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Medizin

Sprachnetzwerk im Gehirn des Menschen älter als gedacht

Mittwoch, 20. Mai 2020

/romaset, stock.adobe.com

Leipzig – Das sogenannte Sprachnetzwerk im Gehirn ist evolutionär offenbar deutlich älter als bislang angenommen. Das berichten Wissenschaftler der Universität Newcastle und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig im Fachmagazin Nature Neuroscience (DOI 10.1038/s41593-020-0623-9).

Die Forscher haben für ihre Studie die Gehirne jetzt lebender Affen und Menschen untersucht, um daraus zu schließen, wie die Hirnstrukturen unserer gemeinsamen Vorfahren ausgesehen haben – und wie sich daraus das Gehirn des heute lebenden Menschen entwickelt haben könnte. Sie verwendeten dafür MRT-Bilder, die von der Wissenschafts­gemeinschaft zur weiteren Erforschung frei zugänglich gemacht wurden. Zusätzlich hat die Arbeitsgruppe weitere Bilder aufgenommen, die nun wieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt werden.

„Der direkte Vergleich der Gehirne von Affen und Menschen ist erst mit der modernen MRT Technik möglich“, erläutert Alfred Anwander vom MPI CBS, einer der Co-Autoren der Studie. „Damit können die Strukturen und Nervenfaserverbindungen abgebildet werden, ohne in den Körper einzudringen“. Nur so sei es möglich, die verschiedenen Gruppen mit der gleichen Technik zu untersuchen und direkt zu vergleichen, so Anwander.

„Wir hatten zwar bereits vermutet, dass das menschliche Sprachnetzwerk möglicher­weise eine evolutionäre Grundlage im auditorischen System nichtmenschlicher Primaten hat”, erklärte Christopher Petkov von der Universität Newcastle. Tatsächlich fanden die Forscher eine sehr ähnliche Nervenfaser-Verbindung im auditorischen System dieser Primaten. „Menschenaffen und Affenscheinen eine gemeinsame Vorläuferstruktur des menschlichen Sprachnetzwerks zu haben“, so ihre Folgerung.

Beim Menschen verarbeitet dieses gemeinsame Netzwerk sprachliche Laute und verbindet die Hörareale mit den Sprachregionen im Frontallappen. Die Entdeckung der gemeinsamen Faserverbindung verschiebt den evolutionären Ursprung des mensch­lichen Sprachnetz­werks laut den Wissenschaftlern um mindestens 20 Millionen Jahre in die Vergangenheit. Bislang hatte man angenommen, dass ein Vorläufer des Sprachnetz­werks erst vor etwa 5 Millionen Jahren mit einem gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffe entstanden war.

Die Ergebnisse zeigen auch, wie stark sich die Leitungsbahn der menschlichen Sprache im Laufe der Evolution verändert hat. Vor allem die linke Gehirnhälfte hat sich danach beim Menschen weit vom evolutionären Prototyp fortentwickelt und sich auf die Sprachverarbeitung spezialisiert. © hil/aerzteblatt.de

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