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Ausland

EU-Parlament in Straßburg zu SARS-CoV-2-Test­zentrum umfunktioniert

Montag, 18. Mai 2020

Mindestens bis Ende Juli sollen auf der Fläche der EU-Parlaments-Kantine im Louise-Weiss-Gebäude Menschen auf eine Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 getestet werden. /picture alliance, Amelie Richter

Straßburg − Keine Anzug tragenden Abgeordneten und ihre gestressten Assistenten mehr, dafür weiße Kittel und Schutzmasken: Der Sitz des EU-Parlaments in Straßburg ist im Zuge der Coronapandemie in ein Testzentrum umfunktioniert worden. Mit einer Kapazität von bis zu 2.000 Tests pro Tag ist es die größte derartige Einrichtung in der Region im Osten Frankreichs.

„Der Arzt hat uns aus Sicherheitsgründen hergeschickt, weil wir mit einem asymptoma­tischen Infizierten Kontakt hatten“, erzählt der 62-Jährige Philippe. Er ist gemeinsam mit seiner Frau gekommen, um sich testen zu lassen. Dafür mussten sich die beiden zunächst in einem Zelt melden, das neben den wehenden Fahnen der 27 EU-Länder vor dem impo­santen Parlamentsgebäude errichtet wurde.

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Die Feuerwehr kontrolliert dort die zu testenden Menschen: Sie benötigen einen Termin, ein ärztliches Rezept und dürfen keine Symptome der Krankheit COVID-19 zeigen. Im Fall von Fieber, Husten oder anderen Symptomen wird ein medizinischer Notfalldienst ver­ständigt.

Wer die Kontrolle passiert, betritt das Parlamentsgebäude über die Zufahrt zur Tief­garage und gelangt der Beschilderung folgend in den Saal, der in normalen Zeiten die Parla­ments­kantine beherbergt. Die Tische wurden weggeräumt, weiße Trennwände formen die verschiedenen Bereiche des Testzentrums.

Hier wird der Abstrich genommen: Maske abnehmen, Nase putzen, Wattestäbchen in die Nasenlöcher. Der Abstrich muss innerhalb einer Woche nach dem Kontakt mit einem In­fi­zierten erfolgen. Innerhalb von etwa 24 Stunden gibt es dann ein Ergebnis, das Auf­schluss darüber gibt, ob die Testperson Träger des Virus ist.

Das Prozedere dauert nur wenige Minuten, und die Getesteten können das Parlament auf der anderen Seite wieder verlassen. „Wir haben das Gebäude so beschildert, dass die Men­schen beim Verlassen nicht die Ankommenden treffen“, erklärt Alexandra De Wael, Bauingenieurin beim Europäischen Parlament.

Parlamentspräsident David Sassoli hatte Anfang April angeboten, das Straßburger Gebäu­de den örtlichen Behörden für den Kampf gegen die Pandemie zur Verfügung zu stellen. Bis mindestens September werden dort ohnehin keine Sitzungen abgehalten. Der stark eingeschränkte Parlamentsbetrieb findet derzeit ausschließlich in Brüssel statt.

Vor wenigen Tagen wurde das Zentrum in Betrieb genommen, zunächst mit nur einigen Dutzend Tests pro Tag. Die Kontaktnachverfolgung läuft in der Region noch an, die Behör­den rechnen aber bald mit einem massiven Bedarf an derartigen Tests. „Bei einem Patien­ten mit Symptomen müssen wir von etwa 20 Kontaktpersonen ausgehen“, rechnet der Bio­loge Pascal Wittersheim vor.

In der Region Grand-Est gibt es insgesamt 220 dieser Testzentren. Bis zu 18.000 Men­schen können dort täglich getestet werden. Das Zentrum im EU-Parlament hat mit 2.000 möglichen Proben die größte Kapazität. © afp/aerzteblatt.de

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