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Politik

Tausende bei Demos gegen Coronaregeln

Sonntag, 10. Mai 2020

Coronaproteste am 9. Mai in Stuttgart /picture alliance, NurPhoto

Berlin – Der Protest gegen die Beschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens im Zuge der Coronakrise nimmt trotz zahlreicher Lockerungen der Vorschriften stetig zu. Er hat sich inzwischen auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Vorgestern demonstrierten in Berlin, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart, aber auch in kleineren Städten Tausende Menschen – oft unter Missachtung des Verbots großer Ver­sammlungen und der Abstandsregeln. Die Polizei schritt trotz der Verstöße nicht immer ein. In Berlin nahm sie wegen des Nichteinhaltens der Regeln zur Eindämmung des Virus' mehr als 100 Menschen vorübergehend fest.

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Zu den Demonstrationen kamen Verschwörungstheoretiker ebenso wie Impfgegner, Rechtspopulisten und politisch schwer einzuordnende Menschen. Sie protestierten gegen die aus ihrer Sicht übertriebenen Einschränkungen und Grundrechtseingriffe sowie gegen eine angebliche drohende Impfpflicht gegen das Coronavirus.

Auf Transparenten waren Slogans wie „Erhebt Euch“, „Panik-Politik stoppen“, „Wir wollen unser Leben zurück“ oder „Stoppt die Gesundheitsfaschisten“ zu lesen, Demonstranten riefen Parolen wie „Legt den Maulkorb ab“ und „Widerstand“.

Für Empörung und Kritik auch aus den eigenen Reihen sorgte die Teilnahme des kurzzei­ti­gen Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich an einem Protest in Gera. Der FDP-Politiker schrieb auf Twitter, er habe an einer Veranstaltung für „Verhältnismäßigkeit und einen Coronaexit mit Maß und Mitte“ teilgenommen.

Ministerpräsident Bodo Ramelow reagierte ebenfalls auf Twitter auf ein Bild, das den FDP-Politiker ohne Mund-Nase-Schutz und ohne Abstand in einer Menschenmenge zeigt: „Abstand halten oder Mund/Nasenschutz/Bedeckung? - Fehlanzeige! Vorbildfunktion? – Fehlanzeige!“

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner äußerte deutliche Kritik an seinem Parteifreund: „Wer sich für Bürgerrechte und eine intelligente Öffnungsstrategie einsetzt, der demons­triert nicht mit obskuren Kreisen und der verzichtet nicht auf Abstand und Schutz.“ Kem­merichs Aktion schwäche die Argumente der FDP. „Ich habe dafür kein Verständnis.“ Heu­te räumte Kemmerich daraufhin Fehler ein.

Von fast allen Protestveranstaltungen berichtete die Polizei, dass die Teilnehmer den Ab­stand von 1,5 bis 2 Meter nicht eingehalten hätten. Etwa in München, wo sich auf dem Marienplatz rund 3.000 Menschen versammelten – angemeldet waren laut Polizei 80 Teil­nehmer. Aus „Gründen der Verhältnismäßigkeit“ habe man die Demonstration laufen lassen. Alle hätten sich friedlich verhalten.

Kritik an Demonstranten

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kritisierte heute die Demonstranten scharf. „Grund­sätzlich habe ich Verständnis dafür, dass die Menschen sich durch die getroffenen Maß­nah­men in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen und baldmöglichst wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren möchten“, sagte er.

„Gar kein Verständnis habe ich für Aktionen oder Demonstrationen, die durch fehlende Distanz und Mund/Nasenschutz jede positive Entwicklung des Infektionsgeschehens kon­terkarieren und weitere Lockerungen eher gefährden als ermöglichen.“ Reiter bezeichnete es auch als „absolut unerträglich“, dass politisch extrem rechte Gruppierungen versuch­ten, die Stimmung zu nutzen, um demokratiefeindliche Hetze zu verbreiten.

Auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart versammelten sich nach Angaben der Polizei am Samstag rund 5.000 Menschen. Größere Probleme habe es nicht gegeben. Die Vorgaben etwa zum Abstand seien meist eingehalten worden, die Veranstaltung sei friedlich ge­blie­ben.

Dagegen sprach die Polizei in Berlin bei einer Demonstration auf dem Alexanderplatz von „teils großer Aggressivität“. Dort hätten sich etwa 1.200 Menschen versammelt. Es habe Angriffe auf Polizeibeamte gegeben, Flaschen seien geflogen, die Abstandsregeln oft nicht eingehalten worden. Die Beamten reagierten unter anderem mit dem Einsatz von Pfefferspray. 86 Menschen wurden festgenommen. Auch bei einer Demonstration am Reichstag wurden wegen des Nichteinhaltens der Regeln 45 Menschen vorübergehend festgenommen.

Gegen diese seit Wochen zunehmenden Demonstrationen regt sich inzwischen aber auch Protest. So zählte die Polizei in Hannover auf dem Opernplatz rund 800 Demonstranten – dazu gab es eine Gegendemo mit etwa 900 Teilnehmern. In Bremen wollten nach Polizei­angaben Gegner der Coronamaßnahmen einen Konvoi mit 45 Autos abhalten. Das wurde aber von rund 200 Gegendemonstranten auf Fahrrädern verhindert.

„Die Pandemie wird zum Anlass genommen, um die Bundesregierung in hetzerischer Art zu kritisieren, zum Teil antisemitische Verschwörungstheorien zu verbreiten und Migran­ten als Überträger des Virus zu stigmatisieren“, erklärte eine Sprecherin des Innenminis­te­riums in Mecklenburg-Vorpommern. Sogenannte Reichsbürger und Selbstverwalter, die die Existenz der Bundesrepublik nicht anerkennen, stellten die Pandemie als eine gesteu­erten Aktion durch globale Eliten und Großkonzerne dar.

„Beunruhigend ist das Zeichnen von Untergangsszenarien, die mit Vorstellungen eines radikalen Wandels von Staat und Gesellschaft im Sinne der eigenen Ideologie verbunden werden“, erklärte das Innenministerium. Die rechtsextremistische Szene glaube, dass ihre im Internet verbreiteten Positionen bei einer verunsicherten Bevölkerung auf Zustim­mung stießen. Szenemitglieder beteiligten sich darum auch an Protesten gegen Maßnah­men zur Eindämmung des Virus.

Die Bundesbürger sind in Sachen Coronakrise gespalten. Ein am Freitag veröffentlichtes ZDF-„Politbarometer Extra“ zur Coronakrise ergab, dass 47 Prozent der Befragten die Öffnungsschritte „gerade richtig“ finden. Elf Prozent meinten, diese wären „besser schon früher“ gekommen. Mit 38 Prozent hält mehr als ein Drittel die Lockerungen allerdings auch für verfrüht. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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Avatar #105844
azblator
am Freitag, 15. Mai 2020, 16:36

Hier wurde GEZ-Dreck unreflektiert durchgereicht

Da ich in Stuttgart zweimal auf der Demo war kann ich die herabwürdigende und paranoid-propagandistische Berichterstattung der Tagesschau (O-Ton: "Teilnehmer waren Impfgegner und PEDIGA-Anhänger") nur aufs allerschärfste zurückweisen. Mittlerweile hat die Tagesschau ihre Berichterstattung und Interviews (2 Min 30 sec) vom 09.05.20 in der ARD-Mediathek sogar herausgeschnitten! (Um eine Kritik daran zu unterbinden oder weil die Redakteure ihren Fehler einsehen?)

Ich habe für die Einhaltung UNSER ALLER Grundrechte (u.a. Körperliche Unversehrtheit, Versammlungsfreiheit, Bewegungsfreiheit, Berufsfreiheit) mitdemonstriert, da ich diese durch das Handeln der Regierung gefährdet sehe. Nicht nur jetzt während der Corona-Welle sondern auch danach, wenn es vom Immunstatus (geimpft oder durchgemacht) abhängen könnte, ob wir reisen oder einen Beruf ausüben dürfen. Dazu kommt dann die Gefahr des Verlustes über die eigene Datenhoheit, wenn von Corona-Apps und Tracking fabuliert wird.

SARS-CoViD19 hat gewiss seine Gefährlichkeit. Aber die Datengrundlage und deren Interpretation durch die oft verwendeten Experten (Prof'es Wieler und Drosten) und die daraus abgeleiteten Handlungen der Regierung zweifele ich an. Und wenn die Johns-Hopkins-Universität und die WHO wirklich so stark von der Gates-Stiftung gesponsert werden ist mein Vertrauen in diese Institutionen mehr als erschüttert. Deshalb erachte ich die Corona-Einschränkungen der Regierung für Menschen und Wirtschaft als falsch. Die Bundesbürger sollten sich schützen dürfen, niemand sollte gezwungen werden, unter Menschen zu gehen und es sollte an ein gesundes Hygieneverhalten appelliert werden. In der Grippe-Saison 2017 wurde die Republik auch nicht geschlossen. Und wenn laut Kanzlerin "jedes Menschenleben zählt": wie sieht es denn mit den Verkehrstoten und den Zigarettentoten aus? Wo bleibt Tempo 130, wo weitere Restriktionen für die Tabakindustrie?

Das Geld, das jetzt verbrannt wird, wäre besser im Katastrophenschutz und in der Pandemie-Prävention (die Bundesregierung wäre durch ein Szenario-Papier des RKI aus den frühen 2010ern gewarnt gewesen) angelegt gewesen.
Avatar #767798
Cryonix
am Montag, 11. Mai 2020, 19:11

Wenn Sie sich die lohnenden Minuten Zeit nehmen

finden Sie hier eine mögliche Antwort:
Elitendemokratie und Meinungsmanagement | Rainer Mausfeld | SWR Tele-Akademie
DUR: ~ 43Min
https://www.youtube.com/watch?v=ZNzvIY-BrVk
Avatar #760232
penangexpag
am Montag, 11. Mai 2020, 19:06

die Frage ist...

Meiner Ansicht nach ist der Beitrag von [Staphylococcus rex
am Montag, 11. Mai 2020, 11:47] eine treffende Synopsis der Lage. Ich möchte folgende Frage an die Seite stellen :
"wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein demokratisches Ensemble von Bürgern die besseren Entscheidungen trifft im Vergleich zu einem Ensemble von Fachleuten?"
Avatar #828493
Dimokratia
am Montag, 11. Mai 2020, 14:58

Verdrehte Welt

In einer verdrehten Welt habe ich mich auch den Verschwörungstheoretikern angeschlossen. Ich empfehle Ihnen, bei solchen Artikeln vor Ort zu recherchieren und nicht einfach die Spiegel-Artikel abzuschreiben!
Ich kann bezeugen, dass Polizisten, in eine friedlich abgelaufenen Demo, einzelne Menschen, die keinen Mundschutz trugen (im Freien mit 1,5m Abstand) drauf angesprochen haben, während Ihre Kollegen ohne Mundschutz und ohne die nötige Distanz einhaltend, sich am Rande unterhielten. Leider kann ich die aufgenommenen Fotos hier nicht hochladen.
Ihr Artikel ist, was Sachlichkeit betrifft, miserabel!
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 11. Mai 2020, 11:47

Selbstbetrug als Massenphänomen

Ereignisse wie die aktuelle Covid-19 Epidemie sind selten. Einerseits ist dies gut, derartige führen zu einschneidenden Veränderungen in unserem Alltagsleben, andererseits ist dies schlecht, weil viele Menschen nie gelernt haben mit einem derartigen Ereignis umzugehen.

In derartigen Zeiten wünschen sich Menschen einfache Erklärungen und einfache Lösungsvorschläge. Diese einfachen Aussagen werden ihnen vorenthalten, weil die Situation nicht einfach ist. Ich beobachte Covid-19 schon seit Anfang des Jahres und obwohl ich vom Fach bin, bin ich mir nicht sicher, ist Covid-19 eine primäre Lungenkrankheit oder eher eine primäre Gefäßkrankheit und die Lunge ist dabei das anfälligste Organ. Ich bin mir auch nicht sicher, was macht mehr Schaden, das Virus selbst oder die Immunantwort. Kurz gesagt, wir haben in Bezug auf Covid-19 sehr viele Einzelfakten, die sich allmählich zu einem Gesamtbild zusammen fügen, und wir haben parallel dazu die Wissenschaft, die versucht hinter den Einzelfakten Zusammenhänge zu erkennen. Die Wissenschaft arbeitet dazu mit Hypothesen, welche dann anhand der Fakten verifiziert oder widerlegt werden. Das größte Problem dabei ist, die Fakten sind begrenzt und sie liefern uns nicht die Antwort auf unsere eigentlichen Fragen. Deshalb müssen wir verallgemeinern und extrapolieren, aber gerade dabei gibt es immer das Risiko eines systematischen Fehlers, der umso größer wird, je weiter man sich von der konkreten Situation entfernt.

