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Mehr Anrufe bei der Kinderschutzhotline

Freitag, 15. Mai 2020

/dpa

Berlin – Die Zahl der Anrufe bei der vom Bundesfamilienministerium initiierten Kinder­schutzhotline hat während der Coronakrise stark zugenommen. Allein in den ersten beiden Mai-Wochen sei das Hilfsangebot in mehr als 50 Verdachtsfällen durch medizini­sches Personal genutzt worden, sagte der Teamleiter der Hotline, der Kinderarzt Oliver Berthold, der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Das seien fast so viele Fälle gewesen wie im gesamten April.

„Wir werden teilweise wegen Verletzungen kontaktiert, die sonst nur bei Zusammenstö­ßen mit Autos auftreten“, sagte Berthold. Es gehe dabei etwa um Knochenbrüche oder Schütteltraumata. Betroffen seien besonders Kleinstkinder, die noch nicht selbst laufen können. „Da liegt der Verdacht nahe, dass den Kindern massive Gewalt zugefügt wurde“, sagte der Kinderarzt.

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Berthold berät gemeinsam mit acht Medizinern Anrufer der Kinderschutzhotline. Das Angebot richtet sich speziell an Beschäftigte in medizinischen Berufen wie Ärzte oder Therapeuten und soll in Verdachtsfällen Ratschläge geben, wie weiter vorgegangen werden kann.

„Wir vermuten, dass im Zuge der ersten Coronalockerungen jetzt sichtbar wird, dass es in manchen Familien zu Gewaltausbrüchen in der Krise gekommen ist“, sagte Berthold zu den steigenden Zahl von Anrufen. Überrascht äußerte er sich darüber nicht. Der Arzt ver­wies auf Studien, wonach zu erwarten sei, das in Krisensituationen die Gewalt gegen die Schwächsten in der Gesellschaft zunehme.

„Das sind in aller Regel die Kinder“, sagte der Mediziner. Angesichts der Ausgangsbe­schrän­kungen der vergangenen Wochen sowie geschlossener Schulen und Kitas seien Ex­tremsituationen in Familien abzusehen gewesen. „Diese klare Nebenwirkung der Lock­downmaßnahmen war zu erwarten, auch wenn die Maßnahmen aus epidemiologischer Sicht sinnvoll gewesen sein mögen“, sagte Berthold.

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, sagte der NOZ: „Das dauerhafte Einsperren der Kinder führt zu innerfamiliären Konflikten.“ Zu­dem sei gerade für Kinder der soziale Kontext von existenzieller Bedeutung. Daher sei „der rein virologische Blick auf die Lage nicht ausreichend“. Fischbach vermutet bei Ge­fährdungen von Kindeswohl zudem eine beträchtliche Dunkelziffer. Normalerweise wür­den die meisten Fälle von Kindergärten und Schulen gemeldet, „aber die sind geschlossen“ © afp/aerzteblatt.de

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