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Medizin

COVID-19: Rheumamittel Anakinra erzielt in Beobachtungsstudie klinische Verbesserungen

Freitag, 8. Mai 2020

Zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis sind in Europa bereits einige Biologika zugelassen, dazu zählen Abatacept, Adalimumab, Anakinra, Certolizumab Pegol, Etanercept, Golimumab, Infliximab, Rituximab und Tocilizumab. /Kateryna_Kon, AdobeStock.com

Mailand – Eine hoch-dosierte intravenöse Behandlung mit dem Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten Anakinra hat in einer Behandlungsserie in Lancet Rheumatology (2020; DOI: 10.1016/ S2665-9913(20)30127-2) einen „Zytokinsturm“ bei Patienten mit COVID-19 deutlich abgeschwächt. Ob dies für die besseren Behandlungsergebnisse verantwortlich ist, soll jetzt in einer randomisierten Studie untersucht werden.

Bei einigen Patienten mit COVID-19 kommt es zu einem starken Anstieg der Entzündungs­parameter. Das C-reaktive Protein kann auf über 100 mg/l (Normalwert unter 6 mg/l) und das Ferritin auf über 900 ng/ml (Normalwert 30 bis 400 ng/ml) ansteigen. Von anderen Erkrankungen ist bekannt, dass ein solcher „Zytokinsturm“ (Cytokine-release syndrome, CRS) für die Patienten lebensgefährlich ist.

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Bei der CAR-T-Zelltherapie hat sich eine Behandlung mit dem Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten Anakinra bewährt. Mediziner an der Klinik San Raffaele in Mailand haben die Behandlung jetzt an Patienten mit COVID-19 erprobt, bei denen ein CRS diagnostiziert wurde. Die ersten sieben Patienten erhielten subkutan zweimal täglich 100 mg Anakinra. Nachdem der Zytokinsturm nicht ausreichend abgeschwächt werden konnte und ein günstiger Einfluss auf den klinischen Verlauf nicht erkennbar war, wurden die nächsten 29 Patienten zweimal täglich intravenös mit einer Dosis von jeweils 5 mg/kg Körpergewicht behandelt.

Wie der Rheumatologe Giulio Cavalli und Mitarbeiter berichten, kam es bei 21 der 29 Patienten (72 Prozent) innerhalb weniger Tage zu einem deutlichen Rückgang des C-reaktiven Proteins und zu einer fortschreitenden Verbesserung der Atemfunktion. Fünf Patienten (17 Prozent) mussten mechanisch beatmet werden und nur drei Patienten (10 Prozent) starben. Die Todesursachen waren Lungenembolie, Ateminsuffizienz und Multiorganversagen.

In einer Vergleichsgruppe von früheren COVID-19-Patienten, die noch nicht mit Anakinra behandelt wurden, kam es nur bei acht von 16 Patienten (50 Prozent) innerhalb von 21 Tagen zu einer Verbesserung der Atemfunktion. Hier musste ein Patient (6 Prozent) mechanisch beatmet werden und sieben Patienten (44 Prozent) starben. Die Todesursachen waren Ateminsuffizienz (3 Patienten), Multiorganversagen (3 Patienten) und Lungenembolie (1 Patient).

Der Unterschied in der Überlebensrate von 90 Prozent in der Anakinra-Gruppe gegenüber 56 Prozent unter der Standardbehandlung war mit einer Hazard Ratio von 0,20 und einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,04 bis 0,63 statistisch signifikant. Die Studie deutet laut Cavalli erstmals darauf hin, dass eine hohe Dosis des Arthritis-Medikaments möglicherweise die durch COVID-19 verursachte Überreaktion des Immunsystems blockieren kann.

Die Beweiskraft der Studie ist allerdings gering, da sie keine randomisierte Vergleichs­gruppe hatte. Es bleibt deshalb abzuwarten, was weitere Studien ergeben werden. Die Behandlung mit Anakinra ist derzeit Gegenstand einer randomisierten klinischen Studie an vier Zentren in Italien. Die Anakinra-Dosis ist allerdings mit 400 mg/die nur etwa halb so hoch wie an der Klinik San Raffaele. Die Studie untersucht auch die Wirksamkeit von Emapalumab, einem Anti-Interferon-Gamma-Antikörper. Ergebnisse der Studie sollen im September vorliegen.

Cavalli hält die Behandlung auch in der hohen Dosis für sicher. Allerdings brachen sieben Patienten (24 Prozent) die Behandlung vorzeitig ab. Bei vier Patienten war es zu einer Bakteriämie mit Isolierung von Staphylococcus epidermidis gekommen. © rme/aerzteblatt.de

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