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Medizin

Wuhan: SARS-CoV-2 in der Luft von Umkleidekabine und Patiententoilette nachweisbar

Dienstag, 28. April 2020

/AK-Snapshot, stock.adobe.com

Wuhan − Während des Höhepunktes der Epidemie war das neue Coronavirus SARS-CoV-2 in 2 Spezialkliniken in Wuhan an vielen Stellen in der Luft und am Boden nachweisbar. Die höchsten Konzentrationen von Virus-Genen wurden laut einer Studie in Nature (2020; doi: 10.1038/s41586-020-2271-3) in der Umkleidekabine der Männer und in den mobilen Toiletten der Patientenräume gefunden. Nach einer intensiven Desinfektions­kampagne waren fast alle Räume frei von Virusgenen.

Es ist noch immer nicht restlos geklärt, wie sich das neue Coronavirus verbreitet. Neben einer Tröpfcheninfektion, die nur in unmittelbarer Nähe eines Infizierten erfolgt, kommen nach heutigem Kenntnisstand auch die Berührung kontaminierter Oberflächen und Aerosole infrage. Auf den Oberflächen bleiben die Viren vermutlich tagelang infektiös, mit den Aerosolen können sie über größere Entfernungen gestreut werden, etwa im Luftstrom eines Klimageräts.

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Ein Team um Yuan Liu von der Universität Wuhan hat an 2 Kliniken an 28 Stellen Luftproben und an 2 Stellen Proben von Fußböden untersucht. Beide Kliniken haben während der Epidemie schwerpunktmäßig COVID-19-Patienten behandelt: Die Fangcang-Klinik gehörte zu den Container-Krankenhäusern, die innerhalb weniger Wochen neu errichtet wurden. Dort wurden vor allem leichtere Fälle behandelt. Die schwerkranken Patienten wurden an die Renmin-Klinik der Universität Wuhan überwiesen.

Die Forscher haben die Luftproben mit einer neuen Methode untersucht, die die Virusgene in kleinster Konzentration nachweisen kann. Die Luftproben wurden im Patientenbereich, im medizinischen Bereich und im Publikumsbereich entnommen. Die beiden Bodenproben stammen aus der Intensivstation der Renmin-Klinik.

Die höchsten Konzentrationen wurde in der Feldklinik gefunden. Im Warenlager wurden 21 Genkopien/m³ gefunden. Es folgten mit jeweils 20 Kopien/m³ der Anmeldebereich (Medical Staff’s Office) und der Umkleideraum des männlichen Personals (weibliches Personal 11 Kopien/m³), die Patiententoilette (19 Kopien/m³) und das Besprechungs­zimmer (18 Kopien/m³). Bei der Patiententoilette handelte es sich offenbar um ein Provisorium mit einer Grundfläche von 1 m² ohne Belüftung, vergleichbar vielleicht den Baustellen-Aborten oder „Dixie-Klos“ auf Freiluftveranstaltungen.

In der Renmin-Klinik waren die Verhältnisse überall besser. Die Luftkonzentration lag überall unter 10 Kopien/m³.

Die Viren wurden auch im Publikumsbereich nachgewiesen, unter anderem in 2 Läden (11/m³ und 3/m³), in einer Apotheke (3 Kopien/m³) und in der Renmin-Klinik auch im Außenbereich in der Nähe des Ausgangs (7/m³).

An 3 Stellen wurden die Aerosole nach ihrer Größe sortiert. In dem Raum, in dem das Personal die Schutzkleidung auszog, waren die Virus-Gene eher auf kleinen Aerosolen vorhanden. Liu geht davon aus, dass sie beim Ablegen der Kleidung aufgewirbelt wurden. Im Anmeldebereich wurden die Viren auch auf größeren Aerosolen gefunden.

Die beiden Bodenproben wurden einmal in einer leeren Ecke des Raumes 3 Meter vom nächsten Patientenbett entfernt entnommen. Hier war die Konzentration deutlich höher als neben dem Bett unterhalb den medizinischen Geräten.

Liu weist darauf hin, dass die infektiöse Dosis von SARS-CoV-2 bei einer Inhalation nicht bekannt ist. Nachgewiesen wurden außerdem nur die Virus-Gene. Ob sie von intakten Viren stammen oder Artefakte von lange zerfallenen Viren waren, kann die Studie nicht klären. Sie liefert allerdings Hinweise dafür, wo für eine Belüftung (etwa in der Umkleide oder den Patiententoiletten) gesorgt werden sollte. Sie unterstreicht auch die Bedeutung der sorgfältigen Desinfektion.

Nach der Entnahme der Proben wurden an der Fangcang-Klinik rigorose Maßnahmen ergriffen mit häufigem Versprühen von chlorhaltigen Desinfektionsmitteln. Die Räume, wo die Schutzkleidung abgelegt wurde, wurden zusätzlich mit 3 % Wasserstoffperoxid desinfiziert. Die nächsten Proben, die 2 Wochen später entnommen wurden, waren (mit einer Ausnahme) alle frei von Virusgenen.

Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Höhepunkt der Epidemie bereits überschritten. In der Fangcang-Klinik wurden pro Zone weniger als 100 statt vorher mehr als 200 Patienten behandelt. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #830245
Hortensie
am Mittwoch, 15. Juli 2020, 20:53

Umkleidekabinen, Toiletten ohne Fenster, etc.

Dass sich Aerosole in kleinsten Räumen gut halten, ist eigentlich logisch.
Dies dürfte gerade für Kliniken und Arztpraxen von Bedeutung sein, weil es dort diese Räumlichkeiten nun mal gibt und weil sich dort auch am ehesten -unerkannt- Infizierte aufhalten könnten.
Auch die "Röhren" von MRT-Geräten könnten Aerosole vermehrt enthalten.
Avatar #771752
catch-the-day
am Dienstag, 28. April 2020, 19:04

HOCl-Desinfektion

In russischen Kliniken wird schon lange HOCl zur Desinfektion eingesetzt - dort gibt es deshalb auch kaum Probleme mit Multiresistenzen von Keimen. HOCl kann auch - unschädlich in niedrigen Dosen - vernebelt werden. In Ställen wird dies erfolgreich eingesetzt und verringert den Keimdruck über 90%. Es sollten dringend Studien gemacht werden, ob und wie eine flächendeckende Vernebelung von HOCl in Kliniken den Keimdruck und die Verbreitung von Viren senken kann.
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