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Politik

Bisher empfohlene Maskenaufbereitung tötet SARS-CoV-2 nicht ab

Mittwoch, 29. April 2020

/NorGal, stock.adobe.com

Berlin – Das Coronavirus SARS-CoV-2 wird durch das bislang empfohlene Aufbereitungs­verfahren von Atemschutzmasken nicht vollständig abgetötet. Das hat das Bundesinsti­tut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) dem Deutschen Ärzteblatt heute auf Nach­frage bestätigt.

Das BfArM habe als Beitrag zur Sicherung der Versorgungslage mit Atemschutzmasken an einer Empfehlung zur Wiederaufbereitung der Masken mitgearbeitet, die dem Krisenstab der Bundesregierung vorgelegt worden sei, erläuterte eine Sprecherin des BfArM.

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Seinerzeit sei zur thermischen Virusinaktivierung bei gleichzeitiger Erhaltung der Mas­ken­integrität eine thermische Desinfektion bei 65 bis 70 Grad Celsius trockener Hitze über 30 Minuten vorgeschlagen worden. Dies habe auf Ergebnissen der zu diesem Zeit­punkt vorliegenden Literatur sowie der entsprechenden Bewertung durch Virologen ba­siert, sagte die Sprecherin der Behörde.

Um die Ergebnisse zusätzlich praktisch weiterzuentwickeln und eine verbesserte Daten­lage im Sinne der Sicherheit der Anwender und Patienten zu erhalten, seien durch das BfArM außerdem laufend neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten über unter­schiedliche Verfahren zur Wiederaufbereitung betrachtet und eigene wissenschaftliche Forschung beauftragt worden, erklärte sie.

Aktuelle Studien hätten nun gezeigt, dass eine Aktualisierung der bisher geltenden Em­pfehlung notwendig seien. „Mögliche Anpassungen der Verfahrensparameter zur zuver­lässigen Vireninaktivierung bei gleichzeitiger Sicherstellung der weiteren Maskeninte­grität werden derzeit überprüft“, sagte die Sprecherin.

Gestern hatte das ZDF-Magazin „Frontal 21“ unter Berufung auf ein BfArM-Papier berich­tet, dass das bisherige von der Bundesregierung befürwortete Aufbereitungsverfahren „nicht ausreicht, um eine vollständige Inaktivierung infektiöser Viruspartikel auf den in­kubierten Masken zu erzielen“.

Damit könne dieses Verfahren nicht mehr für die Dekontamination von Masken empfoh­len werden, heißt es demnach in einem Schreiben vom 24. April an das Bundesministe­rium für Gesundheit (BMG). Das BfArM fordert deshalb, das aktuelle Aufbereitungs­verfah­ren unverzüglich zu beenden.

Trotzdem sei das Aufbereitungsverfahren per Trockenhitze bei 70 Grad immer noch er­laubt, berichtete das ZDF-Magazin. Auf Nachfrage äußerten sich die zuständigen Ministe­rien nicht zu dem umstrittenen Verfahren.

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium und das Bundesarbeitsministerium hatten Anfang April das Verfahren gestattet. Zahlreiche Krankenhäuser, Arztpraxen sowie Pflegeheime und Pflegedienste verwenden Atemschutzmasken seitdem mehrmals, nachdem sie in dem vorgeschriebenen Verfahren aufbereitet worden sind.

In dem internen Papier des BfArM ist auch von einer möglichen Alternative die Rede: Danach könne im Falle entsprechend positiver Untersuchungsergebnisse voraussichtlich eine thermische Dekontamination bei 90 Grad über 90 Minuten als Ersatzverfahren em­pfohlen werden. Dazu seien jedoch zunächst weitere Prüfergebnisse abzuwarten. © may/afp/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #827773
Fischadler68
am Montag, 4. Mai 2020, 12:03

FFP Masken Produktion + Aufbereitung

Natürlich funktioniert es nicht bei 70 Grad oder mit dem Dampfbügeleisen. Aus Panik wird jetzt jede Erkenntnis über Bord geworfen ???!!!

Um Kurzfristig eine Produktion in Deutschland für FFP 2+3 Masken in Deutschland aufzustellen bedarf es einer Abnahmegarantie von 5 Mio Masken / Anno für 1,5Jahre. Aktuell sind weder die Bundesregierung noch die Bundesländer bereit dies zu leisten . Aufbau der Produktion dauert 16 Wochen - das ist die Lieferzeit für die benötigten 8 Maschinen für die Produktion.
Avatar #765830
Aerzteblatt$modus20
am Samstag, 2. Mai 2020, 23:37

Dampfbügeleisen steht im Krankenhauseingang

Die Idee mit dem Dampfbügeleisen wird in einer Klinik in Pankow angewendet: im Foyer steht Bügelbrett mit Bügeleisen sowie schriftlicher Aufforderung zur Nutzung zu Desinfektion der "Trigema"-Masken. Nutzbar für Angestellte, Patienten und Ausnahme - Besucher.
Avatar #589166
Sextus Empiricus
am Donnerstag, 30. April 2020, 14:33

Maskenaufbereitung

Welch ein unwissenschaftliches Vorgehen, das die Bevölkerung jetzt noch mehr verunsichert!
Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 30. April 2020, 00:03

Für meine DIY-Masken

benutze ich das Meltblown-Vließ, das jeder Staubsaugertütenpackung für den HEPA-Filter beiliegt. Normalerweise filtern diese Vließe die Feinstaubpartikel aus dem Luftstrom, die den eigentlichen Filterbeutel passieren. Dieses Vließ hat einen erstaunlich niedrigen Atemwiderstand. Die Desinfektion erfolgt in der Mikrowelle, die Restfeuchte nach dem Tragen sorgt für eine ausreichende Erhitzung.
Avatar #775725
wrdammrich
am Mittwoch, 29. April 2020, 23:20

Da lohnt es sich ja fast...

