NewsAuslandChina will möglichen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 weltweit zur Verfügung stellen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

China will möglichen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 weltweit zur Verfügung stellen

Montag, 18. Mai 2020

/oliman1st, stock.adobe.com

Berlin − China hat angekündigt, im Falle einer erfolgreichen Impfstoffentwicklung gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 das Mittel weltweit zur Verfügung zu stellen. Soll­te China einen Impfstoff gegen das Virus entwickeln, werde Peking diesen zu einem „welt­­weiten Gut der Allgemeinheit“ machen, sagte Präsident Xi Jinping heute in einer Vi­deobotschaft zum Auftakt des Jahrestreffens der Weltgesundheitsversammlung (WHA) in Genf. Damit solle der Impfstoff auch für Entwicklungsländer verfügbar und bezahlbar ge­macht werden.

In China laufen derzeit klinische Tests mit fünf möglichen Impfstoffen. Weitere Impfstoff­kandidaten warten noch auf die Genehmigung von Tests an Menschen. Auch in zahlrei­chen anderen Ländern wird an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neuartige Co­ronavirus gearbeitet. Experten gehen davon aus, dass es mindestens zwölf bis 18 Monate dauern wird, bis ein wirksames Mittel zur Verfügung steht.

Anzeige

In der chinesischen Stadt Wuhan war das Virus im Dezember erstmals bei Menschen fest­gestellt worden. Vor allem die US-Regierung unter Präsident Donald Trump macht China schwere Vorwürfe. Nach Darstellung Washingtons hätten weltweit viele Tote vermieden werden können, wenn die Führung in Peking transparenter mit dem Ausbruch der Krankheit umgegangen wäre.

Xi versicherte in seiner Videobotschaft, sein Land sei „immer offen, transparent und ver­antwortungsvoll“ im Umgang mit dem Virus gewesen und habe seine Erkennt­nis­se zügig mit der internationalen Gemeinschaft geteilt. Peking unterstütze zudem Bestre­bungen, die weltweite Reaktion auf die Pandemie „umfangreich zu bewerten“, nachdem diese un­ter Kontrolle gebracht sei.

Xi kündigte zudem an, sein Land werde im globalen Kampf gegen das Coronavirus inner­halb von zwei Jahren zwei Milliarden Dollar bereitstellen. Der chinesische Staatschef sprach zum Beginn der WHA, die eines der Hauptorgane der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) ist.

Die Jahrestagung der 194 WHO-Mitgliedstaaten findet wegen der Pandemie in diesem Jahr erstmals virtuell statt. Hauptthema der auf zwei Tage verkürzten Konferenz ist die globale Antwort auf die Ausbreitung des neuartigen Erregers, an dessen Folgen weltweit bereits mehr als 310.000 Menschen gestorben sind.

Vor der Jahresversammlung der WHO hatten Entwick­lungs­organisationen in Deutschland eine gerechte Verteilung von Medikamenten und Impfstoffen weltweit angemahnt. Aus Sicht des entwicklungspolitischen Dachverbands Venro muss ein zentrales Ergebnis der Konferenz ein garantierter Zugang zu Medikamen­ten und Impfstoffen für alle Menschen sein − unabhängig davon, in welchem Land sie leben, ob wohlhabend oder in Armut.

„Gerade jetzt wird deutlich, dass wir eine starke, handlungsfähige Weltgesundheits­orga­ni­sation und gemeinsame Anstrengungen aller Mitgliedsstaaten brauchen“, sagte Vor­stand Bernd Bornhorst heute in Berlin.

Die Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, erklärte, dass eine Pandemie wie COVID-19 verdeutliche, dass der Zugang zu Forschungsergebnissen sowie die Entwicklung und die Verteilung von Impfstoffen und Medikamenten nicht weniger internationale Regulierung brauchten, sondern mehr. „Nur wenn alle Menschen weltweit geschützt werden, können wir die Pandemie überwinden. Gesundheit ist ein öffentliches Gut“, bekräftigte Füllkrug-Weitzel.

Als einzige übergeordnete Instanz für globale Gesundheit brauche die WHO eine verläss­liche Finanzierung und die uneingeschränkte politische Unterstützung seitens ihrer 194 Mitgliedsstaaten. Der Konflikt zwischen den USA und China dürfe bei dieser Aufgabe nicht behindern.

Zugleich mahnten Bornhorst und Füllkrug-Weitzel, andere lebensbedrohliche Krankhei­ten über die COVID-19-Pandemie nicht aus dem Blick zu verlieren. Dass die begrenzten Ressourcen für die Gesundheitsversorgung derzeit in vielen Ländern zur aktuellen Pande­miebekämpfung genutzt werden, hat verheerende Auswirkungen in ärmeren Ländern.

Prognosen zufolge könnte sich die Zahl der Malaria-Toten auf 769.000 nahezu verdopp­eln. Auch Todesfälle durch Aids und Tuberkulose sowie durch vernachlässigte Tropen­krank­heiten wie Flussblindheit, Wurmerkrankungen oder Tollwut nähmen massiv zu. Die Bewältigung der COVID-19-Pandemie steht im Fokus der heute zusammen­kommen­den WHA, dem höchsten Entscheidungsgremium der Welt­gesund­heits­organi­sation. © afp/kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Juni 2020
Köln – Das Risiko für Infektionen mit dem Pandemievirus SARS-CoV-2 und für schwere Verläufe einer COVID-19-Erkrankung ist bei einem großen Teil der Tumorpatienten erhöht: durch Komorbiditäten, durch
„Bei schnell wachsenden Tumoren müssen wir behandeln“
30. Mai 2020
Alexandria/Köln – Krebskanke sind Risikopatienten für Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 und für schwere Verläufe der dadurch verursachten Erkrankung COVID-19. Die American Society
„Wir werden uns noch lange mit dieser Situation auseinandersetzen müssen“
29. Mai 2020
Berlin – Flüchtlinge in Sammelunterkünften sind besonders gefährdet, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren und an COVID-19 zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Leitung des Epidemiologen
Hohes Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen bei Geflüchteten in Sammelunterkünften
29. Mai 2020
Berlin – Nach der Vorlage der Rechtsvorordnung zur Erstattung von weiteren Tests auf das Coronavirus SARS-CoV-2, haben erste Verbände ihre Stellungnahmen abgegeben. So erklärte die Kassenärztliche
Coronakrise: Weiter Kritik an Kostenübernahme für zusätzliche Tests
29. Mai 2020
Berlin – Die gesetzlich vorgesehenen Ausgleichszahlungen für die Krankenhäuser reichen nicht aus, um die Erlösausfälle und Zusatzkosten durch die COVID-19-Pandemie zu kompensieren. Dadurch hat sich
Pandemie bringt viele Krankenhäuser in wirtschaftliche Schieflage
29. Mai 2020
Berlin − Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) rund 560 Infektionen mit SARS-CoV-2 binnen eines Tages gemeldet. Zwar hatte das RKI am frühen Freitagmorgen die
RKI meldet 560 Neuinfektionen in Deutschland
29. Mai 2020
Berlin – Politiker von Grünen und Linken fordern eine gesetzliche Grundlage für die geplante Corona-Warn-App der Bundesregierung. Ein solches Gesetz solle einen Missbrauch der App ausschließen, ihren
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER