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Ärzteschaft

Verteilung der Arbeitslast hat sich durch Coronapandemie verändert

Mittwoch, 13. Mai 2020

/BillionPhotos.com, stock.adobe.com

Berlin – Die Coronapandemie hat die Verteilung der Arbeitslast in den deutschen Kran­ken­häusern verändert. Das zeigt eine Umfrage des Marburger Bundes (MB), an der sich zwischen dem 29. April und dem 10. Mai 8.707 Mitglieder des MB beteiligt haben.

Demnach ist das Arbeitsaufkommen seit Beginn der Coronakrise im März bei 17,7 Prozent der Befragten gestiegen, während es bei 57,2 Prozent gesunken ist. Bei 25,1 Prozent der Befragten ist es gleich geblieben.

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„Das Ergebnis kommt nicht überraschend“, schreibt der MB. Denn „seit Mitte März gibt es erheblich weniger planbare Operationen in den Krankenhäusern und auch das Notfall­ge­schehen ist zurückgegangen“.

50 Prozent der Befragten haben aufgrund des geringeren Arbeitsaufkommens Überstun­den abgebaut. 30 Prozent der Befragten wurden von ihrem Arbeitgeber aufgefordert, Ur­laub zu nehmen. 14,5 Prozent der Befragten mussten demgegenüber einen bereits ge­währ­ten Urlaub verschieben.

„Das deckt sich in etwa mit der Zahl der Ärztinnen und Ärzte, bei denen das Arbeitsauf­kommen in der Krise angestiegen ist“, sagte die 1. Vorsitzende des MB, Susanne Johna, heute bei der Präsentation der Zahlen während einer Onlinepressekonferenz.

Zum ersten Mal pünktlich nach Hause

Zehn Prozent der Befragten gaben an, dass in ihrem Unternehmen Kurzarbeit eingeführt wurde. „Betroffen sind vor allem Mitglieder des Marburger Bundes in Rehakliniken – dort liegt der Kurzarbeitanteil bei 54 Prozent –, im ambulanten Sektor (32 Prozent) und in pri­vaten Kliniken (12 Prozent)“, schreibt der MB.

Bei 37,9 Prozent dieser Ärzte wurde die Arbeitszeit um bis zu 50 Prozent reduziert, bei 25,6 Prozent um bis zu 25 Prozent. Nur in wenigen Fällen (4,1 Prozent) wurde Druck auf die Ärzte ausgeübt, eine Vereinbarung zur Kurzarbeit zu unterzeichnen.

„44,8 Prozent der Befragten sehen keinen Grund für Kurzarbeit“, erklärte Johna. „Das er­staunt uns nicht. Denn der MB-Monitor 2019 hat ergeben, dass Klinikärzte 65 Millionen Überstunden im Jahr machen. Das ist ein großer Puffer. Wenn es weniger Arbeitsbelas­tung gibt, würde es uns freuen, wenn die Überstunden abgebaut werden, statt Kurzarbeit zu beantragen.“

Johna zitierte ein MB-Mitglied, das in ein Freitextfeld geschrieben hatte: „Ich bin seit zwölf Jahren berufstätig. Zum ersten Mal in meinem beruflichen Leben gehe ich regel­mä­ßig pünktlich nach Hause und kann das tägliche Arbeitspensum sogar mit Mittagspause überwiegend vollständig bewältigen.“

Knapp die Hälfte befürchtet Überforderung des Gesundheitssystems

Wie in der Bevölkerung sei auch unter den Ärzten die Meinung zweigeteilt, wie sich die Pandemie weiter entwickelt, sagte Johna. So befürchten 44,2 Prozent der befragten Ärzte, dass es im weiteren Verlauf der Coronapandemie zu einer Überforderung des Gesund­heits­wesens kommen könnte. 41,5 Prozent teilen diese Befürchtung nicht.

„Hier scheinen die Erfahrungen aus den vergangenen Wochen eine wichtige Rolle zu spie­len“, schreibt der MB. Je nach eigenem Erleben werde die Gefahr einer größeren Aus­breitung und höherer Erkrankungszahlen durch das neue Coronavirus anders beurteilt.

„So werden vermutlich Ärztinnen und Ärzte, die erlebt haben, wie schnell sich der Ge­sund­heitszustand von COVID-19-Patienten von einem auf den anderen Tag verschlechtert hat, die weitere Entwicklung mit größerer Besorgnis sehen als diejenigen, die nicht in die intensivmedizinische Versorgung solcher Patienten eingebunden waren“, so der MB.

Schutzausrüstung fehlt nach wie vor

Medizinische Schutzausrüstung ist der Umfrage zufolge noch nicht in allen Kranken­häu­sern in ausreichendem Maß vorhanden. 38 Prozent der Befragten erklärten, dass sie keine adäquate Schutzkleidung in ausreichender Zahl zur Verfügung hätten. Bei 62 Prozent ist ausreichend Schutzausrüstung vorhanden.

Wenn es an Schutzausrüstung mangelt, fehlt es am häufigsten an FFP-2- und FFP-3-Schutzmasken (64 Prozent der Befragten machten diese Angabe) sowie an Schutzkitteln und Schutzanzügen (33 Prozent) und an Mund-Nase-Schutzmasken (14 Prozent).

„Wir sind dringend darauf angewiesen, dass vermehrt vor allem hochwertige Schutzaus­rüstung an die Krankenhäuser geliefert wird“, sagte Johna. „Denn wenn jetzt wieder mehr Operationen an den Kliniken vorgenommen werden, müssen wir uns die Frage stellen, ob wir während der Pandemie nicht auch Anästhesiepersonal, das den Patienten ja sehr nahe kommt, mit hochwertigen Masken ausstatten.“ © fos/aerzteblatt.de

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