...eine Versuchsreihe mit einem Dampfbügeleisen anzulegen
Avatar #824634
D. Jahn
am Mittwoch, 29. April 2020, 20:24

FFP-3 billiger als erneuter LockDown

Ich muss zugeben, dass ich leider nur über näherungsweise Zahlen verfüge. Aber nach meinen Informationen würden Maschinen zur Fertigung von Meltblown-Vlies für 150 Millionen FFP-3 Masken pro Tag (Jahreskapazität knapp 56 Milliarden Masken) etwa 1/2 bis eine 3/4 Milliarde € kosten, die Maschinen zur Produktion von 150 Millionen FFP-3 Masken pro Tag ebenfalls nochmal die gleiche Summe. Für etwa 1 bis 1,5 Milliarden € ließe sich also eine hinreichende Kapazität aufbauen um die gesamte Bevölkerung zu schützen und so die Infektionen wirksam einzudämmen. Die Produktionskosten ohne Gewinn belaufen sich dann schätzungsweise auf 40 bis 50 cent pro FFP-3 Maske. Also Produktionskosten von 1,5 Milliarden € pro Monat, mithin 18 Milliarden € pro Jahr. Eine Woche Lockdown kostet näherungsweise 150 Milliarden €.

Ach ja, viele FFP-3 Masken haben einen hohen Atemwiderstand - das haben viele ja bestimmt inzwischen leidvoll erfahren - Es gibt aber auch Modelle im FFP-3 Standard - auch ohne Ventil - die einen geringeren Atemwiderstand als FFP-1 Masken haben trotz FFP-3 Standard bei den Filterwerten. Man sollte also zum Zwecke der besseren Compliance solche gut zu tragenden und zu verwendenden FFP-3 Masken produzieren.
Avatar #760591
53Cicero
am Mittwoch, 29. April 2020, 20:10

Welche Blamage für das BMG und des BfArM

Oft reicht Schon ein gesunde Verstand!!
Wer immer das BMG oder das BfArM hier beraten hat. Aber schlimm ist auch, das man was umsetzt nur auf Grund eines blinden Gehorsams.
In der MPBetreibV schreibt man bewusst, das eine Aufbereitung nach einem „validierten“ Verfahren zu erfolgen hat. Das waren die Anweisungen zur Aufbereitung der Masken und das in den Publikationen beschriebene des BMG und des BfArM zu keiner ZeitPunkt!
Avatar #824634
D. Jahn
am Mittwoch, 29. April 2020, 20:03

Verpasste Chance auf FFP-3 Masken aus Deutschland

Leider versäumt die Bundesregierung es, allen voran Herr Spahn, die Produktion von Meltblown-Vlies für die massenhafter Herstellung von FFP-3 Masken in Deutschland auf den Weg zu bringen. Die Methode: Das BMG, BMWi stellt Firmen die Meltblown-Vlies in Deutschland herstellen sollen 30% Zuschuss zur Investition und Abnahmegarantien bis 2021 oder evtl. 2022 in Aussicht. So etwas wäre wirtschaftlicher Selbstmord, da sich derart teure Maschinen nicht in zwei bis drei Jahren armortisieren. Der geneigte Investor darf ja davon ausgehen, dass dann nach der Krise alle wieder in China einkaufen um ein paar Cent zu sparen. So wird man sicherlich keine große Produktionsmenge in Deutschland erreichen und es werden, solange es in China nicht wieder zu einem Ausfuhrstop kommt lediglich importierte Masken von oft zweifelhafter Qualität als einzige Option bleiben. Das ist sehr bedauerlich. Die Firma, die mit ihren Maschinen für 75% der Weltweiten Produktionskapazität für Meltblown-Vlies verantwortlich zeichnet sitzt im übrigen in Troisdorf bei Bonn. Die würden alles in Bewegung setzen um die Basis für eine Maskenproduktion in Deutschland zu schaffen. Laut der Webseite der Firma haben sie die Zeit für das bereitstellen solcher Anlagen auf 3,5 Monate verkürzt. Warum die Bundesregierung und auch die Länder nicht einfach die Errichtung zahlreicher solcher Anlagen in den verschiedenen Bundesländern beauftragt und mit der Produktion und Bereitstellung von Meltblown-Vlies in grossen Mengen die Herstellung von zertifizierten FFP-3 Masken in Deutschland zu ermöglichen und im Angesicht einer drohenden zweiten Welle im Herbst Zeit vertut und die Mitarbeiter im Gesundheitswesen statt dessen auf das Recycling von zum Teil ohnehin unzureichenden Schutzmasken zurückwirft und das vermutlich auf lange Sicht weiß nur Herr Spahn allein.
LNS

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