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Medizin

Wie Krebszellen dem Immunsystem entgehen – weiterer Mechanismus entschlüsselt

Montag, 8. Juni 2020

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

München – Wissenschaftler unter Federführung der Technischen Universität München (TUM) haben einen Mechanismus gefunden, um jene Zellen im Tumorgewebe zu identifizieren, die eine Immunantwort unterdrücken. Ihre Arbeit ist in der Zeitschrift Nature Immunology erschienen (DOI 10.1038/s41590-020-0666-9).

Das Immunsystem verteidigt bekanntlich den Körper nicht nur gegen Infektionen, sondern auch gegen Krebs. Der Schutz beruht insbesondere auf der Aktivierung von speziellen Zellen des Immunsystems, den CD8+ T-Zellen. Diese können Zellen als infiziert oder entartet erkennen und gezielt töten.

„Die Fähigkeit des Immunsystems und speziell der CD8+ T-Zellen, Krebszellen in Geweben wie Lunge, Darm oder Leber zu beseitigen, ist bei Tumorpatienten aber häufig einge­schränkt“, erklärt Percy Knolle, Experte für Molekulare Immunologie an der TUM.

Dabei senden die Tumorzellen Signale, die das Immunsystem bremsen. Das Wissen um diese Zusammenhänge führte in der Vergangenheit zur Entwicklung der sogenannten Checkpoint-Inhibitoren, welcher der Blockade des Immunsystems gegen Tumorzellen entgegenwirken.

Die Forschungsgruppe um Knolle und Bastian Höchst am Standort Freising-Weihen­stephan und am Klinikum rechts der Isar in München hat zusammen mit Forschenden der Universität Heidelberg und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie der Yale University eine neuartige Form der Unterdrückung Krebs-spezifischer Immunantworten gefunden und aufgeklärt.

Danach erreicht der Tumor die Blockade der Krebs-spezifischen CD8+ T-Zellen durch eine gezielte Verknappung von Aminosäuren, die für die Aktivierung von Immunzellen essentiell sind. „Wir konnten die übermäßige Produktion eines Abbauprodukts aus dem Glukose-Stoffwechsel als charakteristische Eigenschaft von Supressorzellen im Tumor identifizieren und gleichzeitig den Wirkmechanismus der Immunblockade aufklären“, erläuterte Höchst.

Entscheidend daran beteiligt sind laut der Studie sogenannte myeloide Supressorzellen. Das sind Fresszellen, welche die Aktivierung anderer Zellen des Immunsystems unterdrücken. Sie werden häufig in der Nähe von und auch in Tumoren gefunden.

Die Wissenschaftler gingen aber noch einen Schritt weiter und entwickelten eine Methode, diese Blockade der CD8+ T-Zellen aufzuheben. Die Kombination einer Checkpoint-Inhibition mit dieser spezifischen Auflösung der Blockade-Funktion des Stoffwechselprodukts führte im Experiment zu einer deutlich gesteigerten Krebs-spezifischen Immunantwort.

„Diese Ergebnisse werden die Entwicklung neuer Formen der Immuntherapie gegen Krebserkrankungen ermöglichen“, hofft Knolle. © hil/aerzteblatt.de

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