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Medizin

COVID-19: Fast alle Patienten mit bestätigter Erkrankung entwickeln eine Immunantwort

Montag, 11. Mai 2020

/freshidea, stock.adobe.com

New York − Fast alle rekonvaleszenten Patienten, die sich nach einer dokumentierten COVID-19-Erkrankung einer Klinik in New York als potenzielle Plasmaspender angeboten hatten, waren Antikörper-positiv. Bei vielen waren jedoch weiterhin (bis zu 28 Tage) Virusgene in den Abstrichen nachweisbar. Unter den Personen mit vermuteter Erkrankung hatte nach den auf der Plattform MedRXiv (2020; DOI: 10.1101/2020.04.30.20085613) veröffentlichten Ergebnissen nur jeder Dritte Antikörper gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2.

Die Mount Sinai School of Medicine in New York hat in den letzten Wochen das vermutlich weltweit größte Projekt zur Serumtherapie von COVID-19 begonnen. Dem Vernehmen nach haben sich bereits mehr als 15.000 Personen gemeldet. Ania Wajnberg und Mitarbeiter stellen jetzt die Ergebnisse der ersten 1.343 Teilnehmer vor. Darunter waren 624 Patienten, bei denen die Infektion durch den Nachweis von SARS-CoV-2-Genen in einem Abstrich bestätigt worden war.

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Bei der ersten Untersuchung hatten erst 511 der 624 Personen einen hohen Antikörper-Titer (mindestens 1:320). Bei 42 Personen war der Titer mit 1:80 oder 1:160 niedrig. Die übrigen 71 Personen hatten noch niedrigere Titer oder keine Antikörper gegen SARS-CoV-2.

Die Personen mit niedrigem oder negativem Titer wurden zu einer Nachuntersuchung einbestellt, zu der 64 Personen erschienen. Von diesen hatten 57 median 13 Tage nach der ersten Untersuchung Antikörper im Blut, 4 waren weiterhin schwach positiv. Nur 3 Personen waren noch Antikörper-negativ. In allen 3 Fällen beruhte der Nachweis von SARS-CoV-2-Genen im Abstrich auf der Angabe der Patienten, die nicht stimmen muss. Wajnberg geht davon aus, dass „über 99 %“ der Patienten nach einer COVID-19-Erkrankung Antikörper gegen das Virus bilden.

Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu den in der Öffentlichkeit geäußerten Befürch­tungen, nach denen einige Patienten nach einer Infektion keinen Schutz erwerben. Wajnberg fügt allerdings einschränkend hinzu, das sie nicht belegen kann, dass die Antikörper tatsächlich eine protektive Wirkung entfalten und wie lange diese Schutz­wirkung anhält.

Bei SARS-1 und MERS hatten die Antikörper-Konzentration innerhalb weniger Monate nach der Erstinfektion einen Höchstwert erreicht. Danach ging der Titer zurück und einigen Patient wurden Antikörper-negativ. Wajnberg kündigte an, die Entwicklung der Antikörper bei den Studienteilnehmern über die nächsten 6 Monate zu beobachten.

Bei 719 Personen, die sich als Spender für die Plasmatherapie gemeldet hatten, waren vorher keine Abstrichuntersuchungen durchgeführt worden. Sie hatten sich gemeldet, weil aufgrund vom Symptomen eine Erkrankung vermutet worden war oder sie direkten Kontakt zu einem Infizierten hatten. In dieser Gruppe waren 240 Personen (35 %) mit einem hohen Titer und 19 (3 %) mit einem niedrigen Titer Antikörper-positiv. Die übrigen 436 Personen (62 %) waren Antikörper-negativ. Wajnberg vermutet, dass letztere eine Grippe oder eine andere Atemwegsinfektion mit COVID-19 verwechselt hatten oder sie hatten sich trotz Kontakt nicht angesteckt.

Interessanterweise hatten 249 Personen (19 %) noch einen positiven Abstrich, obwohl sie nach eigenen Angaben seit bis zu 28 Tagen keine Symptome mehr hatten. Der Nachweis von Virusgenen kann streng genommen eine Infektiosität nicht beweisen, die intakte Viren voraussetzt. Es ist möglich, dass es sich bei den Virusgenen nur noch um Relikte einer früheren Infektion handelt, schreibt Wajnberg.

Um sicher zu gehen, müsste die Infektiosität an Zellkulturen überprüft werden, wo es nach der Infektion durch die Viren zum Zelluntergang kommt (zytopathischer Effekt). Darauf wurde verzichtet. Es war vermutlich einfacher, diese Patienten zunächst nicht als Plasmaspender zu akzeptieren. © rme/aerzteblatt.de

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