Mittlerweile wissen wir, der Lockdown hat funktioniert. Wir wissen aber auch, wir zahlen einen hohen Preis dafür. Und wir wissen, die Lasten sind nicht gleichmäßig verteilt, einzelne Bevölkerungsgruppen (z.B. Familien mit Kindern) haben einen besonders hohen Leidensdruck. Nach meiner Einschätzung muß die Politik derzeit zwei Aufgaben parallel bewältigen. Einerseits muss der Alltag bewältigt werden, das bedeutet die wirksamen, aber unspezifischen Maßnahmen des Lockdown müssen durch spezifische Maßnahmen ersetzt werden, welche weniger traumatisierend für die Menschen und die Wirtschaft sind. Und die Politik sollte eine Gesamtstrategie haben. Nach meiner Einschätzung gibt es nur zwei mögliche Gesamtstrategien, entweder wir leben bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes mit dem Coronavirus und den damit verbunden Einschränkungen. Oder wir versuchen die Kontrolle über die Epidemie zurück zu gewinnen und einen virusfreien Großraum zu schaffen. Ländern wie Taiwan oder Südkorea fällt dies leichter, Deutschland im Herzen der EU kann sich nicht auf Dauer vom Rest der EU isolieren. Ein virusfreier Großraum kann wenn überhaupt nur im Rahmen der EU funktionieren. Umso bedauerlicher ist die fehlende Präsenz der EU-Institutionen in der aktuellen Krise.

Die Obergrenze an Neuinfektionen wie von Frau Merkel verkündet, dient eher dazu, uns auf Dauer mit Covid-19 zu arrangieren. Für einen virusfreien Großraum sind nach meiner Einschätzung wesentlich strengere Obergrenzen erforderlich. Nach meiner (rein persönlichen Meinung) dürfte die Obergrenze bei einer Neuinfektion pro Tag und einer Million Einwohner liegen, damit die Gesundheitsämter wieder alle Einzelfälle verfolgen können. Mit der Frage Kontrolle und Kontrollverlust hatte ich mich bereits früher beschäftigt:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/109159/2019-nCoV-offenbar-schon-bei-sehr-leichten-Symptomen-uebertragbar

Was bedeutet all dies für Wissenschaftler, Politiker und den „einfachen Bürger“? Die Wissenschaftler haben ein ungefähres und täglich wachsendes Verständnis von dem, was gerade um uns passiert. Die Politiker müssen dagegen Entscheidungen treffen und sie müssen dabei die Erkenntnisse der Wissenschaft extrapolieren, wobei (von Frau Merkel als ehemaliger Physikerin einmal abgesehen) die wenigsten Berufspolitiker wissen, welche Fehler und Risiken mit dem Extrapolieren verbunden sind. Leider gibt es kein Wörterbuch und kein Übersetzungsprogramm von deutscher Wissenschaftssprache in deutsche Politikersprache. Und was dabei herauskommt, wenn sich Politiker mangels Faktenwissen auf ihr Bauchgefühl verlassen dafür gibt es genügend Beispiele: Ein Ge­sund­heits­mi­nis­ter, der in der Anfangsphase als Solidarität mit Italien gefragt war ein Exportverbot für Schutzmasken verordnet; ein Herr Laschet, der in NRW versucht Zwangverpflichtungen für Gesundheitspersonal einzuführen; ein Herr Söder, der offen für eine Impfpflicht mit einem noch nicht entwickelten Impfstoff ist; diverse Provinzpolitiker, die sich gerade in Forderungen nach einem Ausstieg aus dem Lockdown überbieten.

Die Kakophonie aus den Reihen der Politik führt zu einer zunehmenden Verunsicherung der Bürger. Und dort wo es keine allgemein anerkannten Wahrheiten gibt, macht sich jeder seine eigene Wahrheit. Und das ist immer die Wahrheit, die dem eigenen Weltbild am nächsten ist. Das ist natürlich der ideale Nährboden für Verschwörungstheorien. Die subjektiv geprägte schnelle eigene Wahrheit ist notwendig zur Bewältigung des Alltags. Aber irgendwann werden sich die objektiven Realitäten durchsetzen. Bei Hygienefehlern werden die Infektionszahlen steigen. In meinem beruflichen Umfeld gibt es z.B. nach zwei Wochen der Entspannung wieder neue Fälle. Und die wirtschaftlichen Folgekosten werden wir alle tragen müssen, ob es über Sondersteuern oder Inflation läuft, das kann ich nicht vorhersagen.

Wie gesagt, der schmerzhafte Kontakt mit der Realität wird irgendwann stattfinden. Je weniger man sich dabei in der selbstgewählten Blase eingemauert hat, um so weniger traumatisierend ist die Rückkehr in die Realität. Die selbstgewählte Blase als Massenphänomen birgt noch ein weiteres Risiko: Es fehlt eine breite Diskussion darüber, welche strategischen Ziele in dieser Krise verfolgt werden sollen und es fehlt ein breite Diskussion darüber, wo durch die aktuellen Maßnahmen unverhältnismäßige Härten entstehen und wo nachgebessert werden muss. Auf den fachlichen und moralischen Kompass von Herrn Spahn, Herrn Laschet und Herrn Söder würde ich nicht vertrauen, umso wichtiger ist es, dass neben den Wissenschaftlern sich die Zivilgesellschaft in die Diskussion einbringt. Deshalb ist es in der jetzigen Situation auch so wichtig, die eigene Schnappatmung abzustellen und den eigenen Wutbürger an die kurze Leine zu legen. In dieser Hinsicht hat auch doc.nemo recht, in einer Kakophonie hört man immer nur die ganz lauten Stimmen. Die Stimme der Vernunft ist naturgemäß leise und sie kann deshalb nur dann gehört werden, wenn sie von vielen gesprochen wird.

Um mit den Emotionen runterzukommen, hilft vielleicht auch mal ein Buch passend zur Covid-19 Epidemie, der Roman ist zwar bereits 1974 erschienen, aber auch heute noch lesenswert:
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_geschützten_Männer

Und hier noch ein alternativer Vorschlag zum Abstand halten ;-)
https://www.svz.de/deutschland-welt/panorama/Chinesische-Grundschueler-tragen-Ein-Meter-Huete-im-Unterricht-id28157032.html
Avatar #88255
doc.nemo
am Montag, 11. Mai 2020, 08:33

Keine Heimat für gemäßigte Kritiker

Für rational denkende, gemäßigte Kritiker der Corona-Maßnahmen gibt es momentan keine mediale Heimat. Die "Hygiene-Demos" sind von Verschwörungstheoretikern, Rechtsradikalen und eingefleischten Impfgegnern (gegen welche Impfung eigentlich?) dominiert, die öffentlich-rechtlichen Medien fahren einen strammen, regierungskonformen Jubelkurs und stellen Kritiker zu oft als moralisch fragwürdig oder gar minderwertig dar, so geschehen u.a. mit Wolfgang Schäuble und Boris Palmer (Wodarg und Bhakdi will ich in diesem Zusammenhang nicht nennen, sie sind zurecht im Abseits). Es gibt keinen Zweifel daran, dass zahlreiche Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind, andere aber weit über das Ziel hinausschießen, z.B. undifferenzierte Ausgangssperren wie in Bayern und im Saarland, Quarantänierung ganzer Gemeinden, strikte Besuchsverbote in Pflegeheimen selbst bei sterbenden Bewohnern u.a.m. Dass andere Länder noch viel radikalere Maßnahmen ergriffen haben, ist keine Rechtfertigung für uns.
Avatar #760158
wilhem
am Montag, 11. Mai 2020, 07:32

Also

ich war in Berlin dort, weil ich zufällig mit dem Rad vorbeikam und man muss schon sagen, es war bedenklich. Protest ja, aber es tummeln sich dann viel Verschwörungstheoerektiker und Rechte dort, die dies auch offen zeigen. Wo waren Sie denn bermudadoc00?

