NewsPolitikRobert-Koch-Institut sieht neue Phase der Pandemie, gibt aber keine Entwarnung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Robert-Koch-Institut sieht neue Phase der Pandemie, gibt aber keine Entwarnung

Donnerstag, 7. Mai 2020

Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), erklärte heute, das RKI werde seine regelmäßigen Pressekonferenzen zur Coronapandemie einstellen und künftig anlassbezogen informieren. /picture alliance, Michael Sohn, AP Pool

Berlin – Nach Ansicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) tritt Deutschland in eine „neue Phase“ der SARS-CoV-2-Pandemie. Sinkende Fallzahlen hätten zu einer neuen Normalität des Umgangs mit dem neuartigen Coronavirus in der Gesellschaft geführt, so dass das RKI seine zwei Pressebriefings pro Woche einstellen wird.

Man habe sich entschieden, wieder auf die übliche Pressearbeit umzusteigen. „Ab sofort werden wir nur noch anlass­bezogen Online-Pressebriefings durchführen“, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade.

Anzeige

Die Infektionsbehörde hat die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Menschen heute mit 166.091 angegeben – ein Plus von 1.284 seit dem Vortag. Bundesweit gebe es 200 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Rund 139.900 Menschen seien wieder genesen. Frauen und Männer seien hierzulande gleichermaßen von dem Virus be­troffen. „Für 18 Prozent der Fälle wurde eine Hospitali­sierung ermittelt", sagte Schaade.

Erneut gebe es viele Erkrankungsfälle unter älteren Menschen. „Und in dieser Alters­gruppe müssen wir mit einem weiteren Anstieg der Todesfälle rechnen", erklärt der RKI-Vize. Die mittlere Mortalitätsrate betrage derzeit 4,3 Prozent.

Keine Entwarnung

Schaade will die sinkenden Fallzahlen und die Lockerungen des Shutdowns nicht als Ent­warnung des Infektionsgeschehens verstanden wissen. „Die neue Phase der Pandemie bedeutet keine Sicherheit.“ Das SARS-CoV-2-Virus könne in Deutschland nicht eliminiert werden, bevor es einen Impfstoff und/oder eine Präexpositionsprophylaxe gebe.

„Wir müssen nach wie vor wachsam sein und das Virus auf niedrigem Niveau kontrollie­ren“, so Schaade. Drei Säulen seien bei der längerfristigen COVID-19-Bekämpfung wich­tig: Die Eindämmung des Virus, der Schutz von Risikogruppen sowie die Schaffung von Kapazitäten zur Behandlung und Testung.

Die Entscheidung zu Lockerungen des gesellschaftlichen Umgangs sei dennoch nachvoll­ziehbar. „Wir müssen das Virus in unseren Alltag integrieren“, so der RKI-Vizepräsident, aber dennoch Vorsicht walten lassen und die entsprechenden Hygieneregeln einhalten.

Die von der Bundesregierung und den Ländern vereinbarte Richtmarke von 50 Neuin­fek­tio­nen pro 100.000 Einwohner in einer Woche erachtet das RKI als einen pragmatischen Grenzwert. Diese Zahl diene dazu, bei Bedarf lokal eine Eskalationsstufe zu starten res­pektive Konzepte für weitere antiepidemische Maßnahmen in der Bevölkerung zu ent­wi­ckeln.

Auch weiterhin sei die Arbeit der Gesundheitsämter bei der Coronabekämpfung essen­ziell. „Deren Arbeit ist aufwendig und verantwortungsvoll“, so Schaade. Eine Nachver­fol­gung von Kontaktpersonen könne einige Stunden, aber auch mehrere Tage dauern. Daher habe das RKI 350 „containment scouts“ ausgebildet, die die Gesundheitsämter vor Ort unterstützen, insgesamt solle die Zahl auf 500 erhöht werden.

Obwohl es bundesweit möglich ist, rund 960.000 Labortestungen pro Woche durchzu­füh­ren, wurden zuletzt nur circa 317.000 durchgeführt. Davon erwiesen sich 3,8 Prozent als positiv auf das SARS-CoV-2-Virus.

Dass die Testkapazität derzeit nicht ausgenutzt werde, hat laut RKI-Vize auch mit den sin­kenden Fallzahlen zu tun. Wichtig sei eine großzügige Testung nicht nur von Menschen, die Kontakt zu Risikogruppen oder einem Infizierten hatten, sondern auch von Personen, die die üblichen Symptome einer Atemwegserkrankung zeigen.

„Aus meiner Sicht ist es aber nicht schlecht, wenn man eine Reserve hat. Denn wir müss­en damit rechnen, dass die Fallzahlen auch wieder steigen", erklärte der RKI-Vizepräsi­dent: „Wir haben es in der Hand, und ich bin optimistisch, dass es gelingen kann“, sagte Schaade mit Blick auf die Eindämmung einer möglichen zweiten Infektionswelle. © zyl/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #728022
DagmarC.
am Samstag, 9. Mai 2020, 11:12

Gesegnet sei der gesunde Menschenverstand

Wie gelangen Covid19 Spuren auf die Testsets?
https://www.n-tv.de/der_tag/Papaya-positiv-auf-Corona-getestet-Tansania-kritisiert-WHO-article21766364.html
LNS

Nachrichten zum Thema

27. Mai 2020
Berlin − Die Bundesregierung will die Öffnung von Kitas einem Medienbericht zufolge mit einer großangelegten Studie zu deren Rolle im Coronapandemiegeschehen begleiten. Die in enger Abstimmung
Studie zur Rolle von Kitas im Pandemiegeschehen geplant
27. Mai 2020
Berlin − Bund und Länder haben sich gestern Abend grundsätzlich darauf verständigt, dass die Kontaktbeschränkungen – also die Vorgaben, wie viele Menschen sich wo treffen dürfen – in der
Bund und Länder verlängern Kontaktbeschränkungen bis Jahresmitte
27. Mai 2020
Berlin − Die lokalen Behörden haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) 362 Neuinfektionen von SARS-CoV-2 binnen eines Tages gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Krise mehr als 179.300 Menschen
362 Neuinfektionen in Deutschland gemeldet
27. Mai 2020
Berlin − Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat Menschen mit Beschwerden aufgefordert, sich trotz der Coronakrise behandeln zu lassen. Er könne „alle Kranken, chronisch wie akut Kranke,
Spahn: Wer krank ist, soll zum Arzt gehen
27. Mai 2020
Berlin – Die geplante Corona-Warn-App wäre nach Einschätzung der Bundesregierung auch bei vergleichsweise wenig Nutzern sinnvoll. „Je mehr Menschen mitmachen, desto nützlicher wird sie sein“, sagte
Corona-Warn-App soll auch bei wenig Teilnehmern nützen
27. Mai 2020
Berlin − Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr soll die Bewältigung der Coronakrise sein. Das teilte Regierungssprecher Steffen Seibert heute in Berlin mit. Zuvor
EU-Ratspräsidentschaft mit Fokus auf Coronakrise
27. Mai 2020
Magdeburg − Sachsen-Anhalt will künftig mit einem Ampelsystem und strategischen Tests das Coronainfektionsgeschehen überwachen. Das kündigte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Petra Grimm-Benne (SPD) gestern
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER