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Ausland

Europa auf dem Weg zur Normalität

Montag, 4. Mai 2020

/picture alliance, Bodo Marks

Berlin/Madrid/Rom – Was den von der Coronapandemie besonders hart getroffenen Spa­niern schon seit dem Wochenende vergönnt ist, gilt von heute an auch für die rund 60 Millionen Italiener. Die seit fast zwei Monaten geltenden strikten Ausgangssperren wer­den in Italien gelockert.

Doch auch viele andere Staaten in Europa nehmen zu Wochenbeginn einige der teils dras­tischen Beschränkungen des Alltagslebens zurück, die im Kampf gegen die Lungen­krankheit COVID-19 ergriffen wurden. Teils machen – wie in Deutschland – die Friseure wieder auf und vielerorts beginnt auch schon wieder der „normale“ Schulalltag. Die vie­len der strikten Vorsichtsmaßregeln haben Bestand. Von Normalität ist man weit entfernt.

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Deutschland: Vielerorts dürfen Kinder zu Wochenbeginn wieder auf Spielplätze, auch Museen und Zoos öffnen wieder. Friseure dürfen wieder Kunden bedienen. Hunderttau­sen­de Kinder und Jugendliche in Deutschland gehen erstmals seit Wochen wieder in die Schule. In einigen Bundesländern kommen nach den Abschlussklassen jetzt die letzten Klassen der Grundschule und die Schüler zurück, für die im nächsten Schuljahr Ab­schluss­prüfungen anstehen.

Über weitere Öffnungen von Schulen und Kitas wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Länderchefs am kommenden Mittwoch beraten. Fachministerkonferenzen sollen für die nach dem 6. Mai folgende Runde Merkels und der Länderchefs unter anderem Vor­schläge für Rahmenbedingungen zur schrittweisen Öffnungen von Gastronomie- und Tourismusangeboten vorbereiten.

Österreich: Für rund 100.000 Schüler der Abschlussklassen beginnt in der Alpenrepu­blik wieder der reguläre Unterricht. Nach dem Stufenplan der Regierung sind danach Mitte Mai die Grundschulen und Unterstufen dran; alle anderen folgen Anfang Juni. Von heute an sind auch wieder Besuche in Alten- und Pflegeheimen eingeschränkt möglich. Im Land sind inzwischen alle Geschäfte und fast alle Dienstleister wieder geöffnet. Am 15. Mai folgen die Restaurants, Ende Mai Hotels.

Italien: Ab heute dürfen rund 60 Millionen Menschen erstmals wieder zum Sport oder Spaziergang nach draußen. Industrie und Bauwirtschaft fahren ihre Produktion wieder hoch. Allerdings dürfen die meisten Geschäfte immer noch nicht öffnen. Restaurants und Bars dürfen nur einen Liefer- oder Take-Away-Service anbieten und bleiben bis Juni für Besuche geschlossen.

Die Regierung in Rom hatte die Menschen im ganzen Land am 10. März unter Quarantäne gestellt und dann auch die nicht lebenswichtige Produktion geschlossen. Mit mehr als 209.000 Infektionen und rund 28.000 Toten zählt Italien zu den am härtesten von der Lungenkrankheit COVID-19 getroffenen Staaten.

Belgien: Heute soll die erste Phase der Lockerung der Auflagen beginnen. So sollen wie­der mehr Busse und Bahnen fahren, dabei gilt eine Masken-Pflicht für Personen ab zwölf Jahren. Öffnen dürfen Unternehmen, die als Kunden andere Firmen haben, aber keine Pri­vatpersonen bedienen. Auch Stoff- und Kurzwarenläden dürfen aufmachen. Andere Ge­schäfte jenseits des Lebensmittelhandels sollen noch eine Woche zu bleiben.

Sport ist unter Einhaltung der Distanzregeln wieder mit zwei Personen erlaubt, die nicht im eigenen Haushalt wohnen. Das Arbeiten zu Hause soll aber die Regel bleiben und die Menschen sollen ihr Haus nur in wenigen Ausnahmen verlassen – etwa zum Einkaufen, für den Weg zur Arbeit oder zum Arzt. Die nächsten Etappen der Lockerung sind für 11. und 18. Mai vorgesehen. Erst in Phase drei ist die schrittweise Schulöffnung anvisiert.

Ungarn: Fast überall im Land dürfen sich Menschen bei Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern wieder frei bewegen. Geschäfte können uneingeschränkt öffnen, Gast­stätt­en wieder aufmachen, wenn sie draußen bedienen. Auch Strandbäder dürfen auf­sperr­en. Dies gilt nicht für Budapest und Umgebung, wo die bisherigen Ausgangsbe­schrän­kungen in Kraft bleiben.

Im ganzen Land besteht Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln. Im ganzen Land können wieder Sportwettbewerbe ohne Publikum stattfinden. Geschäfts­reisende, die aus Deutschland, Österreich, Tschechien, Polen, der Slowakei oder Südkorea kommen, sind von der generellen Einreisesperre für Ausländer ausgenommen. Auch die vorgeschriebene 14-tägige Quarantäne entfällt für diesen Personenkreis.

Polen: Das Land lockert mehrere Auflagen. Bürger, die in Deutschland, der Slowakei, Tschechien oder Litauen arbeiten oder studieren, müssen von heute an bei einer Rück­kehr nach Polen nicht mehr für 14 Tage in Quarantäne. Für medizinisches Personal und Menschen, die in Pflegeeinrichtungen tätig sind, gilt die Quarantäneregelung weiter.

Hotels, Einkaufszentren und Sportplätze unter freiem Himmel sollen wieder öffnen. Kon­trollen an den Grenzen zu anderen EU-Mitgliedstaaten bleiben bis zum 13. Mai bestehen – solange ist das Land auch für Ausländer geschlossen. Ausnahmen gelten für Menschen mit Daueraufenthaltsgenehmigung, für Lastwagenfahrer und Diplomaten.

Litauen: Die Menschen dürfen das Land wieder verlassen – das Ausreiseverbot für litauische Bürger wurde aufgehoben. Angesichts der geltenden Einreisebeschränkungen in anderen EU-Ländern wird aber kein größeres Reiseaufkommen erwartet. Für Ausländer gilt weiter ein weitgehender Einreisestopp.

Estland: Die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit zwischen den Ostsee-Inseln und dem Festland werden gelockert – Inselbewohner und Personen mit Zweitwohnsitz auf einer der Inseln dürfen wieder pendeln. Etwas strengere Regeln gelten weiter für die landesweit am stärksten vom Coronavirus betroffen größte Insel Saaremaa – im Volksmund bereits „Coronainsel“ genannt.

Island: Als drittes Land Skandinaviens nach Dänemark und Norwegen will Island seine Anti-Corona-Maßnahmen lockern. Von Montag an sollen die bisher mit Einschränkungen geöffneten Schulen auf der Nordatlantik-Insel wieder zum Normalbetrieb zurückkehren.

Auch die seit Wochen geschlossenen Universitäten und Hochschulen können wieder öff­nen, Gleiches gilt für Friseure, Masseure, Schönheitssalons, Zahnärzte und Museen. Die erlaubte Teilnehmerzahl für Versammlungen wird von 20 auf 50 erhöht.

Griechenland: Masken sind ab heute in öffentlichen Verkehrsmitteln, Aufzügen und Krankenhäusern sowie Ärztepraxen Pflicht. Wer sich nicht daran hält, muss 150 Euro Stra­fe zahlen. Zudem dürfen Friseursalons, Elektrogeschäfte und Buchhandlungen wieder auf­machen. Die Bürger werden von heute an ohne Einschränkungen aus dem Haus gehen können. Reisen außerhalb der jeweiligen Präfektur (das entspricht in etwa einem Land­kreis in Deutschland) bleiben vorerst tabu. Auch das Reisen vom Festland zu den Inseln ist vorerst nicht gestattet.

Zypern: Alle Geschäfte des Einzelhandels machen heute wieder auf. Zudem werden Bau­märkte geöffnet, alle Bauarbeiten sind wieder möglich. Die Gerichte können wieder unter strenger Einhaltung der Abstandsregeln verhandeln. Ein Ausgangsverbot zwischen 22 und 6 Uhr bleibt aber noch bestehen.

Kroatien: In dem Urlaubsland öffnen heute auch Dienstleister mit engem Kundenkon­takt (Friseure, Kosmetiker, Beauty Salons). Sie müssen bestimmte Schutzvorkehrungen treffen. Eine Woche später (11. Mai) sollen die großen Einkaufszentren und Gaststätten öffnen, insofern sie draußen bedienen. Kinder werden dann wieder in Grundschulen und Kindertagesstätten gehen können.

Bulgarien: Die Maskenpflicht im Freien wurde am 1. Mai abgeschafft. Die Menschen können sich jetzt in Parks, auf Straßen und an Bushaltestellen ohne Mund-Nase-Schutz aufhalten. In Bussen und Bahnen, Läden und Kirchen gilt die Maskenpflicht bis 13. Mai weiter.

Dann soll ein zweimonatiger Ausnahmezustand enden. Seit Sonntag sind alle National- und Naturparks sowie die Gebirge des Balkanlandes für Besucher mit einigen Einschrän­kungen wieder offen. Der Krisenstab prüft, unter welchen Auflagen Einkaufszentren, Ho­tels, Restaurants und Cafés wieder geöffnet werden können. © dpa/aerzteblatt.de

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