vortag stieg die Zahl der Neuinfektionen um 1.144 an. Der Wert lag in der Vorwoche im Schnitt um rund 2.000, in der Spitze betrug die Zahl der täglichen Neuansteckungen im März auch teils um 5.000. Die Zahl der Todesfälle steigt derzeit laut RKI um etwa hundert bis 300 pro Tag an, von gestern auf heute waren es 163.

Die Reproduktionszahl liege derzeit bei 1, berichtete Wieler. Genau genommen liegt sie bei 0,96, das RKI rundet auf. Die Anzahl der neu übermittelten Todesfälle sei weiterhin hoch, die Sterberate liege nach der Statistik erfasster Fälle inzwischen bei 3,8 Prozent; und es gebe weiter viele Ausbrüche in Alters- und Pflegeheimen.

Das RKI hatte immer wieder betont, um die Epidemie abflauen zu lassen, müsse diese Reproduktionszahl unter 1 liegen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Zuge der Ankündigung erster Lockerungen bei Coronamaßnahmen deutlich gemacht, dass schon vermeintlich kleine Änderungen der Reproduktionszahl erhebliche Folgen haben können.

Allerdings warnt das RKI davor, sich bei der Beurteilung der Dynamik der Coronapande­mie allein auf die Reproduktionszahl zu konzentrieren. Sie sei ein „wichtiger Faktor“, aber „nur eine Messzahl unter vielen“, betonte der RKI-Präsident in Berlin. Es sei „nicht hilf­reich, wenn auch in der Öffentlichkeit immer nur auf einen Faktor bezogen wird“. Wichtig seien etwa auch die Neuinfektionen. © nec/dpa/afp/aerzteblatt.de

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