Beste Grüße
Avatar #661050
bermudadoc00
am Montag, 11. Mai 2020, 04:27

Bitte im Ärzteblatt sachlich bleiben. Sie sind nicht die Bildzeitung!

Ich habe das Ärzteblatt immer wegen seiner differenzierten, sachlichen Beiträge geschätzt. Bei einem Artikel wie diesem hier fühle ich mich wie ein Bildzeitungsleser. Bitte nicht weiter in diesem Ton! Einfach die Narrative der antisemitischen Verschwörungstheoritiker zu übernehmen ohne sich selber ein Bild zu machen ist unseriös. Waren sie auf den Demonstrationen oder übernehmen sie nur die Begriffe der anderen Zeitungen? Auch unter uns Ärzten gibt es Kollegen, die die Maßnahmen, die im Rahmen der Corona-Pandemie gegen das Grundgesetz verstoßen könnten, kritisch sehen. Sind diese Kollegen dann auch antisemitische Verschwörungstheoritiker?
Avatar #759489
MITDENKER
am Sonntag, 10. Mai 2020, 22:56

Die Inflation des Begriffs "Verschwörungstheorie"...

...sehe ich nicht nur mit Sorge, sondern bin zunehmend von dieser primitiven Abqualifizierung von Kritikern genervt.
Wenn Herr Reiter schreibt: " Reiter bezeichnete es auch als „absolut unerträglich“, dass politisch extrem rechte Gruppierungen versuch­ten, die Stimmung zu nutzen, um demokratiefeindliche Hetze zu verbreiten." dann verkennt er, dass zunehmend Otto Normalos sauer werden. Die paar Rechten, die sich da untermischen erinnern mit an den lästigen "Schwarzen Block", den man auch auf den Demos (z.B. gegen die WAA) nicht los werden konnte. Spätestens wenn es 10.000e werden, wird Reiter vorsichtiger werden mit solchen Angriffen gegen Bürger, die ihre Grundrechte wahrnehmen.
Übrigens: Im sozialdemokratischen München wurde der ÖDP-Vorsitzende inhaftiert, weil er sich auf eine Bank gesetzt hatte. Erst das höchste Gericht kassiert diesen Münchner Schwachsinn.
Avatar #767798
Cryonix
am Sonntag, 10. Mai 2020, 21:50

@plink

Nein, sind Sie nicht. Sie betrachten das nur falsch. Sie müssen nur in die richtige Spalte der Matrix schauen, um die wahren Verschwörungstheoretiker auszumachen. Die Meisten von denen beziehen Diäten.
p.S.: wenn Sie im Plz-Bereich 50xxx praktizieren, haben Sie einen neuen Patienten ;-)
Avatar #825141
plink
am Sonntag, 10. Mai 2020, 21:11

Ich bin Verschwörungstheoretiker

...weil ich die groben statistischen Fehler der RKI sehe; weil ich sehe, dass es niemals ein exponentielles Wachstum der „Corornapandemie“ gab; weil ich sehe, dass die Pandemie abebbt; weil ich selbstgenähte Mund-Nasen-Bedeckungen für Virenschleudern halte und weil ich sehe, dass ganz überwiegend sehr alte schwer kranke Menschen an den Folgen von COVID19s sterben, während eine Influenza auch Kleinkinder tötet.
Ich bin 64 Jahre, Facharzt für Innere Medizin/Nephrologie und habe bisher schwarz oder grün gewählt - NIE MEHR!
Avatar #765299
Paul-a
am Sonntag, 10. Mai 2020, 19:18

Tausende bei Demos..

Die Abqualifizierung eines Demonstranten als Verschwörungstheoretiker etc. weil er sich gegen
Regierungsmeinung stellt, erfüllt mich mit Sorge. Ich stehe zwar für aktuelle Entscheidungen (insb. Herr Söder hat recht überzeugend gewirkt), ob diese aber letztendlich die Richtigen waren, wird sich erst später zeigen. Leben wir noch in einer Demokratie?
LNS

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