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Medizin

WHO-Studie: Wie das medizinische Personal sich effektiv schützt

Dienstag, 12. Mai 2020

/tuastockphoto, stock.adobe.com

Portland/Oregon − Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) lässt derzeit untersuchen, wie stark die Betreuung von Patienten mit SARS, MERS und COVID-19 das medizinische Personal gefährdet und wie effektiv die Schutzmaßnahmen sind. Ein Zwischenbericht („living rapid review“) in den Annals of Internal Medicine (2020; DOI: 10.7326/M20-1632) kommt zu dem Ergebnis, dass sich Infektionen am Arbeitsplatz nicht völlig, aber doch weitgehend verhindern lassen.

Der Tod des chinesischen Arztes Li Wenliang hat den Medizinern in Nordamerika und Europa schon vor Eintreffen des Virus vor Augen geführt, dass von SARS-CoV-2 eine Gefahr für sie ausgeht. Tatsächlich waren unter 44.672 COVID-19-Patienten aus China auch 1.716 Ärzte, Pflegekräfte und andere Assistenten (3,8 %), von denen 247 (15 %) schwer erkrankten und 5 (0,3 %) starben. Die vergleichsweise niedrige Case-Fatality-Rate dürfte damit zusammenhängen, dass das ärztliche Personal jünger ist als der Durch­schnitt der COVID-19-Patienten und meist auch vor der Infektion in einem besseren Gesundheitszustand.

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Dennoch war die Prävalenz, also der Anteil der Erkrankten an der Gesamtgruppe, in China unter dem medizinischen Personal mit 144,7 auf 1 Million höher als in der Allgemein­bevölkerung (41,7/Mio.). Das erhöhte Infektionsrisiko belastet viele Mediziner. Studien zeigen, dass 14 bis 15 % unter Depressionen, 12 bis 24 % unter Angstzuständen, 30 bis 39 % unter psychischen Belastungen und zwischen 8 und 60 % unter Schlafstörungen leiden.

Die Daten, die Roger Chou vom Pacific Northwest Evidence-based Practice Center in Portland/Oregon und Mitarbeiter zusammengetragen haben, zeigen, wer am meisten gefährdet ist. Zu den Risikofaktoren gehört nicht nur die Tätigkeit im Hoch-Risiko-Bereich, sprich auf Intensivstationen (relatives Risiko RR 2,13), sondern auch eine suboptimale Reinigung der Hände vor oder nach dem Kontakt mit dem Patienten (RR 3,10 und 2,82) sowie die unsachgemäße Verwendung der persönlichen Schutzkleidung (RR 2,82).

Aber auch lange Arbeitszeiten (p = 0,02) erhöhen das Risiko. Ärzte und Personal können sich aber auch außerhalb des Gefahrenbereichs anstecken, so etwa bei einem erkrankten Familienmitglied (RR 2,76). Ärzte haben nach den Recherchen von Chou übrigens kein höheres Risiko als das Pflegepersonal.

Die Klinikverwaltung kann laut dem Review einen Beitrag zur Vermeidung von Infektionen leisten, indem sie Fiebermessgeräte installiert (Odds Ratio OR 0,05) und Spender für Desinfektionsmittel (OR 0,043) aufstellt. Beide Maßnahmen könnten das Infektionsrisiko damit um etwa 95 % senken. Auch ein Luftaustausch ist wichtig. Natürlich belüftete Arbeitsräume waren einer Studie zufolge günstiger als Klimageräte (OR 0,40).

Die Schutzwirkung von N95-Respiratoren (die die Luft wie die Halbmasken FFP2 und FFP3 filtrieren) war in vier Studien größer als ein einfacher chirurgischer Mund-Nasen-Schutz (das Tragen von mehreren chirurgischen Masken übereinander bietet hier keinen Mehrwert). Die Effektivität von Handschuhen, Schutzkleidung und Augenschutz sowie von Überschuhen ist ebenfalls durch Studien belegt. © rme/aerzteblatt.de

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