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Medizin

COVID-19: Symptom-App kann Ausbruch frühzeitig erkennen

Mittwoch, 6. Mai 2020

/Mopic, stock.adobe.com

Boston − Sogenannte „Symptom Tracker“-Apps, in denen Erkrankte und Gesunde täglich ihren Gesundheitszustand angeben, können den Gesundheitsbehörden bei der Verfolgung der COVID-19-Epidemie helfen.

Eine in Großbritannien und den USA beliebte App wurde bis Anfang Mai bereits 2,8 Millionen Mal heruntergeladen. Laut einem Bericht in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abc0473) hat die App die Ausbreitung des Virus in Südwales um 5 bis 7 Tage vor den ersten offiziell bestätigten Fällen erkannt.

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Der „COVID Symptom Tracker“ basiert auf einer App, die für die Nurses’ Health Study entwickelt wurde. Die Teilnehmerinnen der großen prospektiven Beobachtungsstudie aus Neuengland können täglich Fragen zu ihrem Gesundheitszustand beantworten. Für die T.H. Chan School of Public Health der Harvard Universität in Boston ist die App ein einfaches Mittel, um Daten zu sammeln, die später für die Erforschung von Krankheits­ursachen genutzt werden.

Aufgrund der raschen Ausbreitung von SARS-CoV-2 haben die Forscher eine zweite App entwickelt, um Daten über die COVID-19-Epidemie zu erfassen. Der „COVID Symptom Tracker“ kann seit dem 20. März in Großbritannien und seit dem 29. März in den USA kostenlos in den App-Stores von Apple und Google heruntergeladen werden. Das Interesse war groß, denn bis zum 2. Mai wurde die App bereits 2,8 Millionen Mal heruntergeladen.

Die Nutzer füllen einen Basisfragebogen zu Alter, Größe, Gewicht und einigen Grunder­krankungen aus. Danach meldet sich die App einmal täglich mit Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand. Eine erste Analyse zu 1,6 Millionen Anwendern in Großbritannien zeigt, dass die App durchaus interessante Analysen ermöglicht.

Von den 265.851 Nutzern, die Symptome angaben, waren zwar 1.176 positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. Wie das Team um Andrew Chan berichtet, können die Symptome der Erkrankung sehr stark variieren. Husten und Abgeschlagenheit waren der häufigste Anlass für einen Test, sie waren jedoch nicht hinweisend auf ein positives Ergebnis.

Die meisten Personen, die positiv getestet wurden, klagten über weitere Symptome, wobei neben Fieber und Durchfallerkrankungen vor allem Geruchsstörungen sehr häufig waren. Die Patienten, die positiv getestet wurden, haben sogar häufiger eine Anosmie als Fieber, schreib Chan.

Bemerkenswert ist, dass etwa 20 % der Personen, die die Verdachtssymptome (Husten und/oder Abgeschlagenheit plus wenigstens ein weiteres Symptom wie Anosmie, Diarrhö oder Fieber) hatten, gar nicht getestet wurden. Dies deutet darauf hin, dass möglicherweise viele symptomatische Erkrankungen unentdeckt bleiben.

Die Zunahme von Symptom-Meldungen aus einer Region kann auf einen Ausbruch hindeuten. So gelang es mithilfe der App, eine Epidemie im Süden von Wales vorher­zusagen. Erst 5 bis 7 Tage nach der Häufung von Symptomen kam es in der Region zu den ersten vom Labor bestätigten COVID-19-Erkrankungen. Die App hat es laut Chan der britischen Regierung ermöglicht, die örtlichen Gesundheitsbehörden auf dem bevorste­henden Anstieg der Fälle zu warnen.

Die App ist derzeit auf die USA und Großbritannien beschränkt. Für den deutschen Raum hat das Universitätsklinikum Freiburg Mitte April einen ähnlichen „COVID-19 Symptom“-Tracker vorgestellt, der ebenfalls in den App-Stores heruntergeladen werden kann. © rme/aerzteblatt.de

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