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Politik

Pflegebevoll­mächtigter mahnt zu Besonnenheit bei Heimbesuchen

Donnerstag, 7. Mai 2020

/picture alliance, Matthias Balk

Berlin – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, hat die geplante bundesweite Lockerung von Besuchsbeschränkungen in Pflegeheimen begrüßt. Mit Blick auf den Muttertag an diesem Sonntag mahnte er zugleich zu Besonnenheit.

Die Bewohner benötigten weiter besonderen Schutz, sagte der Staatssekretär im Gesund­heitsministerium heute in Berlin. „Besuche können in dieser Situation nicht so flexibel stattfinden, wie dies vor der Pandemie der Fall war.“ Westerfellhaus empfahl Angehöri­gen, sich vorab zu erkundigen, wann Besuche möglich sind und welche Maßgaben gelten.

Angesichts insgesamt niedriger Coronainfektionszahlen hatten Bund und Länder gestern begrenzte Lockerungen beschlossen. Künftig soll gelten, dass jeder Bewohner im Pflege­heim Besuch durch eine bestimmte Person bekommen darf. Voraussetzung ist, dass es in dem Heim kein „Infektionsgeschehen“ gibt. Als Pflegebevollmächtigter ist Westerfellhaus für die Belange von Pflegebedürftigen zuständig.

Damit werde Bewohnern ein großes Stück Lebensqualität und Zuversicht zurückgeben, sagte er. „Viele der Bewohner, aber auch ihre Angehörigen haben sehr unter den Kontakt­beschränkungen der vergangenen Wochen gelitten.“ Hintergrund besonderer Schutzvor­kehrungen ist, dass die meist älteren und chronisch kranken Bewohner etwa in Pflege­heimen zur Risikogruppe für schwere Verläufe der COVID-19-Erkrankung gehören.

Die genauen Besuchsregeln müssen nun die Länder bestimmen. Das steht in Teilen noch aus. Der Landeschef der Arbeiterwohlfahrt (AWO) wünscht sich etwa vom bayerischen Gesund­heits­ministerium klarere Vorgaben, was die Lockerungen des Besuchsverbots in bayeri­schen Pflege- und Seniorenheimen betrifft.

Bisher lägen vom Gesundheitsministerium von Ministerin Melanie Huml (CSU) keine De­tails zu den von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) genannten Auflagen vor, sagte Thomas Beyer der Augsburger Allgemeinen von heute. „Wir erwarten vom Hause Huml konkrete Hinweise zur Umsetzung, die bisher fehlen, um Infektionsrisiken zu verhindern“, sagte er.

Bayern lockert zum Wochenende das strikte coronabedingte Besuchsverbot in Kranken­häusern und Pflegeeinrichtungen. Dann sind wieder Besuche von einer festen Kontakt­person erlaubt − unter strikten Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

Der AWO-Landeschef kritisierte die Wahl des Zeitpunkts, angesichts des erwarteten Be­sucheransturms am Muttertag. „Wir begrüßen es, dass die Isolation für die Bewohner be­endet werden kann, sind aber über die kurzfristige und vom Ministerium in keiner Weise angedeutete Öffnung zu diesem Zeitpunkt irritiert“, sagte er der Zeitung.

Heime befürchten herzzerreißende Szenen

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen befürchtet, dass viele Pflegehei­me Probleme bekommen. „Viele Heime können in der Kürze der Zeit gar keine entspre­chenden Hygienekonzepte umsetzen“, sagte Christian Woltering, Geschäftsführer beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Nordrhein-Westfalen.

„Wir fürchten, dass es am Sonntag zu herzzerreißenden Szenen kommt, wenn Angehörige wieder wegfahren müssen ohne die Bewohner gesehen zu haben.“ Den Unmut und die Enttäuschung darüber oder über lange Wartezeiten müssten dann Pflegeheime auffan­gen, in denen die Personalsituation in der Coronakrise ohnehin extrem angespannt sei.

Mit seiner Ankündigung, das coronabedingte Besuchsverbot pünktlich zum Muttertag am kommenden Sonntag aufzuheben, habe Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann den Ein­druck erweckt, man kehre zu einer Normalität wie vor dem Ausbruch der Pandemie zurück. „Damit hat der Minister Hoffnungen geweckt, die vielerorts nicht umsetzbar sind“, sagte Woltering. „Wir sind absolut dafür, diese furchtbare Situation der Isolation schritt­weise aufzuheben“, stellte er klar.

Viele Häuser seien längst kreativ geworden, hätten Besuchsfenster oder andere Lösungen des berührungslosen Wiedersehens geschaffen. „Die Pläne des Ministers gehen nun weit darüber hinaus“, sagte er.

Bettlägerige Personen sollen zum Beispiel auch im Zimmer besucht werden können. „Die Besucher brauchen dann einen Vollschutz und müssen unter Umständen durch das ganze Haus laufen“. Das sei für viele Heime nicht leicht machbar. Die Landesregierung habe ohne Abstimmung mit den Einrichtungen und übereilt entschieden, kritisierte der Wohl­fahrtsverband. © dpa/aerzteblatt.de

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