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Medizin

Brivudin: BfArM warnt erneut vor tödlicher Wechselwirkung mit Zytostatika

Donnerstag, 14. Mai 2020

/winyu, stock.adobe.com

Amsterdam/Berlin − Da das Herpes-Virostatikum Brivudin den enzymatischen Abbau von Zytostatika aus der Gruppe der Fluoropyrimidine hemmt, kann es bei einem kombinierten Einsatz zu einer tödlichen Überdosierung des Zytostatikums kommen. Die seit langem bekannte Wechselwirkung wird offenbar immer wieder übersehen, weshalb der Hersteller erneut in einem Rote-Hand-Brief darauf hinweisen muss.

Die pharmakologische Interaktion beruht auf der Hemmung des Enzyms Dihydropyrimi­din­-Dehydrogenase (DPD) durch den Brivudin-Metaboliten Bromovinyluracil. Da DPD für den Abbau von Pyrimidin-basierten Arzneimitteln wie Fluorouracil, Capecitabin, Tegafur und Flucytosin zuständig ist, kommt es bei einer gleichzeitigen oder zeitnahen Verord­nung zu einem Anstieg der Fluoropyrimidin-Konzentration. Die Wirkung des Zytosta­tikums wird gesteigert, unter Umständen mit tödlichen Konsequenzen.

Die Wechselwirkung ist seit langem bekannt. Es gab bereits einen früheren Rote-Hand-Brief und die Fachinformation enthält einen umrahmten Warnhinweis. Er weist eindring­lich darauf hin, dass zwischen der Verordnung der beiden Wirkstoffe ein zeitlicher Abstand von mindestens 4 Wochen eingehalten werden muss.

Dennoch kommt es offenbar immer wieder zu Behandlungsfehlern. Der Pharmakovigi­lanz-Ausschuss PRAC der Europäischen Arzneimittel-Agentur ermittelte in einer Bewertung 243 unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW). In 173 UAW wurde ein kausaler Zusammen­hang als möglich und in 57 UAW als wahrscheinlich eingestuft. Die Inzidenz wurde auf (51 Fälle/58,1 Millionen Tagesdosierungen) geschätzt.

Dass es immer wieder zu Zwischenfällen kommt, dürfte damit zusammenhängen, dass eine Chemotherapie das Immunsystem schwächt, was zu einer Reaktivierung von Herpesviren führen kann. Die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft beschrieb bereits 2006 einen typischen Fall.

Ein 75-jähriger Mann war wegen eines Rektumkarzinoms im Stadium III mit 4 Zyklen eines 5-FU enthaltenden Therapieregimes behandelt worden. Wenige Wochen später erkrankte er an einem Herpes zoster. Seine Hautärztin verordnete ihm Brivudin in der empfohlenen Dosierung von einer Tablette (125 mg) pro Tag über 7 Tage.

3 Tage nach Ende der Therapie mit Brivudin wurde der Patient zur Gabe eines weiteren Zyklus mit 5-FU stationär aufgenommen. Dort berichtete der Patient nicht, dass er kurze Zeit zuvor Brivudin eingenommen hatte. Er wurde regulär mit 5-FU behandelt und entlassen. 3 Tage später stellte er sich mit ausgeprägten Schleimhautläsionen im Krankenhaus vor.

Wegen seines schlechten Allgemeinzustandes wurde er stationär aufgenommen. Es kam zu einer ausgeprägten Leuko- und Thrombozytopenie. Trotz intensivmedizinischer Behandlung verstarb der Patient 3 Wochen später unter dem klinischen Bild einer Sepsis. © rme/aerzteblatt.de

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