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Coronamaßnahmen kosten Unikliniken zusätzliche Millionen

Donnerstag, 30. April 2020

Das Universitätsklinikum in Halle/Saale /dpa

Magdeburg − Die Unikliniken in Sachsen-Anhalt benötigen wegen der Coronakrise deut­lich mehr Geld. Durch das Freihalten von Betten für COVID-19-Patienten entgehen ihnen Einnahmen, gleichzeitig haben sie für Sicherheitsmaßnahmen wie Tests des Personals zusätzliche Ausgaben, wie die Klinikleitungen der Häuser in Magdeburg und Halle bei gestern einer öffentlichen Sitzung des Finanzausschusses berichteten.

Die Uniklinik Halle könne wahrscheinlich bis Jahresende nicht in den Regelbetrieb zu­rück­kehren, sagte der Ärztliche Direktor, Thomas Moesta. Im besten Fall könne der Be­trieb auf 90 Prozent des Normalaufkommens hochgefahren werden, sagte er und be­grün­dete das unter anderem mit einzuplanenden Krankheitsfällen und Quarantänemaßnah­men beim Personal. Im besten Fall fehlten seinem Haus am Jahresende zehn Millionen Euro. Im schlimmsten Fall könnte der Finanzbedarf bei 60 oder 100 Millionen Euro lie­gen.

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Der Uniklinik Magdeburg könnte nach eigenen Angaben am Jahresende 129 Millionen Euro fehlen, davon 30 Millionen wegen bisher nicht ausgeglichener Einnahmeverluste durch die Coronakrise.

Die Kliniken in Deutschland waren bisher angehalten, planbare Operationen zu verschie­ben, zusätzliche Intensivbetten zu schaffen und Behandlungsplätze freizuhalten. Ab kommender Woche sollen die Kliniken aber Schrittweise wieder auf Normalbetrieb hoch­gefahren werden.

Das Magdeburger Haus fahre den Betrieb derzeit auf etwa 50 Prozent der regulären Be­legung, sagte Kerstin Stachel, die zum Vorstand der Uniklinik gehört. Hunderte Betten seien frei, oder gesperrt, weil Zimmer maximal mit zwei Patienten belegt werden könn­ten statt mit vier oder sechs. Zwar bekomme das Klinikum eine Pauschale vom Bund für freigehaltene Betten. Die nicht kompensierten Einnahmeverluste beliefen sich auf derzeit 80.000 Euro pro Tag.

Neben fehlenden Einnahmen gebe es auch zusätzlich Kosten, sagte Kerstin Stachel, die zum Vorstand der Uniklinik Magdeburg gehört. So müsse die Klinik unter anderem selbst für vorsorgliche Coronatests bei Personal und Patienten zahlen und gebe dafür fast 71.000 Euro pro Woche aus. Mit diesen vorsorglichen Tests wolle die Klinik sicherstellen, dass keine Menschen operiert würden, die unerkannt mit SARS-CoV-2 infiziert sind. Auch vor der Entlassung werden Patienten getestet, um das Virus nicht etwa in Pflegeeinrich­tungen zu tragen.

„Es ist kein Geheimnis, dass wir ein Sanierungsfall sind“, sagte Stachel über die Situation der Magdeburger Uniklinik. Geplante Einsparungen beim Personal seien wegen der aktu­ellen Coronapandemie jedoch zunächst aufgeschoben worden.

Der Klinikdirektor aus Halle, Moesta, sagte, es sei davon auszugehen, dass eine zweite Infektionswelle komme, für die weiterhin Kapazitäten freigehalten werden müssten. Er warb dafür, den Kliniken Geld zu geben, um das Eigenkapital aufzustocken.

Wenn die erwarteten Verluste per Kredit ausgeglichen würden, drohe die finanzielle Über­schuldung. Zudem würden vom Gesundheitswesen jedes Jahr Einsparungen gefor­dert, die in diesem Jahr zwar aufgeschoben würden, dafür kommendes Jahr aber zusätz­lich erwirtschaftet werden müssten.

Die Finanzexpertin der Linken, Kristin Heiß, zeigte sich nach der Sitzung enttäuscht. Der Einblick in die finanzielle Situation der Unikliniken sei interessant gewesen, sagte sie. Doch es sei keine Lösung gefunden worden, wie die Haushaltslöcher gestopft werden sollen. Der Ärztliche Direktor der Uniklinik Magdeburg, Hans-Jochen Heinze, kündigte an, künftig auf mehreren Feldern stärker mit Halle kooperieren zu wollen. Als Beispiel nannte er die Radiologie. © dpa/aerzteblatt.de

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