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Politik

Unterkieferschiene hilft gegen Tagesschläfrigkeit bei obstruktiver Schlafapnoe

Mittwoch, 13. Mai 2020

/dpa

Köln – Eine nachts im Mund getragene Kunststoffschiene, die die Atemwege mechanisch offenhält, kann die Tagesschläfrigkeit von Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe lindern. Die Therapie ist der Positivdruckbehandlung per Schlafmaske nicht unterlegen. Zu die­sem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswe­sen (IQWiG) in seinem Abschlussbericht zum Thema.

Bei der obstruktiven Schlafapnoe verengen sich wiederholt die oberen Atemwege, wenn während des Schlafs die Atemmuskulatur erschlafft. Begleiterscheinung sind laute Schnarchgeräusche.

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Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe bekommen – meist ohne es zu merken – beim Schlafen schlecht Luft, haben Atemaussetzer und sind tagsüber sehr schläfrig. Dies er­höht auf Dauer das Risiko für andere Erkrankungen und kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Schätzungen zufolge leiden etwa fünf Prozent der Männer und drei Prozent der Frauen unter einer obstruktiven Schlafapnoe.

Bei leichter Ausprägung können eine Gewichtsreduktion und der Verzicht auf Alkohol und Rauchen die Symptome lindern. Auch eine Lagetherapie, die dafür sorgt, dass der Schla­fende nicht auf dem Rücken liegt, ist oft hilfreich. Genügt dies nicht, kommt die Positiv­druckbehandlung per Schlafmaske zur Anwendung. Sie hält die Atemwege der Patienten offen.

Medizinischen Leitlinien zufolge kann bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlaf­ap­noe auch eine Unterkieferprotrusionsschiene hilfreich sein, die während des Schlafs ge­tragen wird. Die von einem Zahnarzt oder einem Kieferorthopäden angepasste Kunst­stoffschiene im Mund sorgt dann dafür, dass der Unterkiefer weiter vorne gehalten wird. Dies hält die oberen Atemwege mechanisch offen. Patienten bevorzugen die Schiene häufig gegenüber der Positivdruckbehandlung.

Die IQWiG-Wissenschaftler sehen nach einer Auswertung von Studien zum Thema für den patientenrelevanten Endpunkt „Tagesschläfrigkeit“ einen Hinweis auf einen Nutzen der Schiene gegenüber keiner Behandlung beziehungsweise einer Placeboschiene.

Dieser Vorteil wird durch die Ergebnisse bei anderen patientenrelevanten Endpunkten – unter anderem Schlafqualität, kognitive Leistungsfähigkeit, depressive Symptomatik und Kopfschmerzen – nicht infrage gestellt. Für die Endpunkte Gesamtmortalität beziehungs­weise Gesamtüberleben und kardiovaskuläre Morbidität lagen keine Daten vor.

Im Vergleich zur Positivdruckbehandlung leiten die IQWiG-Wissenschaftler aus der Stu­dienlage für den patientenrelevanten Endpunkt „Tagesschläfrigkeit“ für die Schiene „ei­nen Hinweis auf Nichtunterlegenheit“ ab, wie es in der Sprache des Instituts heißt.

Auch hinsichtlich anderer patientenrelevanter Endpunkte war die Schiene gegenüber der Drucktherapie nicht unterlegen. Für die Endpunkte Gesamtmortalität beziehungsweise Gesamtüberleben und kardiovaskuläre Morbidität lagen keine verwertbaren Daten vor. © hil/aerzteblatt.de

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