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Medizin

Studie: Social Distancing fällt jüngeren Menschen offenbar schwerer

Dienstag, 5. Mai 2020

/eakgrungenerd, stock.adobe.com

Boston − Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 hat seit der Einführung der Kontaktbeschränkungen in Deutschland bei jüngeren Menschen stärker zugenommen als bei Kindern und älteren Erwachsenen. Die in Eurosurveillance (2020; 25: 2000596) veröffentlichten Zahlen deuten darauf hin, dass es jüngeren Menschen schwerer fällt, die geforderte Distanz zu ihrem Mitmenschen zu halten.

Das „Social Distancing“ gilt derzeit als die wichtigste Maßnahme, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen. In Deutschland wurden deshalb ab dem 16. März die Schulen geschlossen und seit dem 23. März gilt eine weitreichende Kontaktsperre. Den Epide­miologen Edward Goldstein und Marc Lipsitch von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston ist aufgefallen, dass sich die Zahl der COVID-19-Erkrankungen in Deutschland in den einzelnen Gruppen seither unterschiedlich entwickelt hat.

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Die Forscher verglichen die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Zahlen aus den Wochen 10 und 11 (vor den Maßnahmen zum "Social Distancing“) mit den Wochen 13 und 14 (als in Deutschland die Schulen geschlossen und Besuche weitgehend verboten waren).

Bei Kindern und Personen über 35 Jahren stiegen in diesem Zeitraum die neu gemeldeten Fälle weniger stark an als in der Gesamtgruppe. In den Altersgruppen zwischen 15 und 34 Jahren lag der Anstieg dagegen über dem Durchschnitt.

Besonders deutlich war dies in der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen. Goldstein und Lipsitch ermitteln eine um 40 % höhere Zunahme der bestätigten Infektionen als in der Gesamt­gruppe. Das relative Risiko von 1,4 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,27 bis 1,55 signifikant.

Für die Gruppe der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren (relatives Risiko 1,14; 0,99 bis 1,32) und die Erwachsenen im Alter von 25 bis 29 Jahren (Odds Ratio 1,06; 0,98 bis 1,15) und von 30 bis 34 Jahren (Odds Ratio 1,07; 0,99 bis 1,16) die Zuwächse lagen nur noch unwesentlich über dem Durchschnitt.

Goldstein und Lipsitch schließen daraus, dass die Teenager und jungen Erwachsenen sich nicht so genau an die Kontaktbeschränkungen halten wie ältere Erwachsene und Kinder. Sie könnten damit schnell zu einer Triebfeder der Epidemie werden.

Dies zeigen laut den Autoren auch die Erfahrungen aus Südkorea, dem Land mit den mit Abstand häufigsten Tests. Die meisten Erkrankungen wurden in Südkorea in der Gruppe der 20 bis 29-Jährigen gefunden. © rme/aerzteblatt.de

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