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Ausland

Krankenhauspersonal bereitet belgischer Regierungschefin frostigen Empfang

Montag, 18. Mai 2020

Belgiens Premierministerin Sophie Wilmés /picture alliance, Dirk Waem, BELGA

Brüssel − Das Personal einer Brüsseler Klinik hat der belgischen Regierungschefin Sophie Wilmès einen frostigen Empfang bereitet. Als Wilmès vorgestern das St.Peter-Kranken­haus in der belgischen Hauptstadt besuchte, wandten ihr die zum Empfang vor der Klinik stehen­den Mitarbeiter demonstrativ den Rücken zu.

Nach belgischen Medienberichten handelte es sich um einen Protest unter anderem ge­gen die schlechte personelle Ausstattung trotz der Coronakrise. „Die Politiker kehren un­seren Hilferufen ständig den Rücken“, sagte ein Pfleger, der anonym bleiben wollte, dem Sender RTBF. „Die Mannschaften sind unterbesetzt und die Burnoutraten zeigen es. Wir wollen, dass der Beruf richtig geschätzt wird.“

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Ein Sprecher von Wilmès sagte, die Regierungschefin habe in der Klinik 40 Minuten lang mit Vertretern der Demonstranten gesprochen, dort sei die Atmosphäre freundlicher ge­wesen. Wilmès schrieb selbst im Kurzbotschaftendienst Twitter, das Treffen sei ein „wich­tiger Moment“ gewesen. „Die Gesundheitssituation, der Schutz, die psychische Belastung, der Respekt für den Be­ruf, die Finanzierung des Gesundheitswesens − nichts war tabu“, so Wilmès.

Belgien verzeichnet wegen der Pandemie nach Angaben von Forschern derzeit eine Über­sterblichkeit von historischem Ausmaß. „April 2020 war der tödlichste April seit dem Zweiten Weltkrieg, sowohl in absoluten Zahlen als auch pro Einwohner“, erklärten For­scher der Freien Universität Brüssel (VUB) heute. Demnach sind die überzähligen Todes­fälle „aller Wahrscheinlichkeit nach vollständig auf COVID-19“ zurückzuführen.

Den Forschern zufolge starben im vergangenen Monat in Belgien knapp 15.000 Men­schen – rund 6.000 mehr, als zu erwarten gewesen wäre. „Dabei ist der April einer der Monate, in denen die Sterblichkeitsrate normalerweise sinkt, weil sie aufgrund von Grippeepidemien während der Wintermonate Januar, Februar und März höher ist“, sagte Patrick Deboosere, Professor für Demografie an der VUB.

Debooseres Team geht davon aus, dass das Virus besonders in der Altersgruppe der 65- bis 84-Jährigen für viele vorzeitige Todesfälle verantwortlich war. In stark von der Pande­mie betroffenen Gebieten, darunter die Städte Mons, Brüssel, Hasselt und Lüttich, ist auch die Übersterblichkeit in der Altersgruppe von 45 bis 64 Jahren merklich erhöht.

Belgien mit seinen 11,5 Millionen Einwohnern ist von der Pandemie stark betroffen. Bis Montag wurden 55.559 Infektionen mit dem neuartigen Erreger registriert, 9.080 Men­schen starben. Das ist eine der höchsten Pro-Kopf-Todesraten weltweit.

Die Behörden verweisen in diesem Zusammenhang auf besondere Genauigkeit bei der Erfassung der Toten in Belgien. Todesfälle in dortigen Altenheimen fließen häufig in die Statistiken ein, auch wenn nicht zweifelsfrei erwiesen ist, dass der Tote tatsächlich Träger des Virus war oder daran starb.

Laut Deboosere spricht die deutlich erhöhte Übersterblichkeit dafür, dass Belgien mit sei­ner speziellen Zählweise näher an der Realität liegt, als viele andere Länder. „Auf inter­na­tionaler Ebene müssen die Zahlen für mehrere Länder in Zukunft möglicherweise nach oben korrigiert werden.“ © afp/aerzteblatt.de

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