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Ärzteschaft

Psychotherapeuten befürchten Welle von Erkrankungen

Montag, 4. Mai 2020

/Black Brush, stock.adobe.com

Bonn − Psychotherapeuten befürchten durch Versorgungsengpässe in der Coronakrise eine Welle psychischer Erkrankungen. Psychisch Kranke, Einsame, alte Menschen, Famili­en und Kinder − viele seien durch die Belastungen der Coronamaßnahmen am Ende ihrer Kräfte, teilte das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) heute mit.

Während ein größeres Behandlungsangebot notwendig sei, falle etwa die Hälfte aller Therapien bei den niedergelassenen Psychotherapeuten aus: Gruppentherapien und Ein­zelsitzungen seien nicht mehr möglich, und viele Patienten und Therapeuten gehörten der Risikogruppe an.

Die psychischen Folgen durch das Virus müssten genauso ernst genommen werden wie die medizinischen Herausforderungen, appellierte der Vorsitzende des Berufsverbands Dieter Adler an die Politik: „Machen sie jetzt den Weg frei für die maximale Versorgung mit psychischen Hilfsangeboten, damit wir nach der Krise nicht körperlich gesunde, aber gemütskranke Menschen in Deutschland haben.“

Helfen würde eine fernmündliche oder videobasierte Beratung. Diese werde aber nur in geringem Maße von den Krankenkassen bezahlt. Das müsse sofort geändert werden. Problematisch sei auch, dass Therapien in vielen Kliniken nicht beginnen könnten, weil Betten für Viruserkrankte frei gehalten würden.

Psychotherapeuten gehen davon aus, dass einige Folgen auch erst nach der Krise sichtbar werden. Adler sagte: „Wenn die Normalität wieder Einzug hält, werden viele erst realisie­ren, was sie durch die Krise verloren haben. Darauf können wir die Menschen jetzt schon mit guter psychotherapeutischer Hilfe einstellen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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