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Medizin

SARS-CoV-2: Wie ein Sänger (fast) den gesamten Chor angesteckt hat

Donnerstag, 14. Mai 2020

/julia_104, stock.adobe.com

Atlanta − Das Zusammentreffen vieler Menschen auf engem Raum fördert die Ausbreitung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2. US-Epidemiologen berichten in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR: 2020; DOI: 10.15585/mmwr.mm6919e6) über ein Superspreader-Ereignis in einem Kirchenchor, wo eine Person gleich 52 Mitsänger infizierte, von denen 3 schwer erkrankten, davon 2 mit Todesfolge. Ähnliche Ereignisse wurden in Großbritannien und aus Berlin berichtet.

Am 10. März, einem Dienstagabend, hatten sich 61 Chorsänger in einer kleinen Kirche in Mount Vernon, einer Kleinstadt nördlich von Seattle, zu ihrer wöchentlichen Probe getroffen. Wie Lea Hamner von der Gesundheitsbehörde des Skagit County bei ihren Befragungen später herausfand, war darunter auch eine Person, die seit 3 Tagen unter leichten Symptomen litt. Die Person befand sich bei den Proben ganz am Rand des Chores. Dennoch hat sie während der zweieinhalbstündigen Probe 53 Chormitglieder infiziert.

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Am 15. März schickte der Chorleiter eine E-Mail an die Gruppenmitglieder, um ihnen mitzuteilen, dass am 11. oder 12. März mindestens 6 Mitglieder Fieber entwickelt hatten und dass 2 Mitglieder auf SARS-CoV-2 getestet worden waren und auf Ergebnisse warteten. Am 16. März waren die Testergebnisse für 3 Mitglieder positiv.

Am 17. März schickte der Chorleiter eine zweite E-Mail. Inzwischen hatten 24 Mitglieder Influenza-ähnliche Symptome entwickelt. Bei mindestens einem war das Testergebnis positiv auf SARS-CoV-2 ausgefallen. Viele Chormitglieder begaben sich in häusliche Quarantäne, noch bevor das Gesundheitsamt sie am 17. März dazu aufforderte.

Hamner hat den Verlauf der Chorprobe genau recherchiert. Die Probe begann um 18.30 Uhr. Mehrere Mitglieder kamen früher, um Stühle in einem großen Mehrzweckraum aufzustellen. Die Stühle waren in 6 Reihen zu je 20 Stühlen angeordnet, die bis zu 25 cm voneinander entfernt waren, wobei ein Mittelgang die linke und die rechte Bühne trennte. Die meisten Chormitglieder saßen auf ihren üblichen Probensitzen. Da nur 61 der 122 Chormitglieder an diesem Abend kamen, blieben einige Plätze leer.

Die Teilnehmer übten 40 Minuten zusammen und teilten sich dann für weitere 50 Minuten in 2 kleinere Gruppen auf. Danach gab es eine 15-minütige Pause mit einem kleinen Imbiss. Die Gruppe versammelte sich dann zu einer letzten 45-minütigen Probe auf ihren ursprünglichen Plätzen. Die meisten Teilnehmer verließen den Raum um 21 Uhr.

Der Sitzplan, den Hamner für den Abend erstellte, zeigt, dass der Index-Patient sich ganz links in der hinteren von fünf Reihen befand. Bis auf 8 Personen vorne rechts in der ersten Reihe hat er alle infiziert. Bis auf 2 erkrankten alle 53 Infizierten (inklusive des Indexpatienten). Die Symptome traten 1 bis 12 Tage nach der Chorprobe auf.

3 Patienten mussten hospitalisiert werden. 2 von ihnen starben 14 bis 15 Tage später in der Klinik an den Komplikationen. Die hohe Case-Fatality-Rate erklärt sich vermutlich aus dem hohen Alter der Chorsänger von median 69 Jahren. 9,4 % hatten eine und 22,6 % zwei oder mehr medizinische Grunderkrankungen.

Zu einem ähnlichen Superspreader-Ereignis kam es am 9. März in einem 120 m² großen Raum, in dem sich die Berliner Domkantorei zu ihrer wöchentlichen Probe trifft. Etwa 80 Personen waren laut Presseberichten anwesend. Auch hier kam es bereits nach wenigen Tagen zu den ersten Krankmeldungen. Nach 5 Tagen lag das erste positive Testergebnis vor. Rund 60 der 80 Chormitglieder hatten sich infiziert. Alle mussten in Quarantäne. Anders als im US-Staat Washington haben alle die Erkrankung inzwischen überstanden.

Nach einem Bericht der BBC haben sich auch in England Mitglieder von Chören infiziert. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #828607
Dr. Seltsam
am Freitag, 15. Mai 2020, 08:39

Dauer und Lautstärke beim Sprechen

Fast 85% der Anwesenden. Das erinnerte mich an einen koreanischen Cluster in einem Call Center mit ähnlichen hohen Zahlen 65%. Wenn also beim Sprechen Aerosole freigesetzt werden, dann proportional zur Lautstärke. Dies würde Superspreading Events erklären in Diskotheken (Korea) und Ischgl.
Ferner würde es erklären warum ausgerechnet bei den Ländern, die am lautesten sprechenden Italien, USA, Russland, Spanien die Fallzahlen höher sind, während die leisen Südostasiaten niedrige Zahlen haben. Die Thais flüstern ja förmlich.
Maskenpflicht daher vor allem dort wo viel Gesprochen wird.
Gastronomie hat hohen Geräuschpegel und Maske funktioniert beim Essen nicht. Daher ist die Öffnung der Gastronomie ein ernste epidemiologisches Problem. Geringster volkswirtschaftlicher Nutzen, höchste Ansteckungsrisiko
LNS

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