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Ausland

Fauci warnt vor überhasteter Lockerung

Mittwoch, 13. Mai 2020

Anthony Fauci bei der Videoanhörung im US-Senat. /picture alliance, AdMedia

Washington – In den USA zeigt sich in der Coronakrise ein tiefer werdender Graben zwi­schen Präsident Donald Trump und seinem Coronachefberater Anthony Fauci. Während Trump weiter auf eine schnelle Lockerung der wegen der Pandemie erlassenen Beschrän­kungen drängte, warnte Fauci gestern vor den „wirklich schwerwiegenden“ Konsequenzen eines zu schnellen Vorgehens. Zugleich zeigte er sich „vorsichtig optimistisch“ beim Stand der Impfstoffentwicklung.

„Die Menschen wollen, dass unser Land offen ist“, sagte Trump vorgestern im Weißen Haus. Die USA hätten „enorme Fortschritte“ bei der Ausweitung der Tests gemacht, der Anstieg der Neuinfektionen habe sich stark verlangsamt. Es sei essenziell, das Land wie­der zu öffnen. Trump hofft, durch eine schnelle Lockerung der Beschränkungen die US-Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen – und so seine Chancen bei der Präsident­schaftswahl im November zu erhöhen.

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Gradmesser für Lockerungen sollte Anzahl der Neuinfektionen sein

Allerdings warnte der wichtigste Coronaberater von Trump vor einem zu schnellen Vor­gehen: Bei einer Anhörung im Senat in Washington sagte Fauci gestern, es seien Richt­linien entwickelt worden, wann und wie die Beschränkungen gelockert werden könnten. Eine der wichtigsten Voraussetzungen sei, dass über zwei Wochen hinweg die Zahl der Neuinfek­tionen deutlich sinke. „Wenn eine Gemeinde oder ein Bundesstaat oder eine Region nicht entsprechend der Richtlinien handelt, könnten die Konsequenzen wirklich schwerwiegend sein.“

Die USA sind mit mehr als 80.000 Todesfällen und 1,3 Millionen mit SARS-CoV-2 Infizier­ten das mit Ab­stand am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Die wirk­liche Zahl liege wahrscheinlich höher, gestand Fauci bei der Videoanhörung im US-Senat ein. Dies liege unter anderem daran, dass viele Menschen vor allem im besonders hart getroffenen New York gestorben seien, bevor sie ins Krankenhaus gebracht werden konnten.

Der Virologe zeigte sich zudem „vorsichtig optimistisch“ hinsichtlich der Aussichten auf einen Impfstoff. Derzeit würden acht potenzielle Impfstoffe klinisch getestet. „Wir haben mehrere Kandidaten und hoffen, mehrere Gewinner zu haben“, sagte Fauci. „Mit anderen Worten: Es wird aus mehreren Richtungen aufs Ziel geschossen.“

Fauci befindet sich derzeit in selbst auferlegter häuslicher Quarantäne, weil er Kontakt zu einem coronainfizierten Regierungsmitarbeiter hatte. Um den Umgang mit Coronafällen im Weißen Haus wird seit einigen Tagen gestritten. Trump kündigte nun an, als Schutz­maßnahme seine Kontakte zu Vizepräsident Mike Pence möglicherweise zu reduzieren.

Unterdessen wird ein Behelfskrankenhaus für Patienten mit SARS-CoV-2 im New Yorker Central Park wegen rückläufiger Patientenzahlen wieder abgebaut. Die US-Hilfsorganisa­tion Samaritan's Purse begann vorgestern mit dem Abbau der Zelte. Die christliche Or­ganisa­tion hatte das Behelfskrankenhaus mit 68 Betten Ende März aufgebaut, um die New Yor­ker Krankenhäuser in der Pandemie zu entlasten. Der letzte von 190 Patienten wurde nach Angaben einer Sprecherin am 5. Mai entlassen.

Das Coronavirus hat New York härter als jede andere US-Stadt getroffen und in der Ost­küstenmetropole zum Tod von rund 20.000 Menschen geführt. Die US-Gesund­heits­be­hörde CDC geht mittlerweile davon aus, dass die Zahl der Coronatoten in New York um mehr als 5.000 höher liegen könnte als offiziell gemeldet. Das legten Berechnungen zur Gesamtzahl der Todesfälle nahe, hieß es.

Inzwischen hat sich der Anstieg der Infektionszahlen aber verlangsamt. Wie Gouverneur Andrew Cuomo vorgestern mitteilte, starben im gesamten Bundesstaat New York inner­halb von 24 Stunden noch 161 Menschen an den Folgen einer Coronainfektion. Auf dem Höhepunkt der Ansteckungswelle im April hatte es an einem Tag fast 800 Todesfälle ge­geben. Insgesamt starben laut einer Zählung der Johns-Hopkins-Universität im Bundes­staat New York fast 27.000 Menschen.

Cuomo hatte wegen der dramatischen Situation am 22. März eine strenge Ausgangs­sper­re verhängt. Fast alle Geschäfte mussten schließen, nur Angestellte in systemrelevanten Berufen dürfen seither zur Arbeit gehen. In drei Regionen des Ostküstenstaats hat sich die Situation allerdings so verbessert, dass die Einschränkungen wieder gelockert wer­den. Von Freitag an dürfen bestimmte Unternehmen den Betrieb wieder aufnehmen, wie Cuomo ankündigte. New York City ist von den Lockerungen allerdings ausgenommen. Die Metropole bleibt voraussichtlich noch bis Juni im Ausnahmezustand. © afp/aerzteblatt.de

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