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COVID-19: Psychosoziale Auswirkungen des Lockdowns

Dienstag, 5. Mai 2020

/Africa Studio, stockadobecom

Hannover – Der gesellschaftliche Lockdown wegen der Coronapandemie geht mit einer deutlichen mentalen Belastung für viele Bevölkerungsgruppen einher. Wissenschaftler des Zentrums für Seelische Gesundheit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sehen Belege für einen Anstieg von Stress, Angst, depressiven Symptomen, Schlafpro­ble­men, Reizbarkeit und Aggression. Das zeigen erste Ergebnisse einer Umfrage, die die Wissenschaftler Anfang April gestartet haben.

Die Erstauswertung der MHH-Befragung bezieht sich auf die Zeit vom 1. bis zum 15. April 2020. 3.545 Freiwillige nahmen an der Analyse teil, das mittlere Alter lag bei 40 Jahren. Von den Befragten sind 83 Prozent Frauen und 15,2 Prozent Männer.

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60 Prozent der Teilnehmer gab an, sehr gut oder gut mit der veränderten Situation und den entsprechenden Maßnahmen zurecht zu kommen. 26,9 Prozent der Befragten hinge­gen erklärten, schlecht oder sehr schlecht mit der Situation umgehen zu können. Die be­fragen Frauen wiesen dabei signifikant höhere Depressions- und Angstwerte auf.

45,3 Prozent der Befragten gaben an, im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie schlech­ter zu schlafen. 50,9 Prozent aller Teilnehmenden berichteten, reizbarer zu sein.

„Sorge bereitet insbesondere, dass fünf Prozent der Teilnehmenden angaben, häusliche Gewalt in den vergangenen vier Wochen erfahren zu haben. Diese kann verbaler, körper­licher oder sexueller Natur sein. Zudem gaben die Teilnehmenden mehrheitlich an, dass die Gewalt zuletzt zugenommen habe“, hieß es aus dem Zentrum.

Die Autoren der Studie appellieren, die seelische Gesundheit der Bevölkerung während der akuten Pandemie und auch im Nachgang fortlaufend im Blick zu behalten und Hilfs­angebote vorzuhalten oder auszubauen. Besonders sorgfältig sollten dabei das Erleben von häuslicher Gewalt sowie deren Risikofaktoren wie Stress, Schlafprobleme und Reiz­bar­keit erhoben werden.

„All diese Themen sind uns nicht unbekannt“, erklärte der Studienleiter Tillmann Krüger. Aber die Restriktionen während der Corona­pandemie und die damit assoziierte räumliche Enge in Familien könne zu einem erheblichen Aufflammen dieser Probleme führen. Die MHH-Wissenschaftler befürchten auch Langzeiteffekte durch die Coronapandemie auf die seelische Gesundheit. Deshalb haben sie nun eine zweite Welle der Erhebung gestar­tet. © hil/aerzteblatt.de

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