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Ausland

China will internationale Untersuchung zu globalem Coronaausbruch unterstützen

Samstag, 9. Mai 2020

/picture alliance / Wolfram Steinberg

Peking – China will nach eigenen Angaben eine von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) geleitete Untersuchung der globalen Reaktion auf die Coronaviruspandemie unterstützen. Die Untersuchung solle in einer "offenen, transparenten und umfassenden Weise" geschehen, nachdem das Virus besiegt sei, sagte eine Sprecherin des Außen­ministeriums in Peking am Freitag.

Zuletzt war der internationale Druck auf Peking gestiegen, eine internationale Unter­suchung zur Herkunft des neuartigen Coronavirus in China zuzulassen. China unterstütze die Schaffung eines WHO-Komitees zur Untersuchung der weltweit verhängten Maßnahmen im Kampf gegen das Virus, betonte die Sprecherin Hua Chunying. Die Leitung des Gremiums solle WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus übernehmen. Die Untersuchung solle aber erst "zu einem angemessenen Zeitpunkt" erfolgen, "wenn die Pandemie vorbei ist".

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China betonte zugleich, dass jegliche Untersuchung auf internationalen Gesundheits­richtlinien basieren und von der Weltgesundheitsversammlung oder dem Exekutivrat - den beiden Hauptorganen der WHO - genehmigt werden müsse. Hua sagte nicht, dass die Untersuchung die Herkunft des Virus erforschen solle.

Internationale Untersuchung des Coronaausbruchs gefordert

China war zuletzt in der Frage nach dem Ursprung des Erregers Sars-Cov-2 zunehmend unter Druck geraten. Mehrere Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Großbritannien, forderten Peking zu mehr Transparenz bezüglich der Herkunft des Erregers auf. Die USA und Australien forderten eine internationale Untersuchung zum Ursprung der Pandemie.
Die USA werfen China Vertuschung vor. US-Außenminister Mike Pompeo sagte, es gebe "überwältigende Beweise" dafür, dass das Virus aus einem Forschungslabor in Wuhan stamme. China weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Auch die WHO bezeichnete die Vorwürfe der USA als "spekulativ". Die Organisation wartet derzeit auf eine Einladung Chinas, um ein Expertenteam nach Wuhan entsenden zu können, das den Ursprung des Virus untersuchen soll.

Der chinesische UN-Botschafter in Genf, Chen Xu, hatte jedoch zuletzt gesagt, dass eine solche Einladung erst erfolgen könne, wenn das Virus "endgültig besiegt" sei. Nach den Worten des chinesischen Botschafters in Berlin, Wu Ken, stellt sich China nicht gegen eine unabhängige Untersuchung zur Herkunft des Virus.

"Was internationale Untersuchungen angeht, sind wir offen", sagte Wu dem Magazin "Spiegel". Derzeit arbeiteten chinesische und US-Wissenschaftler gemeinsam an Forschungsprojekten zur Rückverfolgung des Virus. "Aber wir lehnen es ab, wenn China ohne Beweis auf die Anklagebank gesetzt, schon im Voraus seine Schuld unterstellt und dann durch sogenannte internationale Untersuchungen nach Beweisen gesucht wird", betonte Wu.

Bundesregierung zweifelt an Labortheorie

Der Botschafter verwahrte sich gegen Vertuschungsvorwürfe. China sei als erstes Land "mit dem unbekannten Coronavirus konfrontiert" gewesen und habe "nichts vertuscht, sondern schnell und transparent reagiert". Allerdings habe "diese beispiellose Epidemie" auch eigene Unzulänglichkeiten aufgezeigt.

Die Bundesregierung zweifelt laut Spiegel an der US-Behauptung, das Virus sei in einem chinesischen Labor entstanden. Demnach fragte der Bundesnachrichtendienst (BND) bei allen Partnern des Geheimdienstnetzwerks "Five Eyes", dem neben den USA auch Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland angehören, nach Beweisen für die von der US-Regierung verbreitete Laborthese. Keiner der Geheimdienste wollte die These demnach bestätigen. Ein Regierungssprecher wollte dazu auf AFP-Anfrage keine Stellung nehmen.

Nach Recherchen des NDR gibt es ein entsprechendes vermeintliches Geheimdienstdossier, über das die australische Zeitung Daily Telegraph zunächst berichtet hatte, womöglich so nicht. Laut "Spiegel" werden die US-Behauptungen in einem internen Vermerk für Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) als kalkuliertes Ablenkungsmanöver "von eigenen Fehlern" eingeordnet. Ein Ministeriumssprecher konnte einen derartigen Vermerk auf Anfrage nicht bestätigen.

Dem Spiegel-Bericht zufolge soll der BND aber Erkenntnisse dazu haben, dass China die WHO nach dem Ausbruch dazu drängte, eine weltweite Warnung zu verzögern. Am 21. Januar habe Chinas Staatschef Xi Jinping WHO-Chef Tedros in einem Telefonat gebeten, Informationen über eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung zurückzuhalten und so eine Pandemiewarnung zu verschleppen. Nach Einschätzung des BND seien durch die Informationspolitik Chinas weltweit vier bis sechs Wochen für die Virus-Bekämpfung verloren gegangen. © afp/aerzteblatt.de

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