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Medizin

Multiple Sklerose: Monozyten kommen bei der Therapie in den Fokus

Dienstag, 26. Mai 2020

/ag visuell, stock.adobe.com

Berlin – Bisherige Therapien der Multiplen Sklerose (MS) haben sich bekanntlich auf die Funktion von T- und B-Lymphozyten konzentriert. Eine Arbeitsgruppe um Alexander Mildner vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) berichtet in Nature Immunology, dass bestimmte Monozyten am Krankheitsverlauf wesentlich beteiligt sein könnten – und es daher womöglich effektiver ist, ihre Funktion therapeutisch zu beeinflussen (DOI 10.1038/s41590-020-0661-1).

Bei der MS wandern Zellen des eigenen Immunsystems in das Zentralnervensystem ein und zerstören dort die Myelinscheiden, die schützende äußere Schicht der Nervenfasern. In der Folge werden Nervensignale nicht mehr richtig weitergeleitet.

Bei den jetzt untersuchten Monozyten handelt es sich um eine spezielle Form weißer Blutkörperchen, die eine Zeit lang im Blut zirkulieren, bevor sie ins Gewebe auswandern. Dort verwandeln sie sich in Fresszellen, die körperfremdes Gewebe – oder das, was sie wie bei der MS irrtümlich dafür halten – zerstören.

„In unserem Mausmodell der MS wollten wir die Zellen per Einzelzell-Sequenzierung genauer untersuchen und herausfinden, welche Monozyten bei MS im Gehirn vorhanden sind“, so Mildner. Gemeinsam mit einem israelischen Team um Ido Amit vom Department of Immunology am Weizmann Institute of Science in Rehovot stießen sie auf 6 verschiedene Monozyten-Subtypen, von denen 4 bisher noch unbekannt gewesen waren.

Wie in einer früheren Studie injizierte Mildner den Mäusen Antikörper gegen ein spezifi­sches Oberflächenprotein der Monozyten. Wie erwartet starben die Zellen darauf­hin ab und die MS-Symptome der Tiere verringerten sich innerhalb kürzester Zeit.

„Nur eine ganz bestimmte Form der Monozyten, die Cxcl10+-Zellen, ging durch die Antikörper-Behandlung zugrunde. Offenbar sind sie also diejenigen Zellen, welche vorrangig die MS-typischen Gewebeschäden im Gehirn hervorrufen“, sagte Mildner.

Dieser Zelltyp unterscheidet sich laut den Forschern von den anderen Monozyten in 2 wesentlichen Punkten. Zum einen besitzen Cxcl10+-Zellen besonders viele Rezeptoren für einen von T-Zellen abgegebenen Signalstoff, der in Monozyten gewebeschädigende Eigenschaften hervorruft. Zum anderen produzieren diese Zellen besonders viel Interleukin-1-Beta, eine Substanz, die die Blut-Hirn-Schranke öffnet, so dass die Zellen leichter vom Blut ins Gehirn gelangen können.

„Unsere Forschung legt nahe, dass T-Zellen als Krankheitsinitiatoren ins zentrale Nervensystem wandern, um dann dort Monozyten anzulocken, die für den primären Gewebeschaden verantwortlich sind“, so Mildners Überlegung. „Wenn das so wäre, würde es zur Behandlung der allermeisten Formen der MS ausreichen, künftig die Cxcl10+ Mono­­zyten spezifisch auszuschalten, anstatt gegen die T- oder B-Zellen des Immunsystems vorzugehen“, folgert er.

Ein solches Vorgehen würde das Immungedächtnis des Körpers schützen und viele Nebenwirkungen der jetzigen MS-Therapien vermeiden, so der Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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