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Politik

Sexuelle Gewalt: Auf Kinder und Jugendliche während des Exits besonders achten

Montag, 4. Mai 2020

/Photographee.eu, stock.adobe.com

Berlin – Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, warnt davor, die schrittweise Öffnung der Schulen ab heute als Rückkehr in eine behütete Normalität für Kinder und Jugendliche zu deuten.

„Wir dürfen nicht glauben, dass Missbrauch und andere Gewalt in Familien beendet ist, nur weil jetzt die Schulen langsam wieder öffnen,“ sagte Rörig. Gewalt in der Familie habe auch schon vor der Coronapandemie zur gesellschaftlichen Realität gehört. Doch jetzt würde die Bedrohung von Kindern und Jugendlichen durch familiäre Gewalt und ihre Hilflosigkeit sehr deutlich. „Die aktuelle Krise wirkt wie ein Brennglas“, so Rörig.

Der Missbrauchsbeauftragte ruft deshalb dazu auf, gerade jetzt auf Kinder zu achten, die in den vergangenen sechs Wochen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen wenig sicht­bar waren: „Ich appelliere an alle Lehrerinnen und Lehrer gerade jetzt bei ihren Schüle­rinnen und Schülern auf Verhaltensänderungen zu achten.“

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Die Mithilfe aller werde jedoch gebraucht, „um Kinder zu schützen und ihnen Hilfe zu er­möglichen“. Doch auch hinsichtlich der noch nicht schulpflichtigen Kinder bestehe wei­ter­hin dringender Handlungsbedarf. Für die Kitas gibt es bisher noch kein Datum, wann der Regelbetrieb wieder öffnen wird.

In diesem Zusammenhang verweist der UBSKM auf die große Resonanz der Aktion „Kein Kind alleine lassen“, die er vor knapp drei Wochen mit dem Online-Portal www.kein-kind-alleine-lassen.de und einer damit verbundenen Plakat- und Flyer-Aktion gestartet hat. Über 60.000 Menschen haben nach Angaben des UBSKM bisher die Seite besucht; 30.000 Unterstützer, darunter auch viele Ärzte und Psychotherapeuten, haben Plakate und Flyer heruntergeladen.

In dem Portal finden sich im Bereich #keinkindalleinelassen Ideen und Projekte von A wie „Arche Berlin“ bis Z wie „Zuper-Q“, die zeigen, wie der Kontakt mit Kinder trotz Ausgangs­beschränkungen aufrechterhalten werden kann.

Seit Ausbruch der Coronapandemie ist nach Kenntnis des Missbrauchsbeauftragten die Zahl der Hilfegesuche bei einigen Beratungshotlines angestiegen. Andere Hilfsangebote dagegen meldeten keinerlei Veränderungen in der Nutzung.

Kinderschutzexperten wie Silke Noack vom „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ befürch­ten, dass gerade das ein Indiz für die Zunahme familiärer Gewalt in der Coronakrise sein könnte: Täter und Täterinnen seien ganztägig zuhause, Kinder könnten so nicht heimlich telefonieren.

Berater von Hilfetelefonen bezeichnen dies als „Feiertags-Effekt“: Immer nach Zeiten des „verordneten Familienlebens“ wie zum Beispiel Weihnachten, steigt die Zahl der Kinder, die anrufen und Hilfe suchen, stark an.

Corona wird nach Ansicht der Kinderschutzexperten wahrscheinlich ähnlich wirken: Nach Lockerung der Ausgangsbeschränkungen, wenn Kinder und Jugendliche wieder einfacher Zugang zu Hilfsangeboten haben und Institutionen besuchen könnten, werden die Nutzung der Angebote und der Bedarf an Fachkräften stark zunehmen. © PB/aerzteblatt.de

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