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Medizin

Recycelte Herzschrittmacher und ICD mit niedrigem Infektionsrisiko

Freitag, 29. Mai 2020

/Swapan, adobe.stock.com

Montreal − Seit 1983 bereitet das Montreal Heart Institute Herzschrittmacher und später auch implantierbare Kardioverter/Defibrillatoren (ICD) von Verstorbenen auf, die dann in ärmeren Staaten Lateinamerikas wieder verwendet werden. Eine Studie im New England Journal of Medicine (2020; 382: 1823-1831) zeigt, dass das Infektionsrisiko für die Zweitnutzer gering und gegenüber einheimischen Patienten mit neuen Geräten allenfalls minimal erhöht ist.

Die meisten Herzschrittmacher und ICD von Verstorbenen sind technisch noch intakt und könnten im Prinzip nach einer Überprüfung und Sterilisierung wieder verwendet werden. In den reicheren Ländern in Nordamerika und Europa ist dies verboten, doch viele Kliniken in ärmeren Ländern sind dankbar, wenn sie die gebrauchten Geräte implantieren dürfen.

Bei Preisen von 2.500 bis 8.000 US-Dollar für einen Herzschrittmacher und 10.000 bis 18.000 US-Dollar für einen ICD besteht die Alternative zu einem Second-Hand-Gerät in ärmeren Ländern darin, dass die Patienten keinen Herzschrittmacher oder ICD erhalten.

Das Montreal Heart Institute hat deshalb 1983 eine Übereinkunft mit 28 Begräbnisinstituten und Krematorien der Provinz Quebec getroffen. Wenn die Verstorbenen vor dem Tod oder die engsten Angehörigen nach dem Tod zustimmen, werden die Geräte vor der Beerdigung/Feuerbestattung aus dem Körper entfernt und zur Prüfung nach Montreal geschickt.

Wie ein Team um Paul Khairy vom Montreal Heart Institute berichtet, wurden bisher 13.984 Herzschrittmacher und ICD überprüft. Bei 1.748 Geräten (12,5 %) gaben die Experten grünes Licht für eine Weiterverwendung. Die Geräte wurden nach Kuba, Mexiko, in die Dominikanische Republik, nach Guatemala und Honduras geschickt und nach prophylaktischer Antibiotika-Gabe implantiert.

Seit 2003 gibt es ein Programm, in dem die Empfänger in den ersten 2 Jahren nach­beobachtet werden. Von den 1.051 Patienten, deren Daten Khairy auswerten konnte, erlitten 21 (2,0 %) eine Infektion, die im Mittel 66 Tage nach der Implantation auftrat. Gezählt wurden Hauterosionen über dem Implantationsort, Tascheninfektionen am Implan­tationsort, Infektionen der Elektroden und im schlimmsten Fall eine Endokarditis.

Diese Komplikationen können auch nach der Implantation eines Neugeräts auftreten. Khairy hat deshalb den Patienten mit gebrauchten Geräten eine Kontrollgruppe von 3.153 Patienten gegenübergestellt, die in Kanada ein Neugerät erhalten haben. Die Patienten hatten das gleiche Alter und Geschlecht, die Implantation erfolgte im selben Jahr und die Zahl der Elektroden war gleich.

Wie Khairy berichtet, kam es in der Kontrollgruppe bei 38 Patienten (1,2 %) zu einer Infektion. Der Kardiologe errechnet eine Hazard Ratio von 1,66, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,97 bis 2,83 nicht signifikant war. Streng genommen waren die Infektionen in den mittelamerikanischen Staaten nicht häufiger als in Kanada.

Das obere Ende des 95-%-Konfidenzintervalls schließt jedoch nicht aus, dass die Rate bis zu 2,83-fach höher lag (wobei nicht sicher ist, dass die Infektionen auf das Gerät zurückzuführen waren. Es könnten auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben).
Es gab jedoch keine Todesfälle, so dass selbst bei einem um etwa 1 % höheren absoluten Risiko die meisten Patienten in den lateinamerikanischen Ländern sich für ein Gebrauchtgerät entscheiden dürften. © rme/aerzteblatt.de

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