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Medizin

Impfstoff gegen Coxsackie-Viren soll vor Typ-1-Diabetes schützen

Montag, 11. Mai 2020

/weyo, stock.adobe.com

Stockholm − Der erste Impfstoff, der eine Immunantwort gegen alle 6 Serotypen des Coxsackie-Virus B erzeugt, hat in einer tierexperimentellen Studie in Science Advances (2020; 6: eaaz0295) die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes verhindert.

Das Coxsackie-Virus B (CVB), das als Enterovirus im Darm beheimatet ist, kann bei einer invasiven Infektion verschiedene Organe schädigen. Gefürchtet wird vor allem eine Myokarditis, die CVB in den USA zur häufigsten Ursache für Herztransplantationen bei Kindern macht. Das Virus kann auch das Pankreas infizieren und dort die Beta-Zellen zerstören. CVB steht im Verdacht, eine Ursache des Typ-1-Diabetes zu sein, dessen Prävalenz vor allem in den nordischen Ländern unaufhaltsam anzusteigen scheint.

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Schwedische und finnische Forscher haben einen Impfstoff gegen CVB entwickelt. Es ist nicht der erste Impfstoff, aber der erste, der alle 6 Serotypen des Virus abdeckt. Die Impfviren wurden wie die Viren des neuen Polioimpfstoffs in Kulturen aus Vero-Zellen vermehrt und dann mit Formalin abgetötet.

Die ersten Tests wurden an gesunden Mäusen durchgeführt, wo der neue Impfstoff sich als sicher und immunogen erwiesen hat. Wie das Team um Malin Flodström-Tullberg vom Karolinska-Institut in Stockholm berichtet, wurden Antikörper gegen alle 6 CVB-Serotypen induziert. Auch den Test an Rhesus-Affen bestand die Vakzine.

Neutralisierende Antikörper wurden auch ohne ein Adjuvans erzielt, was die Sicherheit des Impfstoffs erhöhen könnte, weil Adjuvantien häufig für Impfreaktionen verantwortlich sind.

Im nächsten Schritt wurde überprüft, ob der Impfstoff Mäuse vor einer Myokarditis schützen kann, die durch die Virusvariante CVB3 erzeugt wurde. Während es bei allen umgeimpften Tieren zu einem starken Gewichtsverlust kam, was ein Hinweis auf eine Herzschwäche infolge der Myokarditis ist, blieben die geimpften Tiere gesund.

Das eigentliche Ziel der Forscher war jedoch, Mäuse vor einem Typ-1-Diabetes zu schützen. Als Modell diente der Stamm „SOCS-1-tg“, dem das Gen für das Protein „cytokine signaling-1“ fehlt, das Zellen für eine Abwehr von Viren mit Interferon benötigen. Auch in diesem Experiment erkrankten alle Tiere, die mit aggressiven CVB-Stämmen infiziert wurden, während alle geimpften Tiere gesund blieben.

Die Forscher sind aufgrund der Ergebnisse optimistisch, dass ihr Impfstoff Kinder vor einem Typ-1-Diabetes (und nebenbei auch vor einer Kardiomyopathie) infolge einer CVB-Infektion schützen kann. Da die präklinischen Studien abgeschlossen sind, könnte mit klinischen Tests begonnen werden.

Als erste Kandidaten kommen Kinder infrage, die aufgrund einer familiären Prädisposition ein erhöhtes Risiko auf einen Typ-1-Diabetes haben. Sollte die Impfung die Häufigkeit von Neuerkrankungen senken, würde dies auch die Virusgenese des Typ-1-Diabetes belegen. Die meisten Experten gehen allerdings davon aus, dass die Viren nur eine von verschiedenen Ursachen des Typ-1-Diabetes sind. © rme/aerzteblatt.de

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