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Medizin

COVID-19: Antikoagulanzien könnten laut Studie die Überlebenschancen verbessern

Freitag, 8. Mai 2020

/Anatomy Insider, stockadobecom

New York – Patienten mit COVID-19, die mit Antikoagulanzien behandelt werden, haben möglicherweise bessere Überlebenschancen. Dies gilt nach einer Studie im Journal of the American College of Cardiology (2020; DOI: 10.1016/j.jacc.2020.05.001) insbesondere für maschinell beatmete Patienten.

Viele Patienten, die an COVID-19 leiden, sterben nicht an den Folgen der Pneumonie. In einer ersten Autopsie-Serie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, die dieser Tage in den Annals of Internal Medicine (2020; DOI: 10.7326/M20-2003) veröffentlicht wurde, fanden die Pathologen bei 7 von 12 Patienten Thrombosen, die vor dem Tod nicht erkannt worden waren. Eine Lungenembolie war bei 4 Patienten die direkte Todesursache.

Einige US-Fachgesellschaften haben die Ärzte im Journal of the American College of Cardiology (2020; DOI: 10.1016/j.jacc.2020.04.031) kürzlich aufgefordert, bei Patienten mit COVID-19 auf mögliche Thromboembolien zu achten und gegebenenfalls eine Behandlung mit Antikoagulanzien einzuleiten. An der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York erhalten nach einer Auswertung 786 von 2.773 Patienten mit COVID-19 (28 Prozent) eine antikoagulatorische Behandlung. Die Sterberate dieser Patienten in der Klinik war mit 22,5 Prozent etwas niedriger als bei den Patienten, die nicht antikoaguliert wurden (22,8 Prozent).

Eine Antikoagulation wurde vor allem bei Patienten erforderlich, die maschinell beatmet wurden (29,8 Prozent gegenüber 8,1 Prozent bei den nicht maschinell beatmeten Patienten). Bei diesen maschinell beatmeten Patienten war die Antikoagulation mit einem deutlichen Rückgang der Mortalität auf 29,1 Prozent gegenüber 62,7 Prozent bei den maschinell beatmeten Patienten ohne Antikoagulation verbunden. Eine längere Dauer der Antikoagulation war mit einem verringerten Mortalitätsrisiko assoziiert.

Valentin Fuster von der Mount Sinai School of Medicine und Mitarbeiter ermitteln für jeden zusätzlichen Tag der Antikoagulation eine adjustierte Hazard Ratio von 0,86, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,82 bis 0,89 signifikant war.

Da es sich um eine retrospektive Auswertung von Patientendaten handelt, ist die Aussage­kraft der Studie begrenzt. Weil es jedoch bisher keine Daten aus randomisierten Studien gibt, bilden sie derzeit eine relevante Entscheidungsgrundlage. Zu bedenken ist, dass die Antikoagulation auch bei Patienten mit COVID-19 das Blutungsrisiko erhöht. Blutungs­ereignisse wurden bei 24 Patienten (3 Prozent) beobachtet, die eine Antikoagulation erhielten, gegenüber 38 Patienten (1,9 Prozent) ohne Antikoagulation. Die Blutungs­ereignisse traten häufiger bei intubierten Patienten (7,5 Prozent) als bei nicht intubierten Patienten (1,35 Prozent) auf. © rme/aerzteblatt.de

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