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Medizin

COVID-19: Erste Erkrankung in Frankreich bereits Ende Dezember?

Mittwoch, 6. Mai 2020

/Andrey Kiselev, stock.adobe.com

Paris − Französische Infektiologen sind bei einer retrospektiven Analyse von Kranken­akten auf den Fall eines 42-jährigen Fischhändlers gestoßen, dessen Symptome COVID-19 ähnelten. Der Mann wurde laut einem Bericht im International Journal of Antimicrobial Agents (2020; DOI: 10.1016/j.ijantimicag.2020.106006) bereits Ende Dezember 2019 in einer Klinik in der Nähe von Paris behandelt und der Nachweis von SARS-CoV-2 fiel positiv aus.

Bislang ging die Forschung davon aus, dass die ersten Fälle von COVID-19 in Frankreich erst Ende Januar aufgetreten sind. Am 24. Januar 2020 waren 2 Patienten positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. Im Januar befand sich das Land in der jährlichen Grippe-Welle. Da eine Infektion mit SARS-CoV-2 ähnliche Symptome verursacht, ist ein Team um Jean Ralph Zahar von der „Unité de Contrôle et de Prévention du risque infectieux“ (SIPHIF) in Paris noch einmal Fälle einer grippeähnlichen Erkrankung (Influenza like illness, ILI) durchgegangen.

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Der Fall des Fischhändlers, der am 27. Dezember auf der Intensivstation einer Klinik bei Paris behandelt wurde, machte den Infektiologen stutzig. Der Patient war mit Hämop­tyse, Husten, Kopfschmerzen und Fieber, die sich über 4 Tage entwickelt hatten, in der Klinik aufgenommen worden. In der Computertomografie waren beidseits in den unteren Lungenabschnitten Milchglastrübungen zu erkennen, wie sie auch bei der atypischen Pneumonie von COVID-19-Patienten beobachtet werden.

Als Risikofaktoren hatte der Patient ein Asthma bronchiale und einen Typ-2-Diabetes. Auch der Laborbefund passte zu einer Infektion mit SARS-CoV-2: Er zeigte neben erhöhtem C-reaktiven Protein und einem Anstieg des Fibrinogens eine Lymphopenie. In der Klinik waren Tests auf Erreger im Sputum negativ ausgefallen.

Einige Sputumproben waren bei - 80°C tiefgefroren worden. Zahar ließ sie auftauen und auf Virusgene von SARS-CoV-2 testen. Das Ergebnis war positiv. Aus der Anamnese des Patienten ging hervor, dass der Mann maghrebinischer Herkunft war. In Algerien war er zuletzt im August 2019 gewesen. Verbindungen nach China bestanden nicht. Wie er sich als Fischhändler in Paris angesteckt haben könnte, ist unklar. Seine Frau soll jedoch nach Angaben der französischen Medien in einem Supermarkt in der Nähe des Flughafens Charles de Gaulle arbeiten, der von Fluggästen frequentiert wird.

Sollte sich der Fall bestätigen, würde dies bedeuten, dass das Virus erheblich früher nach Europa gelangte. Der Test ist dem Vernehmen nach auch bei einer Kontrolle positiv ausgefallen. Es ist nicht auszuschließen, dass das zwischenzeitliche Gefrieren der Sputum­probe doch für ein falsch positives Ergebnis gesorgt hat. Der nächste Schritt dürfte ein Antikörper-Test bei dem rekonvaleszenten Patienten sein. © rme/aerzteblatt.de

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