NewsAuslandUN-Coronaresolution: Deutschland startet Rettungsversuch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

UN-Coronaresolution: Deutschland startet Rettungsversuch

Mittwoch, 13. Mai 2020

/picture alliance, NurPhoto

New York − Angesichts eines drohenden diplomatischen Debakels im zerstrittenen UN-Sicherheitsrat startet Deutschland einen möglicherweise letzten Versuch zur Rettung einer Coronaresolution.

Wie es aus Diplomatenkreisen hieß, machte Deutschland dem mächtigsten UN-Gremium gestern zusammen mit Estland einen weiteren Kompromiss­vor­schlag, der einen Weg aus der gegenwärtigen Blockade ebnen soll. Estland hat im Mai den Vorsitz im Rat inne.

Anzeige

Ein politischer Machtkampf zwischen den USA und China hatte den Sicherheitsrat in den vergangenen Wochen an den Rand des Scheiterns gebracht. Die beiden Vetomächte hatten sich heftig um die Nennung der Welt­gesund­heits­organi­sation WHO gestritten.

US-Präsident Donald Trump wirft der Organisation vor, im Sinne Chinas zu handeln und will sie nicht in dem Text erwähnt sehen − Peking dagegen bestand bis zuletzt darauf. Ein Vorschlag mit einer indirekten Nennung der WHO wurde von den USA zuletzt blockiert.

Der nun von Deutschland vorgeschlagene Text konzentriert sich auf das eigentliche Kern­anliegen der Resolution: Die Unterstützung von UN-Generalsekretär António Guterres bei seiner bereits etwa sieben Wochen alten Forderung nach einer weltweiten Waffenruhe in der Pandemie.

Auf die WHO wird demnach nicht eingegangen. Es blieb zunächst unklar, ob China den Vorschlag akzeptieren könnte. Falls Peking eine Resolution ohne Nennung der WHO ge­währen lassen würde, könnte das als Niederlage gewertet werden.

Ein Diplomat lobte die deutsche Initiative, bremste aber die Erwartungen: Noch immer sei die Chance auf einen Erfolg nicht hoch, der Versuch sei aber sehr wichtig. Bei einer gestrigen Beratung des Sicherheitsrates hinter verschlossenen Türen soll der Vorstoß auf Widerstand nicht nur von China, sondern auch von Ratsmitglied Südafrika gestoßen sein.

Die USA äußerten sich in der Sitzung demnach nicht. Deutschlands UN-Botschafter Chris­toph Heusgen drängte der deutschen UN-Mission zufolge zum Handeln: „Lassen Sie uns auf das konzentrieren, weswegen wir von unseren Regierungen hierher geschickt wurden und warum die Welt auf uns schaut.“

Die Zerstrittenheit des mächtigsten UN-Gremiums angesichts der größten Bedrohung der Gegenwart wurden in den vergangenen Tagen von Ratsmitgliedern bereits als „Schande“, die Diskussion über das Wort „WHO“ als „verrückt“ bezeichnet.

Die diplomatische Krise spiegelt auch den Streit zwischen der Trump-Regierung und Pe­king wider. Die beiden Vetomächte nutzen die Bühne Diplomaten zufolge für Machtde­mons­trationen statt zur Kooperation. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. Mai 2020
Alexandria/Köln – Krebskanke sind Risikopatienten für Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 und für schwere Verläufe der dadurch verursachten Erkrankung COVID-19. Die American Society
„Wir werden uns noch lange mit dieser Situation auseinandersetzen müssen“
29. Mai 2020
Berlin – Flüchtlinge in Sammelunterkünften sind besonders gefährdet, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren und an COVID-19 zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Leitung des Epidemiologen
Hohes Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen bei Geflüchteten in Sammelunterkünften
29. Mai 2020
Berlin – Nach der Vorlage der Rechtsvorordnung zur Erstattung von weiteren Tests auf das Coronavirus SARS-CoV-2, haben erste Verbände ihre Stellungnahmen abgegeben. So erklärte die Kassenärztliche
Coronakrise: Weiter Kritik an Kostenübernahme für zusätzliche Tests
29. Mai 2020
Berlin – Die gesetzlich vorgesehenen Ausgleichszahlungen für die Krankenhäuser reichen nicht aus, um die Erlösausfälle und Zusatzkosten durch die COVID-19-Pandemie zu kompensieren. Dadurch hat sich
Pandemie bringt viele Krankenhäuser in wirtschaftliche Schieflage
29. Mai 2020
Berlin − Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) rund 560 Infektionen mit SARS-CoV-2 binnen eines Tages gemeldet. Zwar hatte das RKI am frühen Freitagmorgen die
RKI meldet 560 Neuinfektionen in Deutschland
29. Mai 2020
Berlin – Politiker von Grünen und Linken fordern eine gesetzliche Grundlage für die geplante Corona-Warn-App der Bundesregierung. Ein solches Gesetz solle einen Missbrauch der App ausschließen, ihren
Grüne und Linke wollen gesetzliche Grundlage für Corona-Warn-App
29. Mai 2020
Berlin – Die Nachverfolgung der Infektionen mit SARS-CoV-2 ist für die Gesundheitsämter nach eigenen Angaben derzeit beherrschbar. Auch der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER