NewsMedizinModerater Alkoholkonsum kann bei Autoimmun­erkrankungen helfen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Moderater Alkoholkonsum kann bei Autoimmun­erkrankungen helfen

Dienstag, 5. Mai 2020

/Pawel Michalowski, stock.adobe.com

Erlangen − Moderater Genuss von Alkohol hemmt einem Forscherteam der Universität Erlangen zufolge überschießende Immunreaktionen, die zu Autoimmunerkrankungen wie Gelenkrheuma und Multiple Sklerose führen kann. Das teilte die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) heute mit.

Alkohol wird demnach im Körper zum Wirkstoff Acetat abgebaut, welcher die Funktion von T-Helferzellen hemmt. Dabei reagierten diese offensichtlich sehr empfindlich auf den Wirkstoff. Dieser veränderte nachhaltig den Stoffwechsel dieser Zellen, die Produktion des Immunbotenstoffes Interleukin-21 werde unterdrückt.

Anzeige

Alkohol in moderaten Mengen wirkt damit nicht generell immunsuppressiv, sondern vielmehr sehr spezifisch auf eine Sorte von Immunzellen, die als Schaltstelle für das erworbene Immunsystem gilt. „Die negativen Effekte übermäßigen Alkoholkonsums sollten auch im Lichte dieser Daten nichtsdestotrotz immer bedacht werden, auch wenn moderater Alkoholgenuss positive gesundheitliche Effekte zeigen und gerade bei Autoimmun­erkrankungen einen therapeutischen Immuntoleranzeffekt erzeugen kann“, sagte Mario Zaiss vom Lehrstuhl für Innere Medizin III.

Dieser Effekt dürfte laut dem Professor insbesondere für die klinische Beobachtung verantwortlich sein, dass bei jenen Patienten mit rheumatoider Arthritis, die regelmäßig Alkohol konsumieren, deutlich seltener Erkrankungsschübe auftreten. Außerdem verwies er darauf, dass es in der medizinischen Fachliteratur zahlreiche Hinweise gebe, dass Alkohol ein gestörtes Immunsystem günstig beeinflussen könne.

Die Arbeit der Forschergruppe PANDORA sowie des Sonderforschungsbereichs SFB1181 „Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“ wurde laut Hochschule nun in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstütze das Projekt der Wissenschaftler, die Teil des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI) am Universitätsklinikum Erlangen der FAU sind. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #592769
aktivesalter
am Donnerstag, 7. Mai 2020, 07:18

Schöner Effekt - in Mäusen ...

Im Kommentar zu der Studie sollte nicht unerwähnt bleiben, dass diese schönen Daten in einer grundlagenwissenschaftlichen Studie in Mäusen erhoben wurden. Ein Transfer auf den Menschen ist somit nicht 1:1 möglich, auch, wenn es „klinische Beobachtungen“ gibt, dass Patienten mit RA weniger Schübe haben, wenn sie moderat Alkohol konsumieren.
LNS

Nachrichten zum Thema

5. Juni 2020
Kilchberg – In Europa nehmen immer mehr Menschen Opioide gegen Schmerzen bei Rheuma ein. Darauf hat die europäische Rheumaliga „The European League Against Rheumatism“ (EULAR) hingewiesen. Demnach
Europäische Rheumaliga warnt vor Suchtgefahren durch Opioide
4. Juni 2020
Kilchberg – Im Rahmen des Rheumatologenkongresses der Europäischen Liga gegen Rheuma (EULAR) wurde die Etablierung eines „EULAR Virtual Research Center“ angekündigt. Die bereits im Aufbau befindliche
Rheumatologische Versorgung soll durch virtuelles Forschungszentrum verbessert werden
27. Mai 2020
Stockholm − Der Einfluss des Alkoholkonsums auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist umstritten, weil konventionelle epidemiologische Studien den Zusammenhang nicht abschließend beweisen können. Eine
Alkohol: Mendelsche Randomisierung bestätigt erhöhtes Risiko auf Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit
26. Mai 2020
Berlin – Bisherige Therapien der Multiplen Sklerose (MS) haben sich bekanntlich auf die Funktion von T- und B-Lymphozyten konzentriert. Eine Arbeitsgruppe um Alexander Mildner vom Max-Delbrück-Centrum
Multiple Sklerose: Monozyten kommen bei der Therapie in den Fokus
19. Mai 2020
Berlin – Um Patienten konstruktiv auf das Thema Alkoholkonsum anzusprechen, ist viel ärztliches Fingerspitzengefühl erforderlich. Ein rund 50-seitiger aktualisierter Leitfaden für die ärztliche
Alkoholkonsum richtig ansprechen
15. Mai 2020
Köln – Der monoklonale Antikörper Belimumab bietet bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit aktivem systemischem Lupus erythematodes (SLE) einen Zusatznutzen. Darauf hat das Institut für
Lupus erythematodes: Belimumab bietet Zusatznutzen bei Behandlung von Kindern
8. Mai 2020
Mailand – Eine hoch-dosierte intravenöse Behandlung mit dem Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten Anakinra hat in einer Behandlungsserie in Lancet Rheumatology (2020; DOI: 10.1016/